Spionage

Der Spion, der Basler Polizist war: Die bizarre Geschichte des Detektivkorporals Josef Böswald

Der Detektivkorporal Josef Böswald war der Agent Nr. 7934 des Sicherheitsdiensts der SS. Er hat schwarze Listen seiner Kollegen angefertigt und Fahnenflüchtige aus dem Elsass verraten. Alles nur, weil er sich eine bessere Karriere erhoffte.

Ulrich Tromm
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Eine Hinterlassenschaft im Bundesarchiv: Böswalds Tram-Abonnement aus dem Jahr 1936.

Eine Hinterlassenschaft im Bundesarchiv: Böswalds Tram-Abonnement aus dem Jahr 1936.

Schweizerisches Bundesarchiv

Der Schock sass tief. In den Reihen der Basler Kantonspolizei befand sich in den Kriegsjahren, in denen die Schweiz und insbesondere Basel von einem übermächtigen NS-Deutschland bedroht waren, ein Landesverräter, der der Lörracher Nebenstelle des Sicherheitsdienst der SS aktiv zuarbeitete.

Vom 25. bis zum 30. November 1946 verhandelte das Divisionsgericht 5 im Bürgersaal des Basler Stadthauses gegen den Detektivkorporal der Basler Kantonspolizei Josef Böswald und drei weitere Mitangeklagte wegen Landesverrats. Das Presseecho war erwartungsgemäss gross. «Schlechte Eidgenossen vor ihren Richtern», titelte die «National-Zeitung» am 26. November 1946. Während des Prozesses kam es gemäss der «Basler Arbeiter Zeitung» zu einer spontanen Demonstration. «Als kurz vor sieben Uhr die Verhandlungen beendet waren, staute sich vor dem Stadthaus eine grosse Menschenmenge, gegen Böswald und seine Mitangeklagten erklangen Pfuirufe.» Es war ein historischer Prozess mit einem drastischen Urteilsspruch: Zwanzig Jahre Haft für Josef Böswald wegen erwiesenem Landesverrat.

Josef Böswald wird im Basler Bürgerhaus vom Divisionsgericht der Prozess wegen Landesverrats gemacht.

Josef Böswald wird im Basler Bürgerhaus vom Divisionsgericht der Prozess wegen Landesverrats gemacht.

RDB BY DUKAS

Vom einfachen Polizisten zum Kriminalkommissar

Nicht minder überrascht und empört als die Basler Öffentlichkeit dürften Josef Böswalds Kollegen bei der Basler Kantonspolizei gewesen sein. Nichts in seiner beruflichen und familiären Laufbahn deutete auf eine Entwicklung zum Verräter hin.

Böswald wurde am 2. März 1893 als viertes von zehn Kindern geboren und entstammte einfachen Verhältnissen. Sein Vater, ein geborener Deutscher, war zunächst Bankportier und später Hotelkutscher. Josef war 15 Jahre alt, als die Familie eingebürgert wurde. Am 1. November 1918 trat er in den Polizeidienst ein, 1928 avancierte er zum Detektiv. 1934 folgte seine Beförderung zum Detektivkorporal. Höhepunkt seiner Laufbahn war 1942 die Versetzung zur Jugendanwaltschaft, wo er zwei Jahre später zum ausserordentlichen Kriminalkommissar befördert wurde. Seine Dienstvorgesetzten stellten ihm die besten Dienstzeugnisse aus. Noch 1945, als seine vormaligen Sympathien für das NS-Regime bereits der Staatsanwaltschaft zu Ohren gekommen waren, wurde Böswald dem Regierungsrat zur Beförderung zum ordentlichen Kriminalkommissar vorgeschlagen.

War Josef Böswald ein überzeugter Nationalsozialist, der nach aussen hin das Bild eines treusorgenden katholischen Familienvaters dreier Kinder präsentierte? Das Militärgericht kam zu dem Schluss, dass seine Wendung zum Landesverrat seinem Karrierestreben geschuldet war. Seine Mittäter bestätigten, dass er darauf spekuliert hatte, nach dem von ihm erhofften Einmarsch der Deutschen zum Gestapochef in Basel ernannt zu werden.

