MCH Group AG

Das ist die Zukunft der Baselworld ab 2020: Eine Messe, die jetzt eine Show sein will

Weniger Fläche, mehr Unterhaltung: Die neue Baselworld will aus den rückläufigen Ausstellerzahlen ein neues Geschäftsmodell machen. Show-Elemente erhalten mehr Raum, zudem soll die Messe mit internationalen Pop-Up-Auftritten arbeiten.

Andreas Schwald
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Baselworld: Die Zukunft ab 2020 mit Michel Loris-Melikoff
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Die Messe soll internationaler werden, eine Plattform für den Austausch mit Medien und an anderen Standorten Pop-Up-Events durchführen.
Neu konzentriert sich die Baselworld auf die Hallen 1 und 2. In Halle 2 werden vor allem kleinere Stände besser inszeniert.
So soll es in der Halle 2 aussehen, die neu bespielt wird. Die Stände will die Messe teils selbst bauen.
Ebenfalls verspricht der Baselworld-Direktor Rabatte auf Standflächen.

Baselworld: Die Zukunft ab 2020 mit Michel Loris-Melikoff

bz Basel

Die Abschluss-Show der Baselworld war beeindruckend. Professionelle Lichtshow, grosse Bühne, perfekte Inszenierung. Dazu ein Werbefilm, dessen wichtigste Aussage war, dass die neue Baselworld eine ganz andere wird, als sie es bisher war. Denn der einstigen Vorzeigemesse der MCH Group AG ist nach Jahrzehnten des Wachstums die Luft ausgegangen. Dieses Jahr zählte die einwöchige Veranstaltung noch rund 81'200 Besucher, das sind erneut 22 Prozent weniger als im Vorjahr. Ausgestallt haben 520 Marken, auch das ein Rückgang um 20 Prozent. Etwas milder, aber ebenso bemerkenswert, war die Abnahme bei den Medienschaffenden: 3300 beehrten die Baselworld, 12 Prozent weniger als 2018.

Baselworld-Direktor Michel Loris-Melikoff versuchte an der Medienkonferenz zum Abschluss der Messe gar nicht erst, die Zahlen schönzureden. Denn das die Bilanz vernichtend ausfallen würde, war nach dem Rückzug der Swatch-Gruppe zu erwarten. Zumal Loris-Melikoff seit seiner Ernennung zum Nachfolger von Messeleiterin Sylvie Ritter gerade mal neun Monate Zeit hatte, die Ausgabe 2019 zu konzipieren. Hinzu kam der Auftrag, eine neue Strategie für die kommenden paar Jahre auszuarbeiten.

Mehr Technologie: Hoffen auf Apple und Co.

Also formulierte der neue Direktor zum Abschluss der Baselworld 2019 den Ausblick auf die «Baselworld 2020+» ausführlicher als die Bilanz der aktuellen Ausgabe. Aus dem einstigen Giganten des Schweizer Messegeschäfts, wird ein diverses, flexibles Unternehmen. Im Vordergrund steht laut Loris-Melikoff die Vernetzung von Unternehmen bis hin zum Endkunden, vom Influencer über den Lieferanten, Start-Ups. Damit hofft die Messe, neu auch Tech-Konzerne wie Apple und Garmin anlocken zu können, um das wegbrechende Geschäft mit den traditionellen Uhrenhäusern aufzufangen.

Baselworld 2019 Patek Philippe
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Baselworld 2019 Patek Philippe
Baselworld 2019
Baselworld 2019 Hublot und Bulgari (li)
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Baselworld 2019 Gucci
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SWITZERLAND BASELWORLD 2019
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Baselworld 2019: Direktor Michel Loris-Melikoff.
Baselworld 2019
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Baselworld 2019

Baselworld 2019 Patek Philippe

Kenneth Nars

Den Medienschaffenden wird weiterhin geschmeichelt, denn besonders Internet-Publizität zählt für die Marken im Zeitalter des Online-Handels so viel wie traditionelle Händlerkontakte. International soll die Präsenz mit Pop-Up-Events gestärkt werden, das ganze Jahr hindurch soll in der Industrie Baselworld-Stimmung herrschen. Dafür sorgen zudem Apps, Bots, Virtual Reality, also so ziemlich alles, was der digitale Markt zu bieten hat.

Und tatsächlich: Rabatte für die Industrie

Denn das eigentliche Kerngeschäft besteht ohnehin nicht mehr aus dem einst äusserst lukrativen Vermieten von Standflächen. Auch hier kommt die Messe einer Forderung der Branche nach und will künftig Rabatte im zweistelligen Prozentbereich auf die Flächenmiete vergeben, wie Loris-Melikoff sagte.

Entsprechend muss die Baselworld nun neue Umsatzkanäle anzapfen. Das will die Baselworld nun in Bereichen tun, wo die Margen noch möglichst hoch sind. Der neue Direktor erwähnte dahingehend den Dienstleistungsbereich und Aktivitäten bei der Digitalisierung. Zu den Details neuer Einnahmequellen äusserte sich Loris-Melikoff nicht, er erwähnte aber, dass die MCH Group nun selbst verstärkt im Standbau tätig werden will, damit sich einige Aussteller nur noch einmieten müssen. Das soll mit der eigenen Firma Expomobilia passieren, aber auch in Zusammenarbeit mit hochklassigen Standbauern aus dem europäischen Raum.

Ein Spektakel, aber auch gemütlich

Und die Bespielung der Hallen? Die bleibt überschaubar. Neu wird vor allem die Halle 1, also der Bau von Herzog & de Meuron, sowie die Halle 2 bespielt, so Loris-Melikoff. Die Halle 1 soll wie dieses Jahr in der Gestaltung offen bleiben, ein Boulevard quasi, die Halle 2 soll gemütlicher, urbaner, enger gestaltet sein. Die Zeiten, als die Baselworld ein ausuferndes Standbau-Spektakel war, sind vorbei. Der Gästeservice wird ebenfalls ausgebaut, wer noch an die Baselworld kommt, soll rundumversorgt werden, von der Buchung über das Service-Package im Hotel bis zum Abendessen.

Die ebenfalls von der Industrie verlangte Terminabsprache mit dem Genfer Salon International de la Haute Horlogerie (SIHH) hat zudem funktioniert. Kommendes Jahr findet die Baselworld vom 30. April bis 5. Mai statt, direkt im Anschluss an die SIHH. Es war die einzige Angabe, die Loris-Melikoff in der ansonsten bis ins Detail konzipiertten Show nachschlagen musste.