Parlamentswahlen

Das Elsass wählt neuerdings nicht mehr rechtsbürgerlich

In 11 von 15 Wahlkreisen liegt der Macron-Kandidat vorne – der Front National schneidet schlechter ab als in ganz Frankreich.

Peter Schenk
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Für Jean-Luc Reitzer wird es knapp. zvg

Für Jean-Luc Reitzer wird es knapp. zvg

@AN

Seit vielen Jahrzehnten unterscheidet sich das Wahlverhalten des Elsass grundlegend vom übrigen Frankreich: Wie es dort auch ausging, die Region wählte stets rechts. So stellten die Bürgerlichen bisher 13 von 15 Abgeordnete in der Pariser Nationalversammlung.

Damit ist es vorbei. In 11 von 15 Wahlkreisen liegen die Kandidaten des sozialliberalen Präsidenten Emmanuel Macron von «La République en marche» (LREM) teilweise deutlich in Führung. Allermeistes kommt es beim zweiten Wahlgang am 18. Juni zu Duellen zwischen LREM und einem Bürgerliche von «Les Républicains» (LR).

In den beiden Strassburger Wahlkreisen, in denen es einen sozialistischen Député gab, liegen diese hoffnungslos abgeschlagen mit mehr als 20 Prozentpunkten Rückstand hinter dem Macron-Konkurrenten auf Rang zwei. Im ganzen Elsass kommt die Parti Socialiste (PS) gerade noch auf 2,5 Prozent.

Front National erhält 13 Prozent

Der Front National (FN) konnte seine guten Ergebnisse von den Präsidentschaftswahlen nicht bestätigen und lag mit 13 Prozent sogar einen Prozentpunkt unter dem nationalen Schnitt – und das in seiner Hochburg Elsass. Zurückzuführen dürfte dies auf die rekordhohe Wahlenthaltung sein. Vor allem die Wähler des FN und des Linken Mélenchon dürften an diesem Wahlsonntag zu Hause geblieben sein.

Einzig im 6. südelsässischen Wahlkreis, der rund um Mulhouse liegt, wird der FN im zweiten Wahlgang vertreten sein. Seine Chancen zu gewinnen, gehen allerdings aufgrund des grossen Abstands gegenüber dem Macron-Kandidaten gegen null. In diesem Wahlkreis wurde ein bürgerlicher Nationalrat knapp abgewählt.

Spannend wird es im 3. südelsässischen Wahlkreis, der von Saint-Louis bis weit in den Sundgau reicht und direkt an Basel und das Baselbiet angrenzt. Der gaullistische Député Jean-Luc Reitzer, der seit 1988 regelmässig mit Rekordergebnissen wiedergewählt wurde, liegt diesmal mit 29,8 Prozent rund zwei Prozentpunkte hinter Patrick Striby, der für Macrons Partei antrat. Dritte wurde die FN-Kandidatin Katia Di Leonardo mit 10,1 Prozent.

Knapp dürfte es auch im Wahlkreis Mulhouse werden, wo der Bürgerliche Olivier Becht nur wenige Stimmen hinter seiner Herausforderin von «en Marche» liegt.

Regionalistischen in Stichwahl

Im Unterelsass schaffte es um Sélestat ein Kandidat der regionalistischen Partei «Unser Land» mit 16,9 Prozent in den zweiten Wahlgang. Chancen dürfte er allerdings kaum haben, denn der amtierende bürgerliche Député Antoine Herth liegt mit über 20 Prozentpunkten vor ihm. LREM hatte in diesem Wahlkreis keinen Kandidaten aufgestellt, weil Herth ein Anhänger von Bruno Le Maire (LR) ist, der als Wirtschaftsminister mit Macron zusammenarbeitet.

Läuft es gut für die Bürgerlichen könnten sie am 18. Juni noch sechs Mandate im Elsass verteidigen. An Macrons LREM würden dann neun gehen.