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Dickhäuter und andere hohe Tiere an der Eröffnung der Elefantenanlage

Der Zolli gehört zu Basel wie die Fasnacht und der FCB. Deshalb kommt auch tout Bâle, wenn es etwas zu feiern gibt. Am Mittwochabend war das die Einweihung von Tembea, dem neuen, 27 Millionen (Spender-) Franken teuren Heim von vier Elefantenkühen.

David Sieber
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Eröffnung Elefantengehege Basel 15. März 2017
8 Bilder
Der Baselbieter Ständerat Claude Janiak (links) und «Netz-Natur»-Moderator Andreas Moser haben beide ein Elefantengedächtnis.
Für Zolli-Direktor Olivier Pagan beginnt jetzt die eigentliche Arbeit : «Mit der Eröffnung der Anlage geht es erst richtig los.»
Schwergewichtige Politiker: Luca Urgese (FDP), Patricia von Falkenstein (LDP) und Grossratspräsident Joel Thüring (SVP).
Francois Labhard ist Zolli-Verwaltungsrat und Präsident des Tembea-Patronatskomitees. Er hat allen Grund, jetzt zufrieden zu lächeln.
Alt Bundesrätin Ruth Metzler ist als Mädchen auf den Elefanten geritten. Heute hält sie lieber Abstand.
Roland Brodmann, stellvertretender Direktor des Basler Zoo

Eröffnung Elefantengehege Basel 15. März 2017

Roland Schmid

«Die Hauptdarsteller sind unsere Tiere», meinte Zolli-Direktor Olivier Pagan, als er für diese Kolumne auf ein Bild sollte. Natürlich trat er dennoch vor die Kamera. Schliesslich weiss er, dass er in Basel Kraft seines Amtes selbst ein hohes Tier ist. So wie Grossratspräsident Joel Thüring, der in seiner Ansprache Politiker mit Elefanten verglich: Beide bräuchten eine dicke Haut, seien aber eigentlich eher dünnhäutig.

Und mit Seitenhieb auf die gleichentags im Parlament von linker Seite beantragte, aber abgeschmetterte Kürzung der Zolli-Subventionen meinte er: «Es gibt auch bei uns Herdentiere.» Polizeidirektor Baschi Dürr liess es sich ebenso wenig nehmen, in Elefanten-Bildern zu sprechen: «Auch in der Regierung gibt es Leitkühe.»

Ohne Ackermann

Die nominelle Leitkuh, Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann, glänzte allerdings durch Abwesenheit. Ein anderer Termin ging vor. Ob es einen Zusammenhang mit der Tatsache gibt, dass der Zolli keine linke Institution ist? Dass die neue Elefantenanlage vollständig mit Spendengeldern bezahlt worden ist, ist für Dürr jedenfalls Beweis für «bürgerlichen Gemeinsinn».

Wie auch immer, es ging ja eigentlich um die neue Elefantenanlage. Sie ist wirklich eindrücklich, und die vier Elefantendamen scheinen sich wohlzufühlen. Obwohl Andreas Moser, bekannt aus der TV-Sendung «Netz Natur», zu bedenken gab, dass selbst die modernste und tiergerechteste Anlage ein Kompromiss sei.

Die Elefanten würden in freier Wildbahn Hunderte von Kilometern zurücklegen. Da scheinen die 5300 Quadratmeter, die Tembea umfasst, wirklich nicht sehr viel zu sein. Moser ist denn auch nur zu 51 Prozent für Zoos. Dazu passt die Aussage Dürrs, wonach sich ein Zoo zwischen «Facts und Fakes» bewege und damit genau den Zeitgeist treffe.

Es war aber nicht der Abend, solchen Gedanken auf den Grund zu gehen. Viel lieber erinnerten sich die Gäste an ihre eigenen Zoo-Erlebnisse. Alt Bundesrätin Ruth Metzler ritt als Kind auf den grauen Riesen.

Der Baselbieter SP-Ständerat Claude Janiak wuchs neben dem Zoo auf und kann noch heute die Namen aller Elefanten und Löwen aus jener Zeit aufsagen. Und Thüring fühlt sich, wenn er im Sommer bei offenem Fenster schläft, als «Teil des Zoos». Er lieferte damit den Lacher des Abends.