Basel

Baloise verdient dank tiefen Steuern mehr

Der Versicherungskonzern Baloise hat im Geschäftsjahr 2016 mehr verdient, und das trotz Altlasten. Der den Aktionären zurechenbare Gewinn erhöhte sich um 4,4 Prozent auf 534,8 Millionen Franken. Dazu trugen vor allem auch tiefere Steuern bei.

Drucken
Teilen
Dank tieferen Steuern hat die Baloise 2016 mehr verdient.

Dank tieferen Steuern hat die Baloise 2016 mehr verdient.

Keystone

Vor Steuern fiel der Gewinn mit 645,6 Millionen Franken tiefer aus als 2015 mit 679,3 Millionen Franken. Belastet wurde das Ergebnis von einer Aufstockung der Reserven im deutschen Nichtlebengeschäft. Umgekehrt profitierte der Konzern in der Schweiz von einer buchhalterischen Entlastung der Pensionsrückstellungen ungefähr im gleichen Ausmass, wie die Baloise am Donnerstag mitteilte.

Für das tiefere Vorsteuerergebnis war schliesslich vor allem das Geschäft mit Lebensversicherungen verantwortlich. Aufgrund der tiefen Zinsen verstärkten die Basler die Reserven um rund 317 Millionen Franken. In der Folge sackte der Betriebsgewinn (EBIT) des Lebengeschäfts um 18,5 Prozent ab auf 226,1 Millionen Franken.

Anlagerisiko vermehrt beim Kunden

Die Baloise sieht sich dafür auf Kurs bei der Strategie, den Geschäftemix zu verbessern. Wegen der tiefen oder gar negativen Zinsen lohnen sich traditionelle Lebensversicherungen für Versicherer kaum mehr.

Die Baloise setzt deshalb wie andere Versicherungen stärker auf Prämien mit Anlagecharakter, bei denen das Sparkapital des Versicherungsnehmers auf dessen Rechnung und Risiko angelegt wird. Die Versicherung muss daher selbst keine Zinsgarantie abgeben.

Als Folge dieser Strategie ging 2016 das Geschäft mit traditionellen Lebensversicherungen weiter auf 3,6 Milliarden Franken zurück - gegenüber dem Vorjahr ein Minus von 5,6 Prozent. Die Prämien mit Anlagecharakter wuchsen demgegenüber um 5,5 Prozent auf 2,2 Milliarden Franken. Der Löwenanteil davon entfällt auf Luxemburg. Von da aus betreibt die Baloise ihr internationales Lebengeschäft.

Verbesserungen im Sachgeschäft

Mehr Geld verdienen konnte die Baloise 2016 mit dem Nichtlebengeschäft. Der Konzern nahm mit 3,1 Milliarden Franken 3,0 Prozent mehr Prämien ein. Der Betriebsgewinn stieg um 0,2 Prozent auf 396,4 Millionen Franken - trotz den Reserveverstärkungen in Deutschland und höherer Grossschadenlast aufgrund der europaweiten Flut- und Hagelschäden sowie Brandschäden in der Industrie.

Der Schaden-Kosten-Satz, das Verhältnis von Schadenaufwand zu Prämieneinnahmen, verbesserte sich um 1,1 Prozentpunkte auf 92,2 Prozent. Ohne die Belastungen aus Deutschland wäre der Satz sogar auf 90,3 Prozent zurückgefallen, erklärte Konzernchef Gert de Winter an einer Telefonkonferenz. Grund dafür waren den Angaben zufolge die etwas höheren Abwicklungsgewinne für Geschäfte aus früheren Jahren sowie tiefere Elementarschäden aus Überschwemmungen in der Schweiz.

In der Schweiz verbesserte sich der Schaden-Kosten-Satz (Combined Ratio) um ganze 6 Prozentpunkte auf 81,2 - das beste Ergebnis im Konzern. In Deutschland sieht die Baloise mit der Reserveverstärkung die Grundlagen geschaffen, um ab 2017 den Turnaround zu bewerkstelligen.

Erwartungen übertroffen

Weiter steigerte die Baloise 2016 im Bankgeschäft das operative Ergebnis - es kletterte um 14 Prozent auf 92,1 Millionen Franken. Ohne den buchhalterischen Effekt aufgrund der Pensionsplanänderung wäre der Gewinn stabil geblieben.

Analysten zeigten sich angetan von den Zahlen. Die Erwartungen wurden übertroffen. Die Branchenbeobachter beurteilten auch den Ergebnisbeitrag aus dem Lebengeschäft trotz Reserveverstärkungen positiv. Zudem zeigten sich sie insbesondere vom Ergebnis im Heimmarkt Schweiz in der zweiten Jahreshälfte überzeugt.

Die Aktionäre sollen vom guten Ergebnis profitieren und eine um 20 Rappen erhöhte Dividende von 5,20 Franken pro Aktie erhalten. Der bereits angekündigte Aktienrückkauf im Umfang von bis zu 3 Millionen Aktien soll noch im ersten Halbjahr lanciert werden.

Die Fortführung der attraktiven Aktionärspolitik ist eines der Ziele der neuen Baloise-Strategie bis 2021. Zudem hat sich der Versicherer vorgenommen, eine Million zusätzliche Kunden zu gewinnen und zu den beliebtesten Arbeitgeber der Branche aufzusteigen.