MCH Group

Geht die Baselworld als Watch Week nach Lausanne? Messedirektor dementiert: «Das ist reine Spekulation»

Die Baselworld in Lausanne unter neuem Namen? Das berichtete am Dienstag die Handelszeitung. Nun dementiert der Managing Director Michel Loris-Melikoff entsprechende Gerüchte: «Es ist heute definitiv zu früh, über so etwas zu spekulieren.»

Andreas Schwald
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Die Baselworld gibt es nicht mehr, Managing Director Michel Loris-Melikoff arbeitet zurzeit an neuen Konzepten für eine Uhren- und Schmuckmesse.

Die Baselworld gibt es nicht mehr, Managing Director Michel Loris-Melikoff arbeitet zurzeit an neuen Konzepten für eine Uhren- und Schmuckmesse.

Keystone

Der Niedergang der einst glorreichen Baselworld wurde im Frühjahr 2020 besiegelt. Zum einen fiel die Uhren- und Schmuckmesse wegen der Coronakrise aus, zum andern aber gaben mitten im Streit um Rückzahlungen weitere grosse Marken ihren Abschied vom wichtigsten Branchenanlass bis dato bekannt. Rolex, Chanel, Patek Philippe und weitere grosse Namen organisieren nun auf eigene Faust eine Uhrenmesse, statt in Basel nun in Genf.

Die MCH Group ist damit unter Zugzwang. Am Dienstag berichteten Schweizer Medien, dass das Unternehmen eine neue Marke habe eintragen lassen. «Swiss Watch Week» soll das neue Kind heissen, wie die «Handelszeitung» am Dienstag unter Berufung auf den Uhrenblog «WatchPro» berichtete. Dazu habe die MCH Group auf Anfang April 2021 gleich mehrere Termine im Kongresszentrum in Lausanne gebucht, wie es weiter heisst.

Das sei reine Spekulation, sagt der Messdirektor

Ein Wechsel nicht nur des Namens, sondern auch des Standorts wäre am Rheinknie ein Fanal. Messedirektor Michel Loris-Melikoff dementiert daher gegenüber der bz in aller Deutlichkeit: «Das einzig Wahre an der Geschichte ist, dass wir den Namen schon vor Corona gesichert haben.» Der Rest der Geschichte sei reine Spekulation.

Loris-Melikoff hält fest, dass zuerst ein Konzept benötigt werde und erst dann die Standortfrage diskutiert würde: «Es ist heute definitiv zu früh, darüber zu spekulieren.» Was den Namen betreffe, so sei es üblich, Begriffe zu registrieren. Der Prozess der Namensregistrierung habe schon lange vor der aktuellen Krise begonnen.

Klar ist: Die MCH Group hält sich alle Optionen offen

Die MCH Group überdenkt seit einiger Zeit das Baselworld-Konzept. Der kürzlich erfolgte Abgang weiterer grosser Marken beschleunigte den Prozess nur. Zurzeit befinde man sich nach wie vor in der Beratungsphase, heisst es seitens Medienstelle der Baselworld. Man arbeite derzeit in Absprache mit den Ausstellern daran, ihre Bedürfnisse zu ermitteln.

Dennoch, in Stein gemeisselt oder anders gesagt: in Hallenform verbaut ist der Standort in Basel nicht mehr. «Lausanne, Basel, Genf, Zürich, Luzern, Bern, alle sind mögliche Standorte mit gewissen Vor- und Nachteilen. Aber es ist heute einfach noch viel zu früh, um über irgendwelche Pläne zu sprechen.» Sollte schliesslich ein neues Konzept entwickelt werden, würde die Standortwahl später erfolgen.

Das wiederum heisst nicht, dass die Nachfolgerin der Baselworld effektiv abwandern muss. Die MCH Group hält sich zurzeit einfach alle Optionen offen. Denn der Konzern steht ohnehin vor einschneidenden Änderungen: Auf strategischer Ebene wird zurzeit die Neuausrichtung des gesamten Unternehmens geprüft, die historische Mehrheit der beteiligten Kantone im Verwaltungsrat wird in Frage gestellt. Und auf operativer Ebene sieht man sich nun nicht mehr nur mit der Digitalisierung, sondern auch mit den Folgen der Coronakrise konfrontiert, dazu mit einer möglichen Absage der Art Basel 2020, aber auch mit der Frage, wie es angesichts der Auslastung mit der Hallenfrage in Basel-Stadt weitergeht.

Ein Neustart in mehreren Varianten

Die Bedingungen waren damit für Loris-Melikoff bereits erschwert, als er 2018 das Direktorat der Baselworld von Vorgängerin Sylvie Ritter übernommen hatte. Die MCH Group musste Verluste hinnehmen, Swatch-Chef Nick Hayek gab als grösster Aussteller seinen Rückzug von der Baselworld bekannt.Loris-Melikoff handelte schnell, setzte per 2019 bereits mehrere Änderungen um und führte die Messe zunehmend in Richtung Digitalisierung – ganz im Sinne der Strategie der MCH Group. Er reiste um die Welt, um das Gespräch mit Exponenten der Uhren- und Schmuckindustrie zu suchen, etwas, das seine Vorgänger zusehends vernachlässigt hatten. Für 2020 stellte er bereits weitere, umfassende Neuerungen in Aussicht. Der Umbau des Konzepts sollte zudem 2021 weitergehen.

Nun wird aus diesen Entwürfen eine ganz neue Messe entstehen müssen. Dies im Gegensatz zum Austragungsort Genf, wo sich jetzt die Grossen der Schweizer Uhrenindustrie dafür entschieden haben, das konventionelle Konzept aus den Glanzzeiten der mittlerweile als zu überschwänglich ausgestalteten, alten Baselworld noch einmal auszuprobieren. Hinzu kommt, dass insbesondere aus Übersee zunehmend Unmut über die Termine bekundet wurde. Die Baselworld und die Genfer Uhrenmesse «Watches & Wonders Geneva», ehemals SIHH, fanden jeweils an zwei unterschiedlichen Daten statt.