Die Sekretärin der SD Lörrach hat ausgepackt

Ein «Beamter B» in der Kantonspolizei, der dem NS-freundlichen Basler Spektrum Gefälligkeiten erwies, war in verschiedenen Verhören genannt worden. Nur reichte die Beweislage zunächst nicht aus, Böswald als diesen «B» zu identifizieren. Zudem gab es bereits 1944 zwei Anzeigen gegen ihn wegen «angeblicher nationalsozialistischer Gesinnung». Die Ermittlungen führten zu keinem schlüssigen Ergebnis, die Akte blieb aber offen.

Nach Kriegsende war die Beweislage eine andere. Am 11. Juli 1945 erwirkte der militärische Untersuchungsrichter A. Läderach bei der politischen Abteilung der Basler Kantonspolizei einen Haftbefehl gegen Josef Böswald sowie die Durchsuchung seiner Wohnung. Bei der Enttarnung Böswalds kam Läderach ein ausgesprochener Glücksfall zur Hilfe, wie es in seinem Schlussbericht heisst: «Schon in früheren Fällen hatte eine gewisse Elsbeth Klöpfer, Sekretärin der SD Stelle Lörrach, wichtige Aussagen gemacht gegen Schweizer, die für den deutschen Nachrichtendienst arbeitete. (...) In der Befragung über die nachrichtendienstliche Tätigkeit der Basler Polizeibeamten gab sie an, der Det. Kpl. und ausserordentliche Kriminalkommissar Böswald aus Basel sei ein Agent des SD Lörrach und trage als solcher die Agentennummer 7934.» Seine vollständige Nummer lautete: «CH H 7934».

Böswald, nunmehr in Bern in Untersuchungshaft, machte keinerlei sachdienliche Aussagen, stritt seine Agententätigkeit rundweg ab oder spielte ihm nachgewiesene Kontakte zu Leitern der Lörracher Nebenstelle des Sicherheitsdienstes (SD) als belanglos herunter.

Böswald selbst hatte es vermieden, mit den rechtsradikalen Organisationen in Basel in Verbindung gebracht zu werden. Seine Kontakte zum NS-Milieu in Basel und dem seit 1940 aus dem angrenzenden Südbaden agierenden Ernst Leonhardt, dem führenden Kopf der «Schweizerischen Gesellschaft der Freunde der autoritären Demokratie» (SGAD), liefen über einen Mittelsmann. Böswald nahm allerdings direkten Kontakt zum SD in Lörrach auf, wenngleich unter dem Vorwand, es gelte eine Erbschaftsangelegenheit zu regeln. Ging es im Kontakt mit Leonhardt im Wesentlichen darum, dass Böswald ihm Interna zu Ermittlungen der politischen Polizei gegen Basler Gesinnungsgenossen aus der SAGD zuspielte, so tat sich in Böswalds Kontakt zum SD in Lörrach noch eine ganz andere Dimension seiner landesverräterischen Aktivitäten auf.

Sein «menschlich verwerflichster Akt» an Kameraden

Böswalds menschlich verwerflichster Akt bestand darin, dem Chef der SD Nebenstelle Lörrach, Ernst Maier, die Kollegen der Basler Kantonspolizei namhaft zu machen, die gegenüber dem NS-Regime in Deutschland feindlich eingestellt waren. Schon Meiers Amtsvorgänger, Karl Lapp, hatte eine sogenannte Verdächtigungskartei mit den Namen von Basler Polizeibeamten angelegt. Böswald ordnete den einzelnen Namen die jeweilige Einstellung seiner Kollegen gegenüber dem Nationalsozialismus zu.
Das Divisionsgericht konstatierte in seiner Urteilsbegründung: «Böswald wusste genau, welche Folgen sein Verrat für seine Kollegen hatte haben müssen, wenn es zu einer militärischen Besetzung der Stadt Basel durch die Deutschen gekommen wäre. Dieser Teil des politischen Nachrichtendienstes lässt deutlich die Grösse seines Verschuldens ermessen.»

