Nachwuchs

Basler Zolli: Frühlingszeit ist nur bedingt Jungtierzeit

Auch im Zolli Basel kommen viele Tiere im Frühling zur Welt. Aber längst nicht alle: «Frühlingszeit gleich Jungtierzeit entspricht nur bedingt der Realität», erklärt Direktor Pagan.

Bigna Bornhauser
Drucken
Teilen
Sakis, Störche, Zebras, Ziegen und viele andere Tiere im Zoo Basel haben zurzeit Nachwuchs.
11 Bilder
Die landläufige Meinung, dass Jungtiere immer im Frühling zur Welt kommen, ist aber falsch.
Am 21. April 2015 ist im Zoo Basel Zebrahengst Meru zur Welt gekommen.
Jungtiere im Zolli
Die Trächtigkeit dauert bei Zebras zwölf Monate. Zebramütter haben meist nur alle zwei Jahre Nachwuchs, unabhängig von der Saison.
Extrem ausgeprägt ist die Saisonalität bei den Störchen.
Es kommt immer nur ein Junges zur Welt, die älteren Geschwister bleiben beim Elternpaar und helfen, die Geschwister grosszuziehen.
Ein regelrechter Jungtiersegen ist zurzeit im Kinderzoo auszumachen.
Unter anderem wurden fünf Zwergziegen geboren.
In unseren Breiten werden die Zicklein in den letzten Wintermonaten bis im Frühjahr geboren. Die Brunstzeit beginnt im Herbst, wenn die Tage kürzer werden.
Zu diesen „saisonalen Ziegen“ gehören die Pfauenziegen im Zoo Basel.

Sakis, Störche, Zebras, Ziegen und viele andere Tiere im Zoo Basel haben zurzeit Nachwuchs.

Zoo Basel

Das junge Sakiäffchen versteckt sich noch im Schoss seiner Mutter Mop. Ab und an streckt es sein kleines Köpfchen neugierig heraus. Auch bei den Störchen gab es Nachwuchs, die kleinen Küken werden mit Regenwürmern und Insekten gefüttert und aufgepäppelt, bevor sie nach zwei Monaten das Nest verlassen.

Weitaus dynamischer geht es im Kinderzoo zu. Fünf Zwergziegen, zwei Pfauenziegen und ein Zwergzebu erkunden das Gehege und unterhalten die Zoobesucher mit ihren Bocksprüngen. Viele Tiere im Zolli haben zurzeit Nachwuchs. Ist ja logisch, wir haben Frühling. Doch spielt die Jahreszeit im Zolli überhaupt eine Rolle? «Die Idee: Frühlingszeit gleich Jungtierzeit entspricht nur bedingt der Realität», erklärt Zoo-Direktor Olivier Pagan.

Im Zolli gelten eigene Regeln

Für die einheimischen Wildtiere stimmt dies insofern, weil die optimale Zeit für Nachwuchs dann sei, wenn für Mutter und Kind genügend Nahrung vorhanden ist. So bei den Störchen, deren Saisonalität extrem ausgeprägt ist. Die Küken schlüpfen im Mai. Dann ist der Boden auf den Feldern locker und weich und die Nahrungsbeschaffung für die Eltern kein Problem. Auch andere einheimische Vögel sind auf den Frühling und das gute Wetter angewiesen. «Regnet es über einen längeren Zeitraum, verlassen die Störche ihr Nest nicht mehr und können ihre Küken nicht füttern», sagt Kuratorin Friederike von Houwald. Wegen des vielen Regens gab es dieses Jahr bereits Verluste an Nestlingen.

Die Zebras hingegen kennen keine Saisonalität. Dennoch befindet sich der Zebrahengst Meru, der am 21. April geboren wurde, in guter Gesellschaft. Viele Zebras kommen im Zolli Basel im Frühling zur Welt. Diese Auffälligkeit hat einen anderen Grund: «Die neuen Zebras kommen im Herbst in den Zolli, danach müssen sich die Tiere zuerst kennenlernen, bevor es zur Paarung und zwölf Monate später zur Geburt kommt», sagt Kurator Adrian Baumeyer. Auch Sakis kennen in der Natur keine Nachwuchs-Saison. Im Zolli Basel lebt nur ein Zuchtpaar, die beiden haben sich eine eigene «Saisonalität» angeeignet, die zufälligerweise auch auf den Frühling fällt.

Die acht Jungtiere im Kinderzolli sind ebenfalls in den letzten Wochen geboren worden. Doch mit Ausnahme der zwei einheimischen Pfauenzicklein hat der Zeitpunkt der Geburt nichts mit dem Frühling zu tun. «Nur im November und Oktober wird ein Bock zu den Geissen gelassen, weshalb die Geburt zwangsweise auf den Frühling fällt», sagt Zoopädagogin Kathrin Rapp. Allgemein gelten im Zoo andere Regeln als in der freien Natur, der Mensch und andere klimatische Verhältnisse bestimmen mit.

Neue Beschilderung der Bäume

«Mit dem Zolli verbindet man Tiere, er besteht aber nicht ausschliesslich aus ihnen», sagt Rapp. Neue Beschriftungen sollen die Bedeutung der Gartengestaltung und des Baumbestandes stärken. 30 der insgesamt 1100 Bäume, die im Basler Zoo stehen, wurden mit Informationstafeln versehen, die Auskunft über den Namen, Herkunft und wichtige Merkmale geben.

Gestalterisch sind die Tafeln an die Gehegeschilder der Tiere angelehnt. «Die Beschilderung bedeutet für uns einen wichtigen Mehrwert. Die Bildung und Wissensteigerung ist ein wichtiger Bestandteil unseres Leitbildes», betont Kathrin Rapp.

Im Zoo Basel gibt es eine neue Attraktion für die botanisch interessierten Zoobesucher.
3 Bilder
Dank einer Spende konnten 30 Bäume mit Informationstafeln versehen werden.
Damit wird der einzigartigen Gartengestaltung Rechnung getragen, auf die der Zoo Basel traditionell grossen Wert legt.

Im Zoo Basel gibt es eine neue Attraktion für die botanisch interessierten Zoobesucher.

Zoo Basel