Coronavirus

Ein Sommer voller Events? Trotz Corona-Krise wollen «Im Fluss» und Co. nicht aufgeben

Der Frühling ist da, die Tage werden länger und wärmer. Das weckt die Vorfreude auf einen rauschenden Sommer mit langen Partynächten und Festivals. Doch die Veranstalter vieler Grossanlässe, die im Sommer in Basel stattfinden sollen, stehen vor einer grossen Ungewissheit.

Zara Zatti, Simon Tschopp
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Noch steht nicht fest, ob der Plausch am Fluss auch dieses Jahr weitergeht.

Noch steht nicht fest, ob der Plausch am Fluss auch dieses Jahr weitergeht.

Juri Junkov

Das Basel Tattoo, das im Juli über die Bühne gehen soll, plant trotz des Lockdowns. Man habe gar keine andere Möglichkeit, als mit allen Eventualitäten zu rechnen, sagte Gründer Erik Julliard bereits am Mittwoch gegenüber der bz. Dazu gehöre, dass das Tattoo stattfinden kann.

Da nicht klar ist, wie lange sich das Veranstaltungsverbot vom Bund noch hinziehen wird, ist die Planung von grossen Anlässen schwierig. Die Veranstalter von Sommer-Events in Basel geben sich aber kämpferisch.

Ich gehe davon aus, dass wir spielen werden.

(Quelle: Tino Krattiger, Gründer «ImFluss»)

So auch Tino Krattiger, Veranstalter des Rheinfestivals «ImFluss». «Ich gehe davon aus, dass wir spielen werden. Das Programm steht», sagt er. Das Festival lockt jährlich mehrere zehntausend Besucher an. Auf der Homepage zählt ein Countdown noch 117 Tage bis zum Festivalstart am 28. Juli. Ob das Floss dann tatsächlich aufgebaut sein wird, ist unklar. Für Krattiger steht aber fest, dass mit der Planung weitergemacht wird: «Ich habe noch nie in meinem Leben den Kopf frühzeitig in den Sand gesteckt». Ende April wollen die Veranstalter die Lage neu sondieren und entscheiden, wie es weitergeht. Das sei vom Zeitplan her auch nicht völlig ungewöhnlich: «Die komplette Finanzierung stand auch in den vergangenen Jahren teilweise erst zwei Wochen vor Festivalstart.»

Ebenso überzeugt geben sich die Veranstalter des Polyfon Festival Basel, das vergangenes Jahr noch Open Air Basel hiess. Es soll Anfang August stattfinden. Wie Tattoo und Floss setzen auch sie die Planung fort – wenn auch mit angepasstem Zeitplan. Wie Festivalleiter Sandro Bernasconi erklärt, warte man aber noch etwas mit dem Druck des definitiven Programms.

Dies vor allem, weil viele internationale Künstler eingeladen sind, was eine umfangreiche Planung voraussetzt. Zurzeit sei es nicht möglich, überhaupt ein Visum zu beantragen. Viele Tourneen von Künstlern würden ganz gestrichen, weil grosse Festivals in Europa nicht stattfinden. «Sponsoren sind bis jetzt noch keine abgesprungen», sagt Bernasconi, der Ticketverkauf habe aber stagniert.

«Em Bebbi sy Jazz» zeigt sich skeptisch, Jodlerfest wartet

Etwas skeptischer klingt es bei den Organisatoren des diesjährigen Festivals «Em Bebbi sy Jazz». Am 14. August sollten wieder Saxofone und Trompeten durch die Basler Gassen dröhnen. Ob sie dies an der 37. Ausgabe des Anlasses auch tun werden, steht noch nicht fest. Peter Eichenberger, Präsident des Festivals und Direktor des Claraspitals in Basel, fährt zwar mit der Planung fort, jedoch mit Vorbehalten: «Wir versuchen alle finanziell relevanten Entscheide erst zum spätestmöglichen Zeitpunkt zu fällen».

Ich bin vorsichtig mit der Annahme, dass Events dieser Grösse nach den Sommerferien bereits wieder möglich sind.

