Hausbesetzung

Der Lärmstreit um die Schwarze Erle geht in die nächste Runde

Lange Zeit änderte sich nichts im Streit zwischen Hausbesetzern und Anwohnern. Doch jetzt nach zwei Jahren des Schweigens muss die Regierung Stellung nehmen.

Martina Rutschmann
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Der Baum Schwarz-Erle blüht momentan, für das gleichnamige besetzte Haus scheint die Blütezeit vorbei zu sein.

Der Baum Schwarz-Erle blüht momentan, für das gleichnamige besetzte Haus scheint die Blütezeit vorbei zu sein.

Nicole Nars-Zimmer niz

Sie hatten schon fast aufgegeben. Auch vom Artikel in der bz, in dem die Missstände publik gemacht wurden, hatten sich die Besitzer der Wohnungen an der Schwarzwaldallee 267 nicht allzu viel erhofft. Kaum hatten die Medien jedoch begonnen, über die Zustände rund um das besetzte Haus zu berichten, wurden manche Politiker hellhörig. Und das, nachdem zwei Jahre nichts ging. So lange litten die Nachbarn des besetzten Hauses unter dem Lärm und dem Dreck, riefen regelmässig die Polizei, spielten Katz und Maus.
Für nichts. Doch jetzt kommt Bewegung in die Sache: In der April-Sitzung des Grossen Rats muss die Regierung Fragen beantworten, die Grossrat Eduard Rutschmann (SVP) in einer Interpellation stellt. Warum lässt die Polizei die Leute gewähren? Wer zahlt deren Rechnungen? Darf jeder sein Haus ansprayen, wie es ihm gefällt?

Lärmschutz – und alles wäre gut

Karin Daniel hofft, dass der Vorstoss zu Diskussionen im Rat und zu einer Lösung führt. Die Nachbarin des besetzten Hauses wünscht sich allerdings keine radikalen Einschnitte. Denn es sind nicht die Hausbesetzer selber, die sie stören, sondern lediglich der Lärm, der sie mit Partys verursachen. «Ich wünsche mir, dass die Besetzer verpflichtet werden, das Haus komplett zu isolieren, sodass die Nachbarn wieder schlafen können.» Sie selber kann die meisten ihrer sechs Zimmer nicht mehr nutzen, seit die Gruppe das Haus vor gut zwei Jahren besetzt hat. Und auch in den Zimmern, in denen sie sich noch aufhält, hört sie den Bass. Eine andere Anwohnerin muss wegen der Vibrationen in ihrem Bett Blutdruckmittel nehmen. Bei den Nachbarn zwei Häuser neben der «Schwarzen Erle» klingt es, als würden Möbel umhergeschoben.
Der Verwalter der Eckliegenschaft, die an die Erlenstrasse grenzt, antwortete gestern nicht auf eine schriftliche Anfrage der bz. Bereits vor einem Monat machte er deutlich, dass sich sein Interesse an der Presse in Grenzen hält: «Die Besitzerin prüft zurzeit ihre Optionen», schrieb der St. Galler Anwalt Peter Rösler, ein Vertreter einer Firma aus der Ostschweiz, der das Haus gehört.
Offenbar prüft die Besitzerin immer noch ihre Optionen. Einen Räumungsbefehl hat sie der Polizei in der Zwischenzeit nicht erteilt. Und was die Partys angeht, so fänden diese nach wie vor in derselben Lautstärke statt, sagt Karin Daniel. Erst vorgestern habe sie den Abend wieder einmal unter Beschallung aus dem Nachbarhaus verbringen müssen. Eine Intervention bei der Ombudsstelle habe bisher nichts ergeben – und die Bemühungen um ein Lärmmessgerät bei verschiedenen Verwaltungsstellen seien im Sand verlaufen. Nun warte sie auf die Interpellationsbeantwortung. Sollte diese nichts ändern, will Rutschmann einen weiteren Vorstoss zum Thema einreichen.