Politikentzug

Elias Schäfer: «Grossräte haben oft zu wenig Mut»

Zwei Jahre nach seinem Rücktritt will es Elias Schäfer (FDP) wieder wissen. Die Gefahr, zum Berufspolitiker zu werden, sieht er mittlerweile gebannt.

Martina Rutschmann
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Elias Schäfer möchte seinen Arbeitsort auf dem Dreispitz gern ab und zu für Grossratssitzungen verlassen.Roland Schmid

Elias Schäfer möchte seinen Arbeitsort auf dem Dreispitz gern ab und zu für Grossratssitzungen verlassen.Roland Schmid

Roland Schmid

Bei ihm gehts gleich zur Sache. Keine Floskeln über Ferien, Wetter, Kind. Elias Schäfer ist heiss. Vor zwei Jahren trat er überraschend aus dem Grossen Rat zurück, jetzt will der FDP-Politiker ebenso überraschend wieder gewählt werden. Jedes Wort hat mit Politik zu tun. Mit liberaler Politik. Dazu gehört eine gesellschaftsliberale Haltung.

Und genau die will ihm die Wahlhilfe Smartvote nun absprechen. Weil Schäfer dagegen ist, Privatunternehmen zu verpflichten, Kinderbetreuungsplätze mitzufinanzieren. «Das ist Staatsaufgabe», sagt er – und meint es nicht so sozialdemokratisch, wie es klingt. «Gerade für die Wirtschaft macht es Sinn, wenn sich der Staat um Kinderbetreuung bemüht. Dann stehen Firmen Fachkräfte zur Verfügung.» Unternehmen würden sowieso besteuert, also könne der Staat dort Geld abzwacken, statt alles über andere Finanzströme zu finanzieren.

Bei Smartvote erhält er für diese Haltung ein Plus bei liberaler Wirtschaftspolitik und ein Minus bei der liberalen Gesellschaft. Das leuchtet ihm nicht ein. Wie Einiges in der Politik. Er sagt: «Politiker müssen unangenehm sein und sagen, was ihnen nicht passt – vor allem in den Kommissionen.» Nicht so, wie viele Kollegen im Rathaus. «Viele Grossräte haben gegenüber der Regierung und Verwaltung zu wenig Mut.»

Berufspolitiker-Gefahr gedämmt

Er hätte es besser machen können, brach die Übung aber bereits nach anderthalb Jahren ab. Ein Krankheitsfall in der Familie, die berufliche Orientierung und die Vereinnahmung durch die Politik haben ihn 2014 zum Rücktritt bewogen. «Ich war auf dem besten Weg, Berufspolitiker zu werden. Das wollte ich nicht», sagt Schäfer. Ein Mandat hier, eines da – und schwups, sei man drin in der Spur der Politkarriere und vertue andere berufliche Chancen.

Diese Gefahr besteht nicht mehr: Schäfer hat in den vergangenen zwei Jahren eine Firma mitaufgebaut, deren Zweck es ist, die Kollaboration zwischen Firmen anzustossen und zu vereinfachen. Dort ist er Geschäftsführer. Daneben betreut er seinen Sohn und engagiert sich im Komitee «Kulturstadt Jetzt!», dessen Kopf er inzwischen ist.

Kampf gegen eine tote Altstadt

Selber sagt er, dem sei nicht so, alle – unter anderem der Bruder und SP-Grossrat Tobit Schäfer – seien gleich wichtig. Fakt ist aber, dass Elias Schäfers Name immer zuerst genannt wird, wenn von «Kulturstadt Jetzt!» die Rede ist. So ist es auch er, der das drängendste Ziel formuliert: «Wir dürfen es nicht verpassen, die neuen autofreien Flächen mit Leben zu füllen. Sonst ist die Altstadt bald tot.»

Ein alter Hase im Politbetrieb sei er, sagt der 31-jährige Schäfer über sich. Vor seiner Zeit als Grossrat hat er jahrelang als politischer Berater des Gewerbeverbandes eng mit Parlamentariern zusammengearbeitet und Texte für sie verfasst. Nicht alle Ratskollegen verfügten über diese Erfahrung, was Schäfer bedauert. «Ein grosser Teil des Grossen Rats kennt die parlamentarischen Instrumentarien nicht richtig; nur etwa ein Drittel weiss wirklich, wie es läuft.»

Ihm ist klar, dass diese Einschätzung nicht nur gut ankommt. Aber er stellt sich auf den Standpunkt: «Kritik ist wertvoll, sie fordert einen auf, es besser zu machen. Es braucht nicht noch mehr Leute, die nicken.» Als Nicht-Berufspolitiker könne er es sich erlauben, «im Sinne der Sache» unangenehm zu sein. Und das sei es, was er vorhabe.