Elsbeth Klöpfer, die Sekretärin der SD Lörrach, gab auch Hinweise zu einem systematischen Verrat Böswalds, und zwar an jungen Elsässern, die sich dem vom NS-Regime 1941 auch im annektierten Elsass eingeführten Reichsarbeitsdienst durch Flucht in das nahegelegene Basel entzogen. Hier wurden alle «illegale Grenzübertreter» im Lohnhof im Eingangsbuch, dem Journal, eingetragen, und zwar in den meisten Fällen unter ihrem tatsächlichen Namen und dem Ausgangspunkt ihrer Flucht. Diese Namen, nebst Angaben zum Datum des Grenzübertritts, gingen auf maschinenschriftlich ausgefüllten Zetteln der SD Nebenstelle in Lörrach zu. Von hier aus fanden sie über Karlsruhe und Strassburg zur Gestapo nach Mülhausen, wo man nun das wusste, worüber die kommunalen elsässischen Behörden nur bedingt Angaben machten: Die Betreffenden hatten sich der Einberufung in den Reichsarbeitsdienst durch Flucht in die Schweiz entzogen.

Nach einer Schätzung von Elsbeth Klöpfer handelte es sich um rund 200 Namen. Es können aber auch beträchtlich mehr gewesen sein. Zum Umfang dieser Fluchtbewegung machte der ehemalige Leiter der Gestapo Mülhausen, Kriminalobersekretär Fritz Wendle, folgende Angaben: Soweit ihm erinnerlich «darf die Zahl der im Jahr 1941 abgewanderten Dienstpflichtigen und sonstigen Personen auf zehn pro Tag angegeben werden. Es ist mir bekannt, dass zeitweise in einer Nacht sämtliche Dienstpflichtigen einer Ortschaft vereinbarungsgemäss geflüchtet sind.»

Überbringer der Meldezettel nach Lörrach war der ebenfalls als Agent des SD geführte Ludwig Mahler, eine Schlüsselperson im SD Agentennetz in Basel. Er war vermutlich nicht der einzige Kurier. August Becker, der spätere SD-Leiter von Lörrach, bestätigte, dass laufend Meldungen über Fluchten aus dem Sundgau nach Basel bei ihm eingegangen seien: «Die Angaben zu diesen Leuten wurden uns auf kleinen weissen Zettelchen gemacht, die mit der Maschine beschrieben waren. Wir erhielten sie in der Regel durch Deutsche, deren Namen ich nicht bekannt geben möchte. Die Meldungen kamen alle von Böswald.»

Böswald musste gewusst haben, was er tat, als etwa den «wehrflüchtigen» Eugene Mangold aus Lutter meldete. Darum sei diesem Fall etwas Raum eingeräumt. Eugene Mangold erhielt für den 10. Februar 1943 den Stellungsbefehl. Er hatte sich auf dem Bürgermeisteramt der elsässischen Gemeinde Lutter einzufinden. Bei der Rekrutierung hatten die aufgebotenen Rekruten eine Erklärung zu unterschreiben, wonach sie arischer Abstammung seien und «mit Freude» den deutschen Wehrdienst leisten würden. Mangolds Reaktion: «Wir haben unterschrieben, und dann hauten wir ab.» Gemeinsam mit einem Freund überschritt er in der Nacht vom 12. auf den 13. Februar 1943 die Schweizer Grenze.

Mangold suchte kurz nach seiner Flucht während seiner Internierung im Lager Büren per Brief den Kontakt zu langjährigen Basler Bekannten seiner Familie, der Familie Hübsch, nicht ahnend, dass Hermann Hübsch der Pflegesohn des SD Agenten Josef Böswald war. Hübsch erzählte Böswald prompt von der Flucht Mangolds, und Böswald erstattete dem SD in Lörrach Meldung. Nur elf Tage nach seiner Flucht und drei Tage nach der Kontaktaufnahme mit Böswalds Pflegesohn wurden Mangolds Eltern von den Deutschen deportiert. Sie kamen in ein Lager und wurden dann Bauern in Goslar im Harz zur Arbeit zugewiesen.

Der geplante Angriff auf die heiklen Basler Akten

Es wirft ein Licht auf Böswalds Agententätigkeit, dass er selbst beiläufig erwähnte Dinge, die von Interesse für den SD sein konnten, diesem umgehend meldete. Böswalds Nachbar, Gesinnungsgenosse und späterer Mitangeklagter Hermann Mösch berichtete von seinen Wahrnehmungen zu Bunkerbauten während eines Erholungsurlaubs im Guraigel, die der NS Militärspionage über den Standort des Kommandopostens des Divisionskommandos 3 geben konnten. Auch diese Meldung ging nach draussen.
Bei den Machenschaften Böswalds spielte das deutsche Generalkonsulat in Basel eine zentrale Rolle.

