Friedhof Hörnli
Basler spazieren in der Stadt über Grabsteine

Die Grabsteine der aufgehobenen Gräber auf dem Friedhof Hörnli werden weiterverwendet. Eine Basler Baufirma setzt sie für den Strassenbau ein.

Muriel Mercier
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Viele Grabsteine auf dem Hörnli sind Kunstwerke. Die Steine werden zuerst geprüft, bevor man sie zerstört.

Viele Grabsteine auf dem Hörnli sind Kunstwerke. Die Steine werden zuerst geprüft, bevor man sie zerstört.

Martin Töngi

Das Hörnli ist ein Ort der Stille. Wer in Basel stirbt, findet hier seine letzte Ruhe. Es sind rund 60 000 Gräber, die auf dem Friedhof bei Riehen bewirtschaftet werden, 200 000 Menschen insgesamt liegen dort begraben. Die Kapazität auf dem Hörnli hat aber Grenzen, so müssen jedes Jahr nach Ablauf der 25 Jahre Ruhefrist gegen 1000 Gräber aufgehoben werden. Das heisst, es gibt ebensoviele Grabsteine, die keine Verwendung mehr haben. Was passiert mit diesen?

Marc Lüthi, Leiter des Friedhofs Hörnli, sorgt für Aufklärung: Der Grabstein ist Eigentum der Angehörigen des Verstorbenen. Jeweils im Oktober werden diese über die Aufhebung des Grabes ihres Verwandten informiert. Zudem werde neben dem Grab eine Tafel aufgestellt, auf der Grabbesucher auf die anstehende Grab-Aufhebung hingewiesen werden. Was danach mit den Grabsteinen geschieht, entscheiden die Angehörigen. Es gebe immer wieder Leute, die die Grabsteine mitnehmen möchten, um sie zum Beispiel in ihrem Garten zu platzieren, sagt Lüthi.

Zwei Mulden voller Grabsteine

Die Brocken, die nicht abgeholt werden, werden unter anderem in Mulden zum Bauunternehmen Meyer-Spinnler nach Muttenz gefahren. Zwei Mulden sind es mindestens, die jedes Jahr bei ihnen abgeladen werden, führt Jules Herzog, Betriebsleiter der Firma, aus. Eine Mulde fasst rund 1,5 Tonnen Stein. Bei Meyer-Spinnler werden diese gebrochen, vermahlen und am Schluss zu einem Betongranulat gemischt. «Diesen Beton setzen wir dann für den Strassenbau ein», erklärt Herzog.

Doch nicht nur die Basler Strassen profitieren von den Grabsteinen des Zentralfriedhofs. Die Steinhauer-Lehrlinge müssen ihre Kunst am Original lernen können. So erhalten die Basler Bildhauer rund zehn Prozent der ausgedienten Grabsteine, um unter anderem die Beschriftung zu üben, erklärt Friedhofsleiter Marc Lüthi. Man müsse allerdings vorsichtig sein, wenn man einen Grabstein für einen nächsten verwendet, denn «die Steine wurden ja schon einmal gekauft und bezahlt.»

Bevor die Grabsteine jedoch zerschreddert werden oder bei den Lehrlingen landen, werden sie auf Besonderheiten untersucht. «Wenn ein Stein künstlerisch wertvoll ist, bewahren wir ihn auf für eine eventuelle Ausstellung.» Für das kommende Jahr plant der Friedhof Hörnli ein Projekt, damit Gräber von prominenten Persönlichkeiten nicht einfach verschwinden. «Wir müssen uns grundsätzlich überlegen, wer in Basel berühmt ist und wer nicht», so Lüthi. Danach werde man die Grabsteine der auserwählten Gräber systematisch verlegen.