Elektronik und Biotechnologie erobern die Modewelt

Das Haus der elektronischen Künste Basel zeigt, wie die Zukunft der Mode- und Kleidungsindustrie aussehen könnte.

Mathias Balzer
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Die Italienerin Giulia Tomasello zeigt einen Damen-Slip, der sich dem Säuregehalt der Vagina der jeweiligen Trägerin anpasst. (Symbolbild)

Die Italienerin Giulia Tomasello zeigt einen Damen-Slip, der sich dem Säuregehalt der Vagina der jeweiligen Trägerin anpasst. (Symbolbild)

Keystone

Für einmal geht es im Haus der elektronischen Künste (HEK) Basel nicht um den Einfluss der Technologie auf die Kunst, sondern auf die Entwicklung unserer Kleider.

«Making Fashion Scene» präsentiert Entwürfe von zwanzig Modeschöpfern, Designerinnen und Künstlern. Sie werfen einen kritischen, zuweilen utopischen und verspielten Blick in die Modezukunft. Das handfest Praktische tritt in der Schau eher in den Hintergrund. Informationen und Zahlen zu den Verheerungen dieser Industrie sucht man vergebens. Dafür zeigen Direktorin Sabine Himmelsbach und die Modejournalistin Katharina Sand Entwürfe und Projekte, die Kleidung neu zu definieren versuchen.
Da gibt es beispielsweise das 3D-gedruckte, amphibische Kleidungsstück des japanischen Bio-Designers Jun Kamei. Entworfen hat er es für eine Welt, in welcher der Meeresspiegel soweit gestiegen ist, dass Menschen in Küstengebieten zu Land und im Wasser leben.

Die Italienerin Giulia Tomasello zeigt einen Damen-Slip, der sich dem Säuregehalt der
Vagina der jeweiligen Trägerin anpasst. Ermöglicht wird dies durch die Mikroverkapselung von Bakterien in einem Vliesstoff. Ein Beispiel, wie Biotechnologie im Design Einzug hält.

In die Abteilung futuristisches Kostüm gehört die Bluse der Französin Clara Daguin. Mittels Temperatursensoren reagiert das leuchtende Kleid auf den Körper der Trägerin.

Vom Sinn und Unsinn der Mode

Mit dem Mirror Dress von Iris van Herpen ist eine Ikone der Haute Cuture in der Schau vertreten. Der Japaner Yuima Nakazato spielt ebenfalls in dieser Liga. Seine modulare Kleidung aus Recycling-Stoffen ist ein sehr konkreter Entwurf, wie Fashion-Waste vermieden werden könnte. In diese Kategorie gehören auch durch Algorithmen erstellte Schnittmuster, die Abfall reduzieren. Oder der Bio-Plastik aus braunen Algen und die aus Wurzeln gewachsenen Stoffe der Designerin Freya Probst.

Es gehe um Mode, die Sinn mache, schreiben die Kuratorinnen. Diesen Anspruch erfüllt die Schau teilweise. Aber sie zeigt ebenso, dass Mode auch in Zukunft ein luftiges Spiel sein wird.

Making Fashion Sense

Bis 8. März

HEK, Münchenstein