Ausstellung
Beyeler-Ausstellung passt Konkurrenz nicht in den Kram

Die Fondation Beyeler feiert mit der Segantini-Ausstellung einen Grosserfolg. Zugleich ist es eine Neuausrichtung. Das Privatmuseum ist eigentlich nicht auf Kunst des 19. Jahrhunderts spezialisiert. Der Erfolg sorgt in der Museumsszene nun für Zoff.

Daniel Ballmer
Drucken
Teilen
Das Bild «Mezzogiorno sulle Alpi» (1891) im Beyeler-Museum

Das Bild «Mezzogiorno sulle Alpi» (1891) im Beyeler-Museum

Keystone

Die Ausstellung «Segantini» gilt als erstes grosses Kunsthighlight des Jahres. Schon über 100000 Besucher konnte die Fondation Beyeler seit der Eröffnung im Januar begrüssen. Doch das passt nicht allen.

Für Kritiker gehört die Ausstellung eigentlich gar nicht in die Fondation. Schliesslich konzentriert sich das Privatmuseum auf Werke aus der klassischen Moderne. So wurde Giovanni Segantini von Ernst Beyeler ebenso wenig gesammelt wie andere Künstler aus dem 19. Jahrhundert. Bisher standen vielmehr Ausstellungen zu Mark Rothko, Henri Rousseau oder Andy Warhol auf dem Programm. Doch das scheint sich geändert zu haben.

Die europäische Malerei des 19. Jahrhunderts ist gerade für Schweizer Kunstmuseen ein wichtiges Standbein. Wegen steigender Kosten für Wechselausstellungen sind sie immer stärker darauf angewiesen, aus eigenen Beständen Ausstellungen zusammenzustellen.

So zeigen sich nicht alle Kuratoren erfreut über die «untypische» Schau in Riehen: «Ich finde es nicht richtig, wenn die Beyeler-Stiftung mit ‹unseren› Künstlern das grosse Publikum abholt», so Matthias Frehner in der «Berner Zeitung». Für den Direktor und Sammlungskurator des Kunstmuseums Bern ist klar, dass «eine Segantini-Ausstellung nun für mehrere Jahre nicht mehr möglich sein wird».

Kurator kann Kritik nicht nachvollziehen

Ulf Küster kann die Kritik nicht nachvollziehen. Für den Kurator der Fondation Beyeler stellt «Segantini» mitnichten einen Konzeptbruch dar: «Ein Künstler, den wir ausstellen, muss nicht zwangsläufig in unserer Sammlung vertreten sein.»

Zudem hätten andere Schweizer Museen bereits grosse Segantini-Ausstellungen gezeigt. «Wir nehmen also niemandem etwas weg.» Es sei durchaus möglich, weitere Ausstellungen zu machen und damit viele Besucher anzulocken.

Völlig überrascht ist Küster von der Kritik dennoch nicht. Auch die Fondation habe schon Ausstellungen geplant – und dann sei ihr eben eine andere Institution zuvorgekommen. «Aber jeder ist natürlich frei, die Ausstellungen zu gestalten, die er möchte», meint Küster.

Im Gegensatz zum Kunstmuseum Bern sei für das Kunsthaus Zürich die Beyelersche Ausstellungspolitik kein Problem. Die Qualität jener Werke, die das Kunsthaus zum Tausch anbiete, sei so hoch, dass es im Gegenzug auch stets Leihgaben erster Güte erhalte.

Daher wäre eine Segantini-Ausstellung auch möglich, wenn ein anderes Institut ein paar Jahre vorher das Thema im Programm hatte. Dennoch hat auch das Kunsthaus Zürich darauf verzichtet, der Fondation die eigenen Hauptwerke Segantinis auszuleihen. Diese sind permanent in Zürich ausgestellt und zählen zu den Höhepunkten der Sammlung.

Gemälde kommen aus St. Moritz

Hauptleihgeber für die Ausstellung in Riehen ist das Segantini-Museum in St.Moritz. Elf Gemälde sind derzeit an die Fondation ausgeliehen.

Auch in Graubünden wird die Beyeler-Ausstellung mit zwiespältigen Gefühlen betrachtet: «Natürlich werden wir vom Segantini-Museum von der internationalen Beachtung profitieren, die dem Künstler durch die Ausstellung entgegengebracht wird», so Kurator Beat Stutzer. Doch auch er könne keine Anbindung an die Beyeler-Sammlung erkennen. Denn normalerweise konzipiere die Fondation Ausstellungen, die thematisch mit der Sammlung zu tun hätten.

«Wir sehen das Ganze relativ entspannt», hält Fondation-Kurator Küster entgegen. Denn Segantini stehe sehr wohl im Kontext zur Sammlung Beyeler, die ihren Fokus eigentlich auf dem 20. Jahrhundert habe.

So sei Segantini ein Künstler, der durchaus zur Moderne gezählt werden könne. «Vincent van Gogh, einer unserer Sammlungskünstler, starb noch früher», sagt Küster und ergänzt: «Mit unserer Ausstellung werfen wir ein neues Licht auf Segantini – und das tut ihm gut.» immerhin würden von solchen wissenschaftlichen Erkenntnissen gerade auch die öffentlichen Kunstmuseen profitieren.

Aktuelle Nachrichten