Basel City

Das Luxus-Tor zur nächtlichen Stille von Grossbasel

Der Rhein ist stets gleich breit, doch Klein- und Grossbasel entfernen sich immer mehr. Der Eingang in die Welt auf der Grossbasler Seite der Mittleren Brücke ist gesäumt von Luxus. Dafür steppt im Kleinbasel der Bär.

Martina Rutschmann
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Das isch Basel! Mit dieser Luftaufnahme beginnt der Basel-Tourismus-Werbeclip.

Das isch Basel! Mit dieser Luftaufnahme beginnt der Basel-Tourismus-Werbeclip.

Screenshot

Am Sonntag, als die Basler Seele blutete, weil die Fussball-Buben versagten, tat Basel Tourismus das einzig Richtige: für Ablenkung sorgen. Der Verein postete ein Video auf Facebook, das seither gut 43'000-mal geteilt wurde – obwohl weder Kätzchen miauen noch halb nackte Hipster herumhüpfen. Nein, der Inhalt ist ein anderer: Basel!

Der Clip beginnt mit Pathos: Der Zuschauer fliegt über die autofreie Mittlere Brücke, unter ihm fährt ein Tram im selben Tempo, vor ihm offenbart sich das Grossbasel. Was wegen der Vogelperspektive und der Distanz nicht zu erkennen ist: Der Eingang in die Welt auf der Grossbasler Seite der Brücke ist gesäumt von Luxus. Keine Marmor-Säulen heissen einen willkommen, sondern Bauwerke, die es in sich haben.

Kiosk-Image und «Schürzli» ade

Rechts das Hotel Les Trois Rois mit seiner Terrasse auf den Rhein und Cüpli-Preisen, die Normalsterbliche bei grosszügigem Konsum subito zu armen Schluckern machen; links das Spillmann-Haus, das früher mit dem gleichnamigen Café fürs Volk zugänglich war, heute aber lieber die Elite beherbergt.

Die Vorliebe zur oberen Schicht ist nicht ganz neu in diesen Gemächern, schliesslich liegt die Einweihung des Elite-Clubs «de Bâle» bald ein Jahr zurück. Doch mit der offiziellen Eröffnung des «Davidoff Flagship Store» in den ehemaligen Café-Räumen am Donnerstag nimmt das Upperclass Feeling im Spillmann-Haus neue Dimensionen an. Zwar besteht weiter die Möglichkeit, auch als Nobody in den Raum zu gehen und es sich in der Lounge auf einem Sessel gemütlich zu machen. Was fehlt, ist die Serviertochter mit dem Schürzli, die «Was darfs sein?» fragt. Die Lounge ist keine Beiz und der Gast kein Dahergelaufener, der mal verschnaufen will.

Melanie Büscher (Mitte) und Christian Jenal von Davidoff erklären der bz-Redaktorin die Vorzüge der Lounge.

Melanie Büscher (Mitte) und Christian Jenal von Davidoff erklären der bz-Redaktorin die Vorzüge der Lounge.

Martin Töngi

Die Lounge, erklären der «Store Manager» Christian Jenal und die Medienverantwortliche Melanie Büscher sinngemäss, ist für Zigarren-Liebhaber gedacht, die vom geschulten Personal des dazugehörigen Ladens mehr über ihre Leidenschaft erfahren wollen und dieser im Kreise Gleichgesinnter frönen möchten. Dies gern mit einer vor Ort gekauften Zigarre, nicht aber mit Zigaretten; solche werden in diesem Shop nämlich nicht angepriesen, da man vom «Kiosk-Image» wegkommen wolle.

Doch nun zurück über die Brücke. Im Kleinbasel ist der Luxus eher rar, dafür aber steppt der Bär im wahrsten Sinne des Wortes: Seit das «Grenzwert» am Wochenende in den Räumen des «Schwarzen Bären» Wiedereröffnung feierte, ist die Rheingasse zu dem geworden, was die entsprechende IG immer wollte: zu einer belebten Strasse.

Das mag dem einen oder anderen Anwohner nicht passen, da Leben auch Lärm bedeutet, der Ausgeh-Mensch aber kommt voll auf seine Kosten im minderen Basel. Im anderen Teil der Stadt – Flaute, zumindest im Zentrum. Wo früher das Bermudadreieck um die «Hasenburg» Feuchtfröhliches garantierte, ist es jetzt zu späterer Stunde so still wie am Münsterplatz. Die Steinenvorstadt stellt mit ihrer spezifischen Steinen-Klientel eine Ausnahme dar.

Der Tag endet im Kleinbasel

Und wären da nicht Dauer-Trend-Lokale wie die «Bodega» oder die «Kunsthalle» in der Barfi-Gegend, käme auch dieser Platz wie eine verlorene Vorort-Gemeinde daher. Kurz: Die Grossbasel-Innenstadt tötelt nach Ladenschluss und wenn sich die Elite im «Club de Bâle» auf die Schulter klopft, bekommt das ausser ihr keiner mit. Gern hätten die Davidoff-Verantwortlichen die Lounge zur Bar mit Getränken gemacht und die Tür, die zum «Club de Bâle» führen könnte, nicht zugemauert. Aber die Behörden – sie mauern ihrerseits.

Der Schlafstadt-Part kommt im Werbeclip freilich nicht vor, zumindest nicht so. Von «urban» ist die Rede und am Ende geht romantisch die Sonne unter – bezeichnenderweise über dem Kleinbasel, vom Messeturm aus gefilmt.