Zwischenruf
Ein Komet geht um

Olivia Fierz
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In der Schweiz und im Westen Europas sieht ihn das blosse Auge am Nachthimmel: Neowise. Ein Komet, der sich nur blicken lässt, weil er die Ellipse der Erde um die Sonne kreuzt. Wenn er den Himmel mit Sternen betrachtet, wird sich Mensch oft schon bewusst, dass er nur zu einem Bruchteil einer grösseren Wirklichkeit gehört. Durch das mystische Aufleuchten eines unbekannten Kometen wird das Gefühl aber vielleicht noch stärker, nur in Relation zu einer Wirklichkeit zu leben, über die Mensch keine Kontrolle hat.

Mit einem Aufleuchten am Nachthimmel zeigt sich der Komet, als müsste er Erdbürgerin und Erdbürger daran erinnern, dass ihre Umlaufbahn gekreuzt werden kann. Weil es eben nicht möglich ist, abgesondert zu zirkulieren.

Und wenn dieser Komet hell am Nachthimmel aufleuchtet und schnell das Smartphone gezückt wird, um die besten Fotos mit Freunden zu teilen – vielleicht teilt Mensch dann nicht nur die Schönheit des mystischen Phänomens, sondern auch das Gespenst der Relation. Ein Bewusstsein, dass wir nicht in einer isolierten Welt existieren, die ohne Einfluss auf ihre Umgebung einfach tun kann, was sie will.

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