Basel

Das Onlineportal Barfi.ch räumt Probleme ein - sind «Insider-Informationen» daran schuld?

Das Onlineportal Barfi.ch-Chef Christian Heeb macht Telebasel für den Misserfolg verantwortlich.

Christian Mensch
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Barfi.ch-Chef Christian Heeb.

Barfi.ch-Chef Christian Heeb.

Kenneth Nars

Telebasel sei kurz davorgestanden, Barfi.ch zu übernehmen, schreibt die «Basler Zeitung» gestern. Unmittelbar vor der Unterzeichnung habe der Sender jedoch einen Rückzieher gemacht.

Roger Thiriet, Stiftungsratspräsident von Telebasel, widerspricht auf Anfrage dieser Darstellung. Richtig sei, dass Heeb mit der Frage an Telebasel herangetreten sei, ob eine Übernahme möglich sei. Einen Kauf habe man aber nach Prüfung der Bücher vor gut einem halben Jahr verworfen. Die Wiedererwägung von Heeb im Januar sei im Ausschuss zwar diskutiert, aber verworfen worden. Diesen Entscheid habe man Heeb auch mitgeteilt.

Dem Dementi von Thiriet folgt ein energisches Dementi von Heeb. Er habe und werde Barfi.ch nie Telebasel anbieten, sagt Heeb. Schliesslich sei der mit «unlauteren Mitteln» finanzierte Online-Auftritt des Regionalsenders mit verantwortlich, dass sein Barfi.ch wirtschaftlich nicht vorankomme. Richtig sei vielmehr, so Heeb, dass Telebasel von sich aus und zu seiner grossen Überraschung auf Barfi.ch zugekommen sei, um auf Reichweite für den eigenen Online-Auftritt zu kommen. Diesen Gesprächen habe er sich nicht verweigert.

In der Lesart von Heeb war der Deal auf bestem Weg. Es sei in einem Vertragsentwurf sogar die Klausel eingebaut gewesen, dass bei einer Annahme der No-Billag-Initiative auf die Übernahme verzichtet werden könne. Weshalb der Kauf nicht zustande gekommen sei, wisse er bis heute nicht. Die völlig unterschiedlichen Realitätswahrnehmungen nahmen ihren Anfang bei einem Treffen, um das Heeb bei Samuel Hess ersucht hatte. Dieser ist einerseits Leiter Wirtschaft im kantonalen Amt für Wirtschaft und Arbeit (AWA), andererseits im Stiftungsratsausschuss von Telebasel.

Auf Hilfe angewiesen

Heeb stellt sich auf den Standpunkt, er habe bei diesem Treffen mit Hess lediglich sondieren wollen, ob für sein Dutzend fest angestellter Mitarbeiter Kurzarbeit möglich sei. Für Heeb ein realistisches Szenario: Die Arbeitsplätze könnten mit einer staatlichen Zwischenfinanzierung gesichert werden, da sich der wirtschaftliche Erfolg bei Barfi.ch schon noch einstellen werde. Schliesslich sei ja ein publizistischer Erfolg nachgewiesen. Heeb zeigt damit sein ungebrochenes Vertrauen in sein Medienprojekt, räumt jedoch erstmals ein, dass sich Barfi.ch in einer wirtschaftlich schwierigen Position befindet und auf Hilfe angewiesen ist.

Gemäss Heeb habe Hess im Gespräch die alte Idee eines Zusammengehens von Telebasel und Barfi.ch erneut ins Gespräch gebracht und den Gesprächskanal mit Thiriet geöffnet. Also nicht er habe sich Telebasel angedient, sondern er sei einer Initiative von Telebasel gefolgt, betont Heeb.

Hess sagt auf Anfrage, er habe dem als dringlich angekündigten Treffen zwar zugestimmt, da er grundsätzlich mit jedem Unternehmer rede, und als Treffpunkt auch das Café Damatti vorgeschlagen. Über Heebs konkretes Anliegen sei er im Voraus nicht informiert gewesen. Er habe Heeb bei diesem Treffen jedoch gesagt, dass er in keinem Fall der richtige Ansprechpartner sei: Für Kurzarbeit sei im AWA ein Kollege zuständig, und falls es um eine Zusammenarbeit mit Telebasel gehe, sei nicht er, sondern Roger Thiriet der Gesprächspartner.

Wurden «Insider-Informationen» verwendet?

Die «Basler Zeitung» stellt die Frage in den Raum, ob Hess als AWA-Kader «Insider-Informationen» für Telebasel verwendet habe. Sie portiert damit einen Verdacht von Heeb, der diesen im Zusammenhang mit der Kurzarbeit hegt. Denn um diese für seine Mitarbeiter beantragen zu können, müsse er die Geschäftszahlen und die wirtschaftlichen Aussichten gegenüber dem Amt weit offenlegen. Dafür habe er zwar grundsätzlich Verständnis, doch diese Geschäftsgeheimnisse könnten via Hess wieder zu Telebasel wandern. Hess stellt auch diesen Zusammenhang in Abrede. Als Leiter Wirtschaft sei er in keiner Weise in Kurzarbeit-Bewilligungen involviert.

Heeb ist nach dieser fasnächtlichen Volte zum Handeln gedrängt. Und einfacher ist es für ihn nicht geworden: Mit einem Knall verpufft ist die Option, mit Telebasel eine Einigung zu finden, aber auch eine staatliche Hilfestellung zu erhalten. Heeb sagt, er werde die Situation prüfen und «in Kürze» entscheiden, wie es bei Barfi.ch weitergeht. Doch der «vorsätzliche Plan von Telebasel barfi.ch zu zerstören», lasse er unter keinen Umständen zu.