Gerichts Urteil

Eine Verwechslung mit Folgen vor Gericht: Frau hat Sex mit falschem Mann

Ein Mann schickt seiner Frau einen anderen Mann ins Schlafzimmer. Die Frau denkt, es sei ihr Partner und fordert ihn zum gemeinsamen Sex auf. Als sie ihren Irrtum erkennt und deswegen wütend wird, schlägt ihr Sexpartner sie.

Patrick Rudin
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Eine Frau hat versehentlich Sex mit dem falschen Mann. Als sie deswegen wütend wird, schlägt er sie. (Symbolbild)

Eine Frau hat versehentlich Sex mit dem falschen Mann. Als sie deswegen wütend wird, schlägt er sie. (Symbolbild)

Oliver Menge

Die Nacht lief nicht so ganz ab wie erwartet. Im Juni 2019 legte sich eine Frau nach dem Sex mit ihrem Partner in einer Basler Wohnung schlafen, um spätnachts plötzlich wieder aufzuwachen: Ihr Partner schien sie zu berühren, und sie forderte ihn auf, erneut Sex mit ihr zu haben. Doch kurz darauf realisierte sie, dass ihr Partner soeben erst nachträglich ins Zimmer getreten ist, und ihr tatsächlicher Sexpartner offenbar ein anderer Mann ist. Sie kannte ihn zwar vom Vorabend, wollte aber definitiv keinen Sex mit ihm haben.

Unbestritten war am Dienstag, 28. April 2020, vor dem Strafgericht, dass die Frau danach ausrastete und insbesondere den Dritten massiv beschimpfte. Danach gehen die Versionen aber auseinander. Der heute 32-jährige Partner der Frau beteuerte, er habe die alkoholisierte Frau nach dem Missverständnis bloss nach draussen begleiten wollen, dabei sei sie gestolpert und habe sich verletzt. Die Frau hingegen sagte aus, der 32-Jährige habe sie mehrmals ins Gesicht geschlagen, weil sie den Dritten im Bunde in ihrem Ärger massiv beleidigt hatte.

Vorwurf der Vergewaltigung und Schändnung

Am Abend waren die drei noch durch diverse Basler Bars gezogen, der Dritte ging danach nicht mit in die Wohnung. Der 32-Jährige sandte ihm später aber Nacktfotos der Frau auf das Mobiltelefon, zusammen mit der Bemerkung, er verpasse etwas. Der zweifelhafte Gast tauchte kurz danach auf, fragte nach Sex, und der 32-Jährige liess ihn schulterzuckend ins Schlafzimmer.

Beide Männer mussten sich damals den Vorwürfen der Vergewaltigung und Schändung stellen, der 32-Jährige sass für fünf Wochen in Untersuchungshaft. Die eindeutigen Beweise fehlten, die Verfahren wurden eingestellt. Der ungebetene Sexpartner hatte ausgesagt, er habe gedacht, sie hätte ihn an der Stimme erkannt. Der 32-Jährige wurde gestern aber wegen Körperverletzung verurteilt. Einzelrichterin Sarah Cruz wertete die Aussagen der Frau als glaubwürdig, auch die Verletzungsspuren im Gesicht sprächen für Schläge. Die Aussagen des 32-Jährigen hingegen seien völlig unglaubwürdig gewesen.

Keine Verletzung der Privatsphäre, dafür verbotene Pornografie

Die damals versandten Nacktfotos entstanden im Januar 2018 beim gemeinsamen Sex. Die Frau hatte gesagt, sie habe zwar mitbekommen, dass ihr Partner beim Sex damals telefoniert habe, nicht aber, dass er sie mit dem Telefon auch fotografiert habe. Hier hatte das Gericht einige Zweifel, zumal die Frau offenbar einmal direkt in die Kamera blickte. Beim Vorwurf der Verletzung der Privatsphäre gab es daher einen Freispruch.

Auf dem Mobiltelefon des Mannes fanden die Ermittler auch Nacktfotos von minderjährigen Mädchen, was ihm gestern zusätzlich einen Schuldspruch wegen verbotener Pornografie eintrug. Insgesamt verurteilte das Gericht ihn zu einer Freiheitsstrafe von acht Monaten bedingt, er muss der Frau eine Genugtuung von 2000 Franken bezahlen. Dazu kommen über 10000 Franken an Verfahrens- und Parteikosten. Den Schuldspruch kann er noch weiterziehen.