Sorgenbarometer

Basler Sorge macht Baselbietern Bauchweh

Basler fühlen sich vom Nachbarkanton ausgenutzt. Während sich einige Baselbieter Politiker in der Schadensbegrenzung versuchen, ist der Präsident der SVP Baselland davon überzeugt, dass die Städter auf hohem Niveau jammern.

Daniel Ballmer
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Die Beziehung zwischen Basel-Stadt und dem Baselbiet ist immer wieder ein Thema.

Die Beziehung zwischen Basel-Stadt und dem Baselbiet ist immer wieder ein Thema.

Erich Meyer

Wie man in den Wald ruft, so tönt es zurück, findet der Baselbieter SP-Präsident Adil Koller: «Die Rechte im Baselbiet schürt immer wieder die Stimmung gegen Basel.» Irgendwann sei mit einer Reaktion zu rechnen gewesen. «Das Ausmass aber überrascht mich.» Tatsächlich: Baselland kommt in Basel derzeit ganz schlecht an.

Das zeigt die repräsentative Umfrage von bz und «Tageswoche» bei 1800 Teilnehmenden. Nebst den Krankenkassen-Prämien bereitet den Baslern gerade auch die Zusammenarbeit mit Baselland Sorgen. Über 70 Prozent finden, dass der Landkanton übermässig von der Stadt profitiert. Nur 12 Prozent sind anderer Meinung. Damit liegt das Baselbiet im Sorgenbarometer noch vor dem knappen Wohnungsangebot oder der Sicherheit im öffentlichen Raum.

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nch/mta

Im Baselbiet löst dieses deutliche Resultat Stirnrunzeln aus – und Sorgenfalten: «Die Fronten sind verhärtet. Das spüre ich in beiden Kantonen», sagt die Baselbieter CVP Nationalrätin Elisabeth Schneider-Schneiter. Hintergrund sei die «desolate Finanzlage» von Baselland und die Sparbemühungen, die auch partnerschaftliche Projekte wie die Universität, die gemeinsame Spitalpolitik oder die Kultur betreffen. «Den Städtern erscheint das nicht angemessen.» Noch vor ein paar Jahren aber sei die Finanzsituation umgekehrt gewesen, erinnert sie. «Damals hat die Stadt auf dem Land um Verständnis geworben.» Heute könne sich eben das Baselbiet nicht mehr alles leisten.

Es braucht gemeinsame Lösungen

Einen anderen Grund für die Missstimmung in Basel erkennt Klaus Kirchmayr: «Als verschmähte Braut nach der Fusions-Debatte ist das eine natürliche Reaktion», sagt der Landratsfraktionschef der Grünen. Es entstehe das Gefühl, Baselland wolle mit Basel nicht mehr an einem Strick ziehen. «Es wächst die Sorge, zur Provinzstadt zu werden, wenn jeder nur für sich schaut.» Es brauche gemeinsame Lösungen. Das betont auch SP-Präsident Koller: «Wenn man damit beginnt, sich gegenseitig aufzustacheln, haben am Schluss alle ein Problem.» Der Seitenhieb in Richtung SVP ist eindeutig.

Bei der Baselbieter SVP dagegen gibt man sich gelassen: «Auch in Bern oder Zürich gibt es Dissonanzen zwischen der Stadt und dem Umland, nur betrifft dies bei uns zwei verschiedene Kantone», sagt Parteipräsident Oskar Kämpfer. Baselland aber komme nicht darum herum, bei seiner Ausgabenpolitik über die Bücher zu gehen. «Natürlich macht das den Baslern Sorgen», sagt Kämpfer. «Sie haben offensichtlich den Eindruck, die bösen Baselbieter wollen ihnen etwas wegnehmen.» Basel gehe es offenbar so gut, dass die Bevölkerung keine anderen Probleme habe. «Das Sorgenbarometer zeigt: Die Basler jammern auf hohem Niveau.»

Die Aussage, Baselland profitiere übermässig von der Stadt, stimme so natürlich nicht, findet auch Marc Scherrer. «Dennoch müssen wir die Sorgen ernst nehmen», findet der CVP-Präsident. «Basel ist ein wichtiger Partner.» Der Stadtkanton müsse aber respektieren, dass sich Baselland nicht mehr alles leisten könne. Dabei gehe es aber um den Ton, mit dem man miteinander umgeht. «Mit Höhenfeuern kann man in Basel kein Verständnis wecken, noch kommt man mit städtischer Arroganz weiter», findet auch Schneider-Schneiter. «Wir dürfen nicht noch mehr Öl ins Feuer giessen. Die Ausgangslage ist schwierig genug.»