Umzug
Das lukrative Geschäft der Velokuriere: Jetzt benötigt die Kurierzentrale mehr Platz

Der neue Geschäftssitz beim Güterbahnhof Wolf wird Anfang 2020 bezogen: trotz des gut laufenden Geschäfts ein risikoreicher Schritt.

Rahel Koerfgen
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Der Geschäftssitz der Kurierzentrale an der Dachsfelderstrasse – bald Tempi passati.

Der Geschäftssitz der Kurierzentrale an der Dachsfelderstrasse – bald Tempi passati.

Roland Schmid

Es ist ein Umzug, der sich abgezeichnet hat. Per 1. Januar 2020 hat die Kurierzentrale Basel einen neuen Geschäftssitz: Von der Dachsfelderstrasse im Gundeli geht es zur Güterumschlagfläche City-Hub auf dem Wolf-Areal. Jérôme Thiriet, Inhaber und Geschäftsführer der Kurierzentrale, sagt zur bz: «Der alte Standort ist zu klein geworden, wir platzen aus allen Nähten. Unsere Aktivitäten in der Citylogistik beanspruchen zunehmend Fläche für Lager und Umschlag.» Zudem würde die steigende Anzahl Mitarbeiter sehr viel Platz beanspruchen. Mit dem City-Hub nahe Autobahn und Bahnhof habe man den idealen Standort gefunden.

Seit Thiriet die Kurierzentrale 2015 übernahm, hat sich die Zahl der Vollzeitstellen von 20 auf 37 fast verdoppelt, mit den Teilzeitarbeitenden von 50 auf total 108, wie er sagt. Auch über den Geschäftsgang kann er sich nicht beklagen; seit 2015 sei der Umsatz jährlich zwischen zehn und 15 Prozent gewachsen. «Eine logische Konsequenz, dass wir bald einen neuen, grösseren Standort suchen mussten. Im City-Hub steht uns die doppelte Fläche zur Verfügung.»

Ganz neu ist die Kurierzentrale im City-Hub aber nicht. Seit Beginn dieses Jahres ist sie gemeinsam mit anderen Logistikunternehmen vor Ort aktiv, für den Umschlag und die Bündelungen jener Sendungen, die per Camion oder Bahn nach Basel kommen.

Weniger Lieferwagen im Zentrum

Den Betrieb aufgenommen hat der City-Hub im Frühling 2018; er ist Teil des kantonalen Güterverkehrskonzepts, das zum Ziel hat, Lieferungen im städtischen Güterverkehr möglichst wirtschaftlich und vor allem emissionsarm zu gestalten – die Camions sollen also gar nicht erst ins Stadtzentrum fahren. So sollen Sendungen auf dem Wolf, also am Stadtrand, von ihnen «parkiert» und dann weiterverteilt werden, von sogenannten «Last Mile»-Spezialisten wie der Kurierzentrale. Diese Citylogistik sei ein sehr lohnendes Geschäft, hält Thiriet fest.

Der umtriebige Basler Unternehmer geht mit dem Umzug aber auch Risiken ein. Zwar hat er in den vergangenen Jahren – wie auch die Konkurrenz von Metropol – insbesondere von der verkehrsbefreiten Innenstadt und dem boomenden Online-Handel profitieren können. Doch in den kommenden Jahren wird die Konkurrenz hart. Sehr hart. Wohl weniger durch den neuen Anbieter Uber Eats, weil dieser Foodliefer-Service in den Zuständigkeitsbereich der Schwesterfirma Velogourmet fällt, sondern vielmehr durch die neuen Paket-Drohnen der Post.

Diese sind seit vergangenem Jahr in den Städten Zürich, Bern und Lugano unterwegs und haben sich auf den Transport von Labor-Proben im Auftrag von Unternehmen aus dem Gesundheitsbereich spezialisiert – auch ein Gebiet, in dem die Kurierzentrale unterwegs ist. Zwar ist die Flotte der weissen Quadrokopter aufgrund eines Absturzes einer Drohne in Zürich derzeit gegroundet, aber es ist nur eine Frage der Zeit, bis die Drohnen wieder abheben. Auch in Richtung Basel.

Kurierzentrale hat kein Geld fürs Drohnengeschäft

Ab wann die Post-Drohnen in Basel herumfliegen, will Oliver Flüeler, Mediensprecher der Post, auf Anfrage nicht konkretisieren. Er sagt aber: «Das Interesse für solche Spezialtransporte insbesondere im Gesundheitswesen ist gross. Partnerschaften kommunizieren wir indes erst, wenn diese auch so entschieden sind.»

Thiriet bleibt zu hoffen, dass es noch einige Zeit dauert, bis die Post-Drohnen Basel erreichen. Denn die Kurierzentrale sieht derzeit davon ab, mit diesen Transportmitteln aktiv zu werden: «Leider fehlen uns die finanziellen Mittel, um in der Forschung und Entwicklung in diesem Bereich mitzumachen», sagt er. Eine Fremdfinanzierung stehe aktuell nicht zur Diskussion: «Wir wollen unabhängig bleiben.»