Reinach

Die Moschee der Grauen Wölfe

In der Mevlana-Moschee treffen sich die Basler Anhänger der ultranationalistischen türkischen Partei MHP.

Annika Bangerter und Daniel Ballmer
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Bisher waren sie nicht oft in der Öffentlichkeit, die Anhänger der Grauen Wölfe in Basel.

Bisher waren sie nicht oft in der Öffentlichkeit, die Anhänger der Grauen Wölfe in Basel.

Keystone

Bislang traten sie kaum an die Öffentlichkeit: die Basler Anhänger der Grauen Wölfe. Schätzungen gehen von rund 100 Personen aus. Nun hat sie ihr 20-Jahr-Jubiläum schlagartig bekannt gemacht. Für ihr Fest haben sie Cemal Cetin, den Präsidenten der europäischen Dachorganisation eingeladen. Er ist ein offensiver Befürworter der Verfassungsreform des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdoğan und befindet sich aktuell auf einer eigentlichen Propagandatournee durch Europa.

Nachdem die bz gestern über seinen geplanten Auftritt in Reinach berichtet hatte, meldete sich ein angeblicher Veranstalter über die sozialen Netzwerke bei der Redaktion. Er schrieb, dass «keine Politik» am Anlass betrieben würde. Und: «Wir werden Cemal Cetin sagen, dass er keine ‹Ja›-Propaganda machen soll.» Das bestätigte auch ein Vertreter der Mevlana-Moschee gegenüber der SRF-Sendung «Schweiz aktuell».

Er sagte, dass es beim Anlass nicht um Politik gehe. Gegenüber der bz wollte niemand Stellung nehmen. Wie bereits bei der Recherche des gestrigen Artikels liessen die Organisatoren sämtliche Kontaktaufnahmen ins Leere laufen lassen.

Daher bleibt ein Einblick in die Mevlana-Moschee verschlossen. Klar ist: Eine Gruppe aus der türkischen Gemeinschaft gründete diese 1998 als privatrechtlichen Verein, als aus der ältesten Basler Moschee, der Fetih-Moschee, die Politik verbannt wurde. Aus ihrer Nähe zur ultranationalistischen MHP-Partei machen die Mitglieder kein Geheimnis.

Das zeigt sich unter anderem auf ihrer Facebook-Seite. An einem Ausflug in die Berge strahlen einige Mitglieder in die Kamera, den Finger zum Wolfsgruss geformt. Prominent posten sie zudem Bilder von Alparslan Türkes, dem Gründer der MHP-Partei und der Vaterfigur der Grauen Wölfe.

Basel-Stadt will nichts sagen

Insider berichten, dass die Mitglieder der Mevlana-Moschee unter sich bleiben. Tatsächlich ist die Gemeinde, die sich in den Räumlichkeiten im Dreispitz trifft, bislang in der Öffentlichkeit kaum aufgefallen. Nicht nur deren Vertreter geben sich zugeknöpft, auch der Kanton will sich nicht äussern. Das Präsidialdepartement verweist auf die Basler Muslim Kommission (BMK); und das Justiz- und Sicherheitsdepartement will aus «taktischen Gründen» keine Auskunft erteilen.

BMK-Sprecher Serhad Karatekin gibt sich diplomatisch: «In unserem Dachverband ist jede Moschee willkommen, die sich innerhalb des gesetzlichen Rahmens bewegt.»
Auf die «Vorschriften der Schweiz» beziehen sich auch die Co-Organisatoren der Veranstaltung in Reinach: die Schweizerisch-türkische Föderation.

Auch sie reagierte nicht auf die Anfragen der bz, schaltete aber gestern Nachmittag eine Stellungnahme auf ihre Facebook-Seite. Die Institution würde sich an die «gesetzlichen Vorschriften halten» und sei «für ihr gutes Verhalten» bekannt.