Freiheitsstrafe
Geldprobleme mit der Kunstmesse: 42-jähriger Basler raubte zwei Banken in Binningen und Riehen aus

Mit dem ersten Banküberfall wäre der Basler Räuber vielleicht davongekommen. Doch die Überführung beim zweiten bewaffneten Versuch führte die Behörden auf die richtige Spur.

Patrick Rudin
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Der Beschuldigte soll erst eine Bank in Binningen, dann eine in Riehen ausgeraubt haben (Symbolbild).

Der Beschuldigte soll erst eine Bank in Binningen, dann eine in Riehen ausgeraubt haben (Symbolbild).

Bild: Kenneth Nars/BLZ

«Zwei Banküberfälle innerhalb von acht Wochen, das ist schon starker Tobak», fand Staatsanwalt Matthias Walter am Freitagmorgen im Strafgerichtszentrum in Muttenz. «Es tut mir sehr leid», sagte der 42-jährige Beschuldigte reumütig. «Mein Mandant ist kein eiskalter Krimineller, sondern jemand, der aufgrund seiner Notsituation keinen anderen Ausweg sah und deshalb zum ersten Mal in seinem Leben straffällig geworden ist», betonte Verteidigerin Sandra Schmitt.

Der heute 42-Jährige wollte im Juni 2018 an der Basler Kunstmesse Scope Geld verdienen und hatte einen Stand gemietet. Allerdings war er lange arbeitslos und hoch verschuldet. An jenem Freitagmorgen setzte ihm der Messeveranstalter eine letzte Frist: Wenn er die restliche Standgebühr von 12'000 Franken nicht am Nachmittag in bar begleiche, sei die Messe für ihn zu Ende.

Zweiter Überfall führt Behörden auf die richtige Spur

Die vermeintliche Lösung: Kurz nach 14 Uhr spazierte der Mann mit Baseballkappe, Sonnenbrille und Spielzeugpistole in die Raiffeisenbank in Binningen. Eine Mitarbeiterin bat ihn, die Sonnenbrille abzunehmen. «Geht nicht. Isch Überfall!», antwortete er, zeigte seine Pistole und legte einen zusammengefalteten Plastiksack auf die Theke. Zwei Minuten später verliess der Mann die Bank mitsamt Beute. Es reichte knapp, um die Standgebühr zu bezahlen. Allerdings reichte es offenbar auch noch für Casinobesuche in Baden.

Der Überfall wäre wohl nie aufgeklärt worden, hätte der Mann nicht wenige Wochen später im August 2018 erneut eine Bank überfallen: Diesmal drohte ihm wegen Geldmangels die Ausweisung aus der Basler Wohnung, als Geldquelle wählte er die Kantonalbank im Rauracherzentrum in Riehen. «Geld, schnell!», sagte er zu einer Angestellten. Diese erklärte ihm, sie müsse die Notenbündel aus dem Tresor im Keller holen.

Es dauerte etwas länger und irgendwann wurde dem Mann wohl bewusst, dass es diesmal nicht so reibungslos klappen würde. Er flüchtete durch den Personaleingang. Nach knapp hundert Metern wurde er allerdings bereits von der Polizei verhaftet. Wegen fehlender Vorstrafen und seinem festen Wohnsitz kam er nach zwei Tagen wieder auf freien Fuss, erst zwei Wochen später dämmerte den Strafverfolgungsbehörden, dass der Mann auch für den Überfall in Binningen in Frage kommen könnte.

Bankangestellte benötigte psychologische Betreuung

Er sass schliesslich zwei Monate in Untersuchungshaft. Zuerst berief er sich auf alkoholbedingte Erinnerungslücken, gab dann aber auch diesen Überfall zu. Die Spielzeugpistole habe er vor vielen Jahren für die Fasnacht gekauft. «Ich habe in keinster Weise jemanden bedrohen wollen», beteuerte er. Staatsanwalt Matthias Walter wies indes darauf hin, dass eine der Angestellten Todesängste ausgestanden hatte und danach auch psychologische Betreuung benötigte. Gerichtspräsident Daniel Schmid betonte, die verwendete Plastikwaffe sei nicht auf den ersten Blick als unecht zu erkennen.

Da der Mann bislang nicht vorbestraft war, inzwischen auch wieder eine Festanstellung hat und seine Schulden abbezahlen will, drückten die drei Richter das Strafmass auf 36 Monate. Damit ist gerade noch eine teilbedingte Freiheitsstrafe möglich. Neun Monate davon muss der Mann absitzen, der Rest wird auf Bewährung verhängt. Allerdings sind bereits zwei Monate durch die Untersuchungshaft getilgt, die restlichen sieben Monate dürfte der Mann wohl in Halbgefangenschaft absitzen und damit seinen Job behalten. Das Urteil kann er noch weiterziehen, seine Verteidigerin hatte zwölf Monate bedingt verlangt.

Das Strafmass beinhaltet auch einen Schuldspruch wegen Veruntreuung. Der Mann hatte sich von einem Bekannten 30'000 Franken für die Kunstmesse geliehen und satte Rendite versprochen. Den Betrag möchte er zurückzahlen.