Kritik

Basler Regierung kritisiert ENSI wegen Ableitung aus AKW Leibstadt

Die Basler Regierung kritisiert das Eidg. Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI). Grund ist die laut Regierung mangelhafte Information bei der Ableitung von chemikalienbelastetem Kühlwasser aus dem Atomkraftwerk Leibstadt in den Rhein Ende Juni.

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Blick auf das AKW Leibstadt

Blick auf das AKW Leibstadt

Keystone

Es sei «inakzeptabel», dass die Behörden in Basel und weiter rheinabwärts nicht früher über die geplante Ableitung informiert worden seien, hält die Regierung in einer am Freitag vorgelegten Antwort auf eine Interpellation aus dem Grossen Rat fest. Etwa 20 Millionen Menschen würden ihr Trinkwasser aus dem Rhein beziehen.

«ENSI hätte informieren müssen»

Das AKW Leibstadt im Aargau hatte Ende Juni mit chemischen Mitteln gefährliche Legionellenkeime im Kühlturm bekämpft. Laut der Basler Regierung wurden dabei 14 Tonnen Javelwasser und 2,1 Tonnen eines Biozids in den Rhein geleitet. Die Unterlieger im Rhein- Einzugsgebiet seien jedoch erst sehr spät informiert worden.

Leitbehörde sei das ENSI gewesen. Aus Sicht der Regierung wäre es daher «eindeutig die Pflicht des ENSI - sowie der von diesem beigezogenen Bundesämter für Umwelt (BAFU) und für Gesundheit (BAG) - gewesen, die Trinkwasserwerke der Unterlieger am Rhein sowie die Öffentlichkeit rechtzeitig über die Aktion zu informieren».

Vorbehandlung verlangt

Für das Basler Trinkwasser habe keinerlei Gefahr bestanden, da die Anreicherung rechtzeitig abgeschaltet war. Doch müssten die Zuständigkeiten und die Kommunikation auf Bundesstufe verbessert werden. Entsprechende Kritik geäussert hatten im Juli auch deutsche Behörden.

Die Basler Regierung fordert zudem für künftige Fälle eine Vorbehandlung des Wassers, damit kein Wirkstoff mehr in den Rhein gelangt - solche Verfahren seien bei den Pharmaunternehmen in Basel «schon lange Standard». Das AKW Leibstadt hat beim Bund erst im Oktober ein Gesuch für weitere regelmässige Desinfektionen eingereicht.