Uhren- und Schmuckmesse

Dior ist an der Baselworld auf dem Absprung

Die Messe ist zu teuer: Die französische Luxusmarke Dior will nicht mehr an die Baselworld.

Stefan Schuppli und Noemi Lea Landolt
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«Je n’adore plus»: Dior kehrt der Basler Uhren- und Schmuckmesse den Rücken.

«Je n’adore plus»: Dior kehrt der Basler Uhren- und Schmuckmesse den Rücken.

Roland Schmid

«J’adore» heisst das berühmte Parfüm von Dior. Verehrt hat die französische Luxusmarke lange auch die Baselworld. Sie ist ein treuer und wichtiger Aussteller an der Uhren- und Schmuckmesse. Doch die Gefühle scheinen nicht mehr die gleichen zu sein, wie am Anfang. Dior soll nächstes Jahr keinen Stand mehr an der Basler Schmuck- und Uhrenmesse haben. Das hat die «Schweiz am Wochenende» aus mehreren unabhängigen Quellen erfahren. Namentlich möchte sich niemand zu den Plänen von Dior äussern, aber hinter vorgehaltener Hand wird auf dem Messeareal über den Absprung der Luxusmarke getuschelt. Beim Dior-Stand heisst es nur: «Peut-être.» Vielleicht. Die Anfrage an die Medienstelle blieb bis Redaktionsschluss unbeantwortet.

Sollte Dior der Baselworld nächstes Jahr den Rücken kehren, wäre dies ein schmerzhafter Verlust für den Veranstalter. Er könnte weitere Abgänge nach sich ziehen, vermuten Informanten. Die Organisatoren der Baselworld wollen die Information nicht kommentieren. «Wir wissen nicht, was Dior vorhat.» Auch über Pläne der anderen Aussteller wisse man nichts.

Verärgert und unzufrieden

Ludovic Lesur, Managing Director der Genfer Uhrenmarke Charriol, kann nachvollziehen, wenn Dior nicht mehr kommt. «Die Messe ist einfach sehr, sehr, sehr teuer», sagt er. Wenn die Branche leidet, müsse die Messe auch die Konditionen anpassen. «Die Messe soll ein Partner sein, und einen Partner soll man nicht hängen lassen.» Sie würden gemolken wie eine Kuh. Die Messe müsse sich überlegen, wie es weiter gehen soll. Er mache sich Sorgen und frage sich, ob die Baselworld-Leitung die Probleme überhaupt erkannt habe. Die Berichte und Communiqués der Messe seien schönfärberisch. Lesur ist ziemlich verärgert. «Für wen halten die uns?»

So würde zum Beispiel die Mehrheit der Bestellungen nicht während der Baselworld getätigt, sondern schon vorher. Das sei ein Zeichen, dass die Messe zeitlich falsch liege. «Vielleicht muss sie vorverschoben werden», sagt er – zum Beispiel ganz nahe zum «Salon International de la Haute Horlogerie» in Genf. Auch die Aussteller hätten ja Interesse an einer breiten Beteiligung.

Dior ist einer von vielen

Dior wäre auch nicht das erste Aushängeschild, das die Baselworld verliert. 2001 kaufte die Richemont-Gruppe die drei Marken IWC, Jaeger-Le Coultre und A. Lange & Söhne und beschloss, in Zukunft am «Salon International de la Haute Horlogerie» auszustellen. Obwohl die Veranstalter der Baselworld sich bemühten, die Messe attraktiver zu gestalten, gelang es ihnen bis heute nicht, Richemont wieder zurückzugewinnen.

Im Gegenteil: Immer mehr werden auch Namen bekannt, die im kommenden Jahr oder in diesem nicht mehr dabei sind: Burberry, Ulysse Nardin, Isabelle Fa, Furrer Jacot und Meister. Dem Vernehmen nach wollen sich die Aussteller des Bereichs «Werkzeugmaschinen und Zulieferer» am Montag zu einer Sitzung treffen, und darüber diskutieren, ob sie überhaupt noch an der Baselworld teilnehmen wollen.