Frauenbewegung

Das Parteienrating zeigt: So sehen die Frauenanteile in den Basler Wahlkreisen aus

Die Gruppe «Helvetia ruft!» hat die Wahllisten der Basler Parteien ausgewertet. Und ist zu einem ernüchternden Urteil gekommen: Einige Sektionen vernachlässigen die Frauenförderung.

Silvana Schreier
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Das Parteienrating zeigt: So sehen die Frauenanteile in den Wahlkreisen aus
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Für mehr Frauen setzt sich etwa CVP-Grossrätin Beatrice Isler ein: Sie achtet darauf, Frauen für das Parlament zu wählen.
Ebenso SP-Grossrätin Jessica Brandenburger. Sie appelliert an die Bürgerlichen: «Gleichstellungspolitik ist kein reines Wahlkampfthema.»
Die Analyse wurde von «Helvetia ruft!» durchgeführt. Die überparteiliche Bewegung gehört zum Dachverband Alliance F, dessen Co-Präsidentin Maya Graf ist.

Das Parteienrating zeigt: So sehen die Frauenanteile in den Wahlkreisen aus

Kenneth Nars

In zehn Tagen sind die Gesamterneuerungswahlen von Parlament und Regierung im Kanton Basel-Stadt. Unter 792 Grossratskandidierenden finden sich 282 Frauen, wie die überparteiliche Bewegung «Helvetia ruft!» mitteilt. Die Gruppierung gehört zum Dachverband «alliance F». Das Urteil der Analyse fällt ernüchternd aus: Nur auf die Hauptlisten der im Rat vertretenen Parteien bezogen, liegt der Frauenanteil bei 36 Prozent. Damit kommt das Ergebnis nicht an den Höchstwert von 38,9 Prozent im Jahr 1996 heran.

Kurz vor dem Wahltermin veröffentlicht «Helvetia ruft!» ein Parteienrating, das sich aus einer Auswertung der Wahllisten der jeweiligen Wahlkreise zusammensetzt:

«Vorbilder»

In diese Kategorie gehören laut «Helvetia ruft!» jeweils drei Sektionen der SP und des Grünen Bündnis sowie je eine Sektion von CVP und GLP. Sie achten darauf, dass Frauen gleich gute Wahlchancen haben wie Männer und die Sektionen sind bereits mit gleich vielen Frauen oder einer Frau weniger als mit Männern im Grossen Rat vertreten. Während SP und Grünes Bündnis zuerst die Frauen auflisten, tritt die GLP Riehen etwa mit einer durchmischten Liste an.

«Zurechtrücker»

Sie weisen einen tiefen Frauenanteil vor und haben zu wenig Nachwuchsförderung in diesem Bereich betrieben. Beides versuchen sie zu vertuschen, indem etwa LDP und FDP die Frauen vor den Männern auflisten. Dies täuscht aber nicht darüber hinweg, dass sie nur wenige Kandidatinnen aufweisen.

«Lernwillige»

Aktuell stehen diese Sektionen schlecht da, sie werden im Rat zu grossen Teilen von Männern vertreten. Dennoch ist eine klare Strategie sichtbar: Auf den Listen der FDP von Grossbasel-Ost und Riehen werden etwa die Frauen vor den Männern – auch den Bisherigen – aufgeführt. Zudem ist der Frauenanteil mit 45 respektive 37 Prozent positiv zu beurteilen.

«Unsensible»

Diese Kategorie bedeutet, dass die Sektion keine ersichtliche Strategie zur Förderung von Frauenkandidaturen hat. Wenn Frauen dort gewählt werden oder nachrücken können, ist dies Zufall. So tritt die LDP in Riehen und Kleinbasel mit alphabetisch geordneten Wahllisten an, dasselbe gilt für Sektionen der EVP.

«Männerbastion»

Diese Sektionen werden fast ausschliesslich von Männern dominiert. Neben der SVP Kleinbasel gehören die Kleinparteien Dorfvereinigung Bettingen und Aktives Bettingen dazu. Auf den Wahllisten der Bettinger Parteien stehen nur Männer.

Beatrice Isler sitzt seit 2014 für die CVP im Grossen Rat und gehört zu den Trägerinnen des Projekts. «Gerade ein solches Netzwerk macht es für Frauen attraktiver, in die Politik einzusteigen», so Isler. Dennoch sei es schade, dass sich nicht mehr für ein Mandat motivieren liessen. Den Frauen macht Isler dabei keinen Vorwurf: «Ich bin selbst erst später, als die Kinder schon draussen waren, in die Politik eingestiegen. Vorher hatte ich keine Luft dazu.»

Isler begrüsst die Einteilungen in die Kategorien. Aber: «Wir sollten keine Vorwürfe daraus formulieren. Der Grund, warum eine Sektion schlechter abschliesst, wird damit nicht beleuchtet.»

«Gleichstellungspolitik ist aber kein reines Wahlkampfthema»

Auch SP-Grossrätin und Projektträgerin Jessica Brandenburger ist angesichts des Ratings ernüchtert. Der Frauenstreik von 2019 habe zwar vieles bewegt. Dies sei bei den nationalen Wahlen von 2019 sichtbar geworden. Von den 50 Prozent im Parlament sei man aber noch weit entfernt. «Schaut man sich die Zahlen im Detail an, wird klar, dass es immer die gleichen bürgerlichen Parteien sind, die es nicht schaffen, Frauen auf die Listen zu holen.» Dies resultiere daraus, dass sie sich erst kurz vor den Wahlen mit dem Thema beschäftigen würden. «Gleichstellungspolitik ist aber kein reines Wahlkampfthema», so Baumgartner.

Dass die Basler Sozialdemokraten fast durchwegs gut abschneiden, freut Brandenburger. «Es war ein gutes Stück Arbeit, dass die Gestaltung der Liste so aussieht.» Es sei kein Zufall, denn auch innerhalb der Partei habe es grosse Diskussionen dazu gegeben. Die Statutenänderung, die eine Quote von je 50 Prozent für Frauen und Männer fordert, sei erst vergangenes Jahr durchgekommen.

Beim Ausfüllen des Wahlzettels achten Brandenburger und Isler darauf, Frauen zu wählen. Isler sagt: «Aber nicht nur, denn wir müssen es besser machen als die Männer. Wenn wir gar keine Kandidaten wählen, machen wir den gleichen Fehler.»