Historisches Museum Basel

Echte Antike oder gefälschte Renaissance?

Eine exklusive Sammlung zeigt die Faszination für die Antike in der Renaissance, als Paduaner antike Münzen fälschten.

Céline Feller
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«Paduaner» von Giovanni da Cav

Padua und Basel – wirklich viel haben diese beiden Städte nicht miteinander zu tun – zumindest heute nicht mehr. Im 16. Jahrhundert waren sowohl Basel als auch Padua humanistische Zentren und dadurch verbunden. Die italienische Stadt nahe Venedig war ein wichtiges Zentrum der Auseinandersetzung mit der antiken Kultur. Doch die Paduaner verehrten die Antike und ihre Kunstwerke nicht nur, sondern sie kopierten sie auch und versuchten so, die Antike zu übertreffen. Dies war ihre Art, dieses Zeitalter zu thematisieren.

Insbesondere Münzen wurden dabei reproduziert. Denn Münzen waren das, was sich viele Bürger leisten konnten. Es war das greifbarste Überbleibsel der so faszinierenden Antike. Heute sind diese Münzen selber historische Zeugnisse und haben einen eigenen Namen: Paduaner-Medaillen. Und es sind auch Münzen und Medaillen, die Padua und Basel damals verbanden. Das Historische Museum Basel (HMB) verfügt nämlich über die einzige Sammlung nachweislich originaler Paduaner-Medaillen. Und genau diese, oder zumindest ein Teil davon, wird ab Freitag in der Sonderausstellung des HMB zu bewundern sein.

«Diese Sammlung ist herausragend», sagt Michael Matzke, Kurator der Ausstellung über diesen weltweit einzigartigen Bestand, der bis Mai im HMB gezeigt wird. Doch wie kamen diese etwa 400 all’antica-Medaillen und Plastiken der Renaissance überhaupt nach Basel? Die Sammlung, die eigentlich zum Amerbach-Kabinett gehört, kam durch den einstigen savoyischen Hofarzt Ludovic Demoulin de Rochefort (1515–1582) nach Basel. Als er nach Basel kam, um hier seinen Lebensabend zu verbringen, verkaufte er seine Medaillen-Sammlung samt den Paduaner Originalen an den Basler Kunstsammler Basilius Amerbach, der damals schon römische Münzen sammelte. «Dass das Kabinett diese Sammlung konserviert hat, ist ein absoluter Glücksfall und eine Ausnahme», sagt Matzke. «Viele ähnliche Sammlungen wurden beispielsweise durch die Kriege ausgedünnt oder gingen ganz verloren. Dass die ganze Sammlung geschlossen hier ist, macht sie so besonders.»

Venedig ausstechen

So widerspiegelt die Sammlung, von der 150 ausgewählte Objekte gezeigt werden, das Denken der paduanischen Künstler und Gelehrten, ihre Versuche, die antiken Münzen zu kopieren und die Technik der alten Römer zu erlernen, und auch ihre Faszination für antike Persönlichkeiten und Mythen. «Die Technik war etwas, womit sich die Goldschmiede lange auseinandersetzten.» So wurde versucht, Kopien der antiken Sesterze neu zu giessen oder zu prägen oder antike Münzen zu überprägen. «Man wusste lange nicht, wie in der Antike geprägt wurde. Als es dann im 16. Jahrhundert herausgefunden wurde, wurde dies nachgeahmt», so Matzke.

Die Nachahmung antiker Kunst wurde insbesondere in Padua kultiviert. Damit wollte die Stadt ihre antiken Wurzeln gegenüber der erst im Mittelalter gegründeten Rivalin Venedig betonen. Der Konkurrenzkampf begann bereits im 13. Jahrhundert, als die Paduaner den trojanischen Helden Antenor als ihren Stadtgründer in Anspruch nahmen, und gipfelte in der Renaissance. Auch Basel besann sich in der Renaissance auf seine antiken Wurzeln. So galt der Gründer von Augusta Raurica, Lucius Munatius Plancus, als Stadtgründer und Garant für Alter und Würde der Stadt Basel.

Genau diese Ideale von Würde, der römischen Dignitas, und Tugenden wie Treue und Disziplin werden auf den Paduaner Medaillen gezeigt, meist in Verbindung mit den so bewunderten griechischen Mythen. Andere Exemplare zeigen die Köpfe römischer Kaiser oder von Personen, von denen es eigentlich kein Bildnis gab, wie Homer und Cicero. Aber auch die Darstellung von historischen Szenen wie die Ermordung Caesars oder der Verrat an Jesus gehört zu den beliebten Motiven. Das Antike Bildungsgut war omnipräsent. «Das war bis ins 20. Jahrhundert so. Heute bricht dies weg, seit an den Schulen der Latein-Unterricht zurückgeht und an der Uni die Latein-Pflicht in vielen Fächern abgeschafft wurde», so Matzke. Wie omnipräsent die Antike lange war, zeigen die verschiedenen Exponate der Sonderausstellung, die nicht nur aus der Renaissance, sondern auch aus dem Barock oder dem Klassizismus stammen und allesamt antike Motive oder Formen haben.

Doch diese Nachahmungen und die damit verbundene, besonders intensive Phase der Auseinandersetzung mit der Antike, werfen auch immer wieder die Frage nach der Echtheit auf. «Der Übergang zur Fälschung ist fliessend», sagt Matzke. Ist es also nun gefälschte Antike oder echte Renaissance, was in Basel zu sehen ist? «Unsere Sammlung ist echt.» Und sie zeigt, wie damals gefälscht wurde. Ganz echt.

Gefälschte Antike 29. 1. bis 8.5., Museum für Geschichte. Di bis So, 10–17 Uhr.