Basler Grenzfälle

Die Geschichte des Josef Böswald hat der Lörracher Historiker Ulrich Tromm recherchiert. Abgedruckt ist hier eine stark gekürzte Version seiner Arbeit, die in der Basler Zeitschrift für Geschichte und Altertum (2019, Band 119, Schwabe Verlag) publiziert ist. Dieser Sammelband widmet sich dem Thema Basel und dem Nationalsozialismus. Die grenzüberschreitenden Beziehungen zwischen 1933 und 1945 sind auch Thema einer Ausstellung des Historischen Museums, dessen Vernissage aufgrund der Coronakrise vom Mai in den August verschoben worden ist. Dort findet sich auch Josef Böswald wieder. (cm)

Böswald stand auf gutem Fuss mit Johann Christlein, dem Kanzler des Konsulats und NSDAP-Ortsgruppenleiter von Baselland. Auf Anregung von Christlein hin heckten er, Böswald und Mösch einen abenteuerlichen Plan aus, der im Falle eines deutschen Einmarsches in Basel einschneidende Folgen gehabt hätte. Als Vorkehrungsmassnahme stand während der zweiten Mobilmachung im Mai 1940 für den Fall eines Einmarsches der Deutschen zunächst im Truchsesser Hof und dann nach dem Umzug der Politischen Abteilung im Dezember 1940 im neuen Spiegelhof ein Lastwagen mit Chauffeur und unter militärischer Bewachung bereit, mit dem im Ernstfall Akten mit sicherheitssensiblem Inhalt in das Landesinnere gebracht werden sollten. Diesen Lastwagen gelte es, bei einem Einmarsch der Deutschen abzufangen und in die Hände der Wehrmacht zu überführen. Gedacht war an einen gezielten Panzervorstoss mit Böswald in der Rolle des Wegweisers. Während der Ermittlungen gegen ihn und im Verfahren selbst stellte Böswald diesen Plan als Ausgeburt erhöhten Alkoholkonsums dar. Der vormalige Leiter der Politischen Abteilung, Staatsanwalt Emil Häberli, kam zu einer völlig anderen Einschätzung. Mit diesem Lastwagen hätte die deutsche Seite einen Fang gemacht, der die Sicherheitsbelange der Schweiz ins Herz getroffen hätte.

Das Generalkonsulat war auch involviert, als es um die Einberufung von in der Schweiz ansässigen Deutschen in die deutsche Wehrmacht ging. Oft waren diese schon in der Schweiz geboren und suchten Rat bei Böswald, wie sie der Einberufung in die Wehrmacht entgehen konnten. In der Folge denunzierte er diese gegenüber seinem Mittelsmann und setzte sie somit den Pressionen des Konsulats aus.

Das deutsch-katholische Milieu der Mittäter

Zwischen Böswald und seinen Mittätern bestanden langjährige Beziehungen. Herrmann Mösch wohnte in Böswalds Nachbarschaft. Mösch wurde 1885 in Lörrach geboren und ging dort zur Schule. 1924 siedelte er endgültig nach Basel über, wo er 1931 zum Prokuristen der Bürgergenossenschaft des Basler Gewerbes avancierte. Laut dem Gerichtsurteil von 1946 eher Katholik denn überzeugter Nationalsozialist, war seine Deutschfreundlichkeit «weitgehend eine romantisch-schwärmerische Verbundenheit mit dem badischen Lande, in dem er aufgewachsen ist und dem auch seine Frau entstammte.» Er setzte, wie Böswald, auf den deutschen Endsieg, dessen Vorteile er teilhaftig werden wollte. Herrmann Mösch war Pflegevater von Thomas Jauch seit dessen 15. Lebensjahr.

Thomas Jauch, am 19. März 1909 als Sohn eines ursprünglich aus Deutschland stammenden Steinmetz in Basel geboren, arbeitete sich in der 1936 neugegründeten Ciba Teer Farben AG in Berlin hoch. Sein Leben im Berlin des Nachklangs der Olympischen Spiele von 1936 tat ein Übriges. Seine Begeisterung für den Nationalsozialismus ging über Anpassung weit hinaus. Seine Spionagetätigkeit für den SD entsprang einer inneren Überzeugung.

