Baustellen

Gipfeli und Kritik für Wessels zum Start der Aktion «Gryffe offe»

Die Aktion «Gryffe offe» will trotz Baulärm und blockierter Brücke Kunden an die Greifengasse locken. Immer Samstags kann man mit einem traditionellen Basler Langschiff zwischen den Ufern hin und her fahren.

Delphine Conzelmann
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«Zem alte Schluuch»-Wirtin Aisha Schreiner-Chebbi übernahm an der «Gryffe offe»-Medienkonferenz das Catering. Kenneth Nars

«Zem alte Schluuch»-Wirtin Aisha Schreiner-Chebbi übernahm an der «Gryffe offe»-Medienkonferenz das Catering. Kenneth Nars

Kenneth Nars

Baulärm, keine Tramfahrten und blockierte Schaufenster: Für das Gewerbe an der Greifengasse gleicht die bevorstehende Baustelle auf der Mittleren Brücke einem Albtraum. Dieser soll geplant vom 19. Juni bis zum 13. August anhalten. Im Gegenzug verspricht das Bauprojekt verbreiterte Trottoirs und einen bequemeren Trameinstieg. Bis es soweit ist, will das Tiefbauamt Basel-Stadt in Zusammenarbeit mit der IG Kleinbasel den Schaden für die Kunden und Besitzer der Kleinbasler Geschäfte möglichst begrenzen.

Mit der Aktion «Gryffe offe» erhoffen sie sich, dass die Einkaufszone auch in den betroffenen Monaten weiter genutzt wird. Statt Normalität zu wahren, setzt das Projekt allerdings ganz auf den Reiz des Ausnahmezustands. Mathias Böhm, Geschäftsführer von Pro Innerstadt Basel, sieht darin gar eine Chance: «Neben einer perfekten Infrastruktur sind für eine moderne Stadt Erlebnismöglichkeiten besonders wichtig», sagt er.

Mit dem Langschiff shoppen gehen

Genau zu so einem Erlebnis soll das Shoppen in der Greifengasse in den kommenden Monaten werden: zumindest samstags. Dann, jeweils von zehn Uhr morgens bis fünf Uhr abends, fahren vom 22. Juni bis zum 9. August traditionelle Basler Langschiffe zwischen den Ufern hin und her. 12 Passagiere können die motorisierten Weidlinge bei einer 5-minütigen Fahrt über den Rhein schippern. Damit bietet der Fährdienst zwar keinen Tramersatz, soll aber mit einem gewissen «Abenteuer-Faktor» auch Kunden ins Kleinbasel locken, die auf den Fussweg entlang der Brücken-Baustelle verzