Rampenverkauf

Basler Wirteverband versetzt den Bier-Grossisten feine Nadelstiche

Der Bierstreit um die Preispolitik der Getränkekonzerne war Ursprung für die Idee des Rampenverkaufs, den der Wirteverband organisierte. Die Basler Wirte lockten mit der PR-Aktion Kunden aus der ganzen Schweiz an.

Mélanie Honegger
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Maurus Ebneter und Piero Nachira packen in Muttenz an. Kenneth Nars

Maurus Ebneter und Piero Nachira packen in Muttenz an. Kenneth Nars

Viel ist um 14 Uhr nicht los beim Rampenverkauf des Basler Wirteverbandes in Muttenz. Mitarbeiter und Medienschaffende schleichen durch die Berge von Cola-Dosen und Carlsberg-Flaschen, die sich im Raum türmen. Doch der Eindruck trügt: Die Kundschaft fehlt nur, weil die Zeit noch nahe bei der Mittagspause liegt.

Kunden aus Zürich

Ansonsten geht die Rechnung des Wirteverbandes voll auf. «Am Morgen war der Andrang enorm», erzählt Maurus Ebneter mit spürbarer Freude. Das Vorstandsmitglied des Basler Wirteverbandes ist seit neun Uhr morgens hier. Nicht nur bei der regionalen Kundschaft kommt der Rampenverkauf, den der Wirteverband im Zuge des laufenden Getränkestreits um die Preispolitik der Getränkekonzerne organisiert hat, gut an: Wirte aus der ganzen Schweiz sind angereist.

«Ich habe auf die Autokennzeichen gespäht», sagt Verkaufsleiter Piero Nachira verschmitzt, «da waren auch Kunden aus Zürich und dem Aargau dabei.» Mit seinem «Budgetclub» bietet er rund 100000 Coca-Cola- und Carlsberg-Produkte zum Verkauf an. Das zu Preisen weit unter dem Schweizer Listenpreis.

«Trotz der positiven Verkaufsbilanz – rund 50 Prozent der Produkte wurden bereits verkauft oder reserviert – bleibt Ebneter bescheiden. «Jetzt mal ehrlich: Das Ganze ist eine PR-Aktion», gibt er zu, «diese Rampenverkäufe schmerzen niemanden.» Für Grossisten seien solche Aktionen höchstens als kleine Nadelstiche zu spüren. Er geht sogar noch etwas weiter und sagt: «Ich persönlich würde als Wirt wohl nicht extra von Zürich nach Muttenz fahren, um günstiger an Cola-Flaschen zu kommen.»

Verkäufe auch in Zürich und Bern

Trotzdem: Ganz nach dem Motto «Steter Tropfen höhlt den Stein» glaubt Ebneter an den Erfolg weiterer Rampenverkäufe und will diese auch in Zürich und Bern anbieten. Besonders der Wunsch einer gewissen Regelmässigkeit solcher Verkäufe ist bei den Organisatoren präsent. «Wir könnten uns vorstellen, zweimal im Monat einen Rampenverkauf zu lancieren.» Momentan befinde sich der Verband noch in der Experimentierphase.

Längerfristig können sich Ebneter und Nachira aber einen Ausbau des Angebotes vorstellen. «Ziel ist es, ein breiteres Angebot aufzubauen», erzählt der Vorstandsdelegierte des Wirteverbandes und konkretisiert: «Vielleicht bieten wir schon bald Coca-Cola mit Vanillegeschmack an.»

Grund zum Optimismus hat Ebneter auf jeden Fall. «Wir haben bereits Angebote für Räumlichkeiten in Bern und Zürich erhalten», sagt er nicht ohne Stolz. Während Ebneter von den Expansionsplänen erzählt, haben sich im Hintergrund schon neue Kunden im Lagerraum eingefunden. Ob diese den Kaufrekord des gestrigen Morgens knacken werden? Dieser liegt bei 108 Kartons mit je 24 Carlsberg-Flaschen und ist dementsprechend schwierig zu toppen. Maurus Ebneter lacht. Falls nicht das ganze Sortiment verkauft wird, hat er bereits eine Lösung: «Ich kenne genug Leute, die allfällige Reste mitnehmen würden.»