(Quelle: Peter Eichenberger, OK-Präsident «Em Bebbi sy Jazz»)

Darunter fallen etwa der Druck der Programmzeitung oder die Inserate. Eichenberger sagt: «Ich bin vorsichtig mit der Annahme, dass nach den Sommerferien bereits wieder Veranstaltungen mit mehreren zehntausend Besuchern möglich sind.» Da einige Bands aus dem Elsass oder dem süddeutschen Raum kommen, sei es auch möglich, dass gewisse Anpassungen am Programm vorgenommen werden müssen. Dies selbst wenn «Em Bebbi sy Jazz» grundsätzlich stattfinden könnte.

Auch die Vorbereitungen für das eidgenössische Jodlerfest, das schon Ende Juni in Basel stattfinden soll, laufen weiter. Diese Information findet man auf der Website des Veranstalters. OK-Präsident und alt Regierungsrat Carlo Conti wollte auf Anfrage allerdings nicht persönlich Stellung nehmen. Der ehemalige Basler Gesundheitsdirektor liess über die Medienstelle ausrichten, dass man vor dem 19. April wirklich nichts zur Durchführung des Eidgenössischen Jodlerfests in Basel sagen könne.

Grosse Laufanlässe im Juni sind bewilligt worden

Das Amt für Wald beider Basel hat für übernächsten Monat zwei grosse Laufveranstaltungen bewilligt: die Sola-Stafette (6. Juni) und 10 Meilen Laufen (20. Juni). Die Laufstafette mit Start und Ziel im Park im Grünen in Münchenstein führt unter anderem durch Teile von Basel-Stadt sowie durch 14 Baselbieter Gemeinden und dürfte rund 2500 Teilnehmende zählen. Der Anlass im Laufental tangiert Laufen, Brislach und Zwingen und wird etwa 600 Startende anziehen.

Zum jetzigen Zeitpunkt erstaunt, dass die beiden Massenveranstaltungen bewilligt worden sind. Denn es ist ungewiss, wie die Coronakrise weiter verläuft. «Wir stellen die Bewilligungen nach Anhörung unter anderem der Gemeinden nach den rechtlichen Grundlagen für Wald- und Wildtierschutz aus», erklärt Ueli Meier, Vorsteher des Amts für Wald beider Basel. Darin seien keine Corona-Auflagen enthalten, das sei Sache anderer Instanzen. Sollte der Bund die derzeitigen Massnahmen verlängern oder schärfere Regeln beschliessen, ist für Meier klar, dass erteilte Bewilligungen für die genannte Zeitdauer gegenstandslos werden.

«Wenn ein Organisator die Bewilligung für einen Anlass erhält, bedeutet das nicht, dass er diesen auch vorbehaltlos durchführen kann», betont der Kantonsforstingenieur. Die Verantwortung für die sichere Austragung eines Anlasses sei «völlig losgelöst» von ihrer waldrechtlichen Bewilligung. Während oder nach einem Sturm dürfte man beispielsweise nicht durch Wälder rennen.

Ein Stichdatum, ab wann kantonale Stellen Anlässe wieder erlauben dürfen, gibt es nicht. «Wir sind ans Bundesrecht gebunden», sagt Roman Häring, Leiter des Informationsdienstes des Krisenstabs Baselland, und meint weiter: Es sei zweierlei, ob das Amt für Wald beider Basel eine Bewilligung für eine Veranstaltung erteile oder ob der Bundesrat seine getroffenen Massnahmen ausdehne.

Für Veranstaltungen, die wegen der Coronapandemie nicht stattfinden können und auf einen späteren Termin verschoben werden müssen, ist ein erneutes Bewilligungsverfahren erforderlich. Ueli Meier schwächt jedoch ab: «Sie müssen zumindest nochmals eine Prüfung durchlaufen, selbstverständlich unter erleichterten Bedingungen. Dies werden wir pragmatisch handhaben.» Ihre Amtsstelle beurteile dann, ob die Verhältnisse heikler würden, ob es zu einem Konflikt mit einem anderen Anlass kommen könnte. «Dann würden wir wohl intervenieren.» (stz)