Kapo2016
Basler Polizei will Smartphones und Tablets für effiziente Einsätze

Neue mobile Kommunikationsmittel und verbesserte Abläufe sollen die Arbeit der Kantonspolizei Basel-Stadt effizienter machen. Für das Projekt «Kapo2016» beantragt die Regierung dem Grossen Rat rund 10 Millionen Franken.

Annika Bangerter
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Daten sollen an der Front schnell über mobile Kommunikationsmittel abgerufen werden können. (Archiv)

Daten sollen an der Front schnell über mobile Kommunikationsmittel abgerufen werden können. (Archiv)

Keystone

Weg vom Schreibtisch, raus auf die Strasse: Die Kantonspolizei soll sich künftig weniger mit bürokratischer Arbeit herumschlagen. «Wir wollen die Schreibarbeit um 50 Prozent reduzieren», sagte Regierungsrat Baschi Dürr gestern gegenüber den Medien. Im Rahmen des Projekts «Kapo 2016» will er dieses Ziel unter anderem mit technischen Hilfsmitteln erreichen: Smartphones und Tablets sollen die Arbeit der Polizisten effizienter machen. «Wir drücken ihnen aber nicht einfach coole Gadgets in die Hand, es braucht auch neue Prozesse», sagt Dürr, Vorsteher des Justiz- und Sicherheitsdepartements.

Gegenwärtig gibt es beispielsweise nur einen einzigen Funkkanal. Bei Personenkontrollen rufen die Patrouillen dort an, um mündlich die Personendaten abzufragen. Immer wieder kommt es bei der korrekten Schreibweise eines Namens zu Missverständnissen, sagt Gerhard Lips, Kommandant der Kantonspolizei. Ist der Funkkanal besetzt, entstehen zudem längere Wartezeiten. Auch gäbe es in der aktuellen Polizeiarbeit viele Medienbrüche: Bei einem Verkehrsunfall müssen die Daten bis zu sechs Mal erfasst werden. «Die ständige Datenübergabe von System zu System birgt eine hohe Fehlerquelle», sagt Martin Roth, Stabschef der Kantonspolizei.

10 Millionen Investitionskosten

970 Smartphones, 370 Tablets und 8 Apps sollen nun Abhilfe schaffen. Für die Investitionskosten dieses Projekts beantragt der Regierungsrat beim Grossen Rat rund 10 Millionen Franken. Mit der neu angeschafften Technik können die Polizeipatrouillen vor Ort auf die Daten zugreifen, diese einmalig im System eingeben und durch eine Karte mit einem aktuellen Lagebild schneller auf die sich verändernde Situation reagieren. Eine Studie des Justiz- und Sicherheitsdepartements kam zum Ergebnis, dass auf diesem Weg 80 000 Arbeitsstunden eingespart werden können. Das entspricht um die 40 Stellen. Ein kleiner Teil soll in die technische Wartung einfliessen; mit dem Grossteil der neu gewonnenen Zeit will die Polizei ihre Präsenz auf der Strasse erhöhen. Auch die angehäuften Überstunden sollen abgebaut werden.

Was Basel plant, ist im Kanton Zürich bereits seit drei Jahren umgesetzt. Die Verwendung der mobilen Geräte bei der Frontarbeit sei nicht mehr wegzudenken, heisst es dort. «Der administrative Aufwand hat sich um 20 Prozent verringert. Indem die Mitarbeitenden die Rapporte anstatt auf dem Posten direkt vor Ort schreiben, sparen sie sich zusätzlich noch den Anfahrtsweg», sagt Beat Jost, Mediensprecher der Kantonspolizei Zürich. Die Umstellung sei im Rahmen der IT-Schulungen rasch erfolgt. Grössere technische Pannen sind in den drei Jahren jedenfalls nicht vorgekommen.

Kleinanzeigen online melden

Nicht nur für das Polizeikorps verändert sich die Arbeitsweise, auch die Bevölkerung erhält im Rahmen des Projekts «Kapo 2016» neue Möglichkeiten. So können künftig Kleinanzeigen wie Velodiebstähle oder auch Sachbeschädigungen online gemeldet werden. Als digitaler Polizeiposten dient die Plattform «Suisse ePolice», die bereits andere Kantone nutzen. Der Kanton Baselland hat diese im März 2015 eingeführt. Seitdem nehme die Anzahl der Nutzer konstant zu, heisst es auf Anfrage der bz. Die Erfahrungen seien durchweg positiv.