Der dritte Mitangeklagte, der am 21. August 1905 in Basel geborene Hermann Hübsch, entstammte prekären Verhältnissen und vermochte nicht beruflich Fuss zu fassen. Josef Böswald war ihm nach dem Tod seines Vaters eine Art Vaterersatz. Hübsch wurde aus eigenem Antrieb im August 1940 Mitglied der Schweizerischen Gesellschaft der Freunde einer Autoritären Demokratie SGAD.

Einer der «wichtigsten Agenten» Deutschlands in der Schweiz

Das Divisionsgericht kam zu dem Fazit, «dass Böswald in den Jahren 1941 bis 1944 als einer der wichtigsten Agenten des deutschen Nachrichtendienstes in Basel tätig gewesen ist. Die Mitangeklagten Mösch, Jauch und Hübsch leisteten ihm dabei Helfer- und Kurierdienste, traten daneben auch selbst als Abgeber von Nachrichten auf.»

Am Samstag, den 30. November 1946, verkündete das Divisionsgericht 5 um 13 Uhr im Bürgerratssaal im Stadthaus sein Urteil. Josef Böswald wurde wegen militärischen Landesverrats, Verletzung militärischer Geheimnisse, fortgesetzten politischen, wirtschaftlichen und militärischen Nachrichtendienstes, und fortgesetzten Nachrichtendienstes gegen einen fremden Staat zu zwanzig Jahren Zuchthaus verurteilt.

Der von Böswalds Anwalt erhobenen Kassationsbeschwerde gab das Militärkassationsgericht teilweise statt, bestätigte aber in seinem Urteil vom 5. September 1947 das hohe Strafmass.

Böswald bezeichnet sich als Opfer der Schweizer Justiz

Böswald meldete sich zu Jahresbeginn 1951 aus der Basler Strafanstalt an der Spitalstrasse 41 ein weiteres Mal zu Wort, und zwar in einem 82-seitigen Schreiben, welches er an den früheren Regierungsrat, Prof. Dr. Carl Ludwig, richtete. Dieses ging per Kopie dem Bundesrat als Petitionsschrift zu. Hier ist nun von dem vor Gericht geleisteten Bekenntnis, er habe gefehlt, keine Rede mehr. Nun, knapp sechs Jahre nach Kriegsende, sah sich Böswald als Opfer einer schweizerischen Siegerjustiz.

Ludwig hatte nach Böswalds Verhaftung dessen ratsuchenden Sohn beschieden, er könne nichts für seinen Vater tun. Hieraus zog Böswald nun den Umkehrschluss, dass bei seiner Verhaftung Mächte im Spiel gewesen sein müssen, gegen die selbst Ludwig nichts auszurichten vermochte. Böswald sah sich als Opfer einer Intrige von Mitarbeitern der Politischen Polizei. Er wäre unschädlich gemacht worden, weil er Belastendes über die linksgerichtete Politische Polizei gewusst hatte. Die Chance, dieses zu beweisen, hatten ihm der Untersuchungsrichter und auch sein Anwalt verweigert. Ferner sparte Böswald nicht mit Seitenhieben auf die Bereitschaft weiter Teile der schweizerischen Politik, den Ausgleich mit, wenn nicht die Anpassung an NS-Deutschland anzustreben, nachdem dessen Vormachtstellung in Europa nach der Niederlage Frankreichs besiegelt schien.

Zu Beginn des Jahres 1956 befanden sich noch vier Personen wegen «Verbrechens und Vergehens gegen den Staat» in der Basler Strafanstalt. Einer von ihnen war Böswald. Noch vor Verbüssung von Zweidritteln seiner Haftzeit wurde er am 22. Dezember 1956 «gnadenweise und bedingt» aus der Strafanstalt entlassen. Er stand fortan unter der Schutzaufsicht seines Sohnes, der dem Justizdepartement der Stadt Basel für eine Probezeit von drei Jahren über die Führung seines Vaters wie gefordert halbjährlich Bericht erstattete. Josef Böswald verstarb fünf Jahre nach seiner Entlassung am 2. Dezember 1961 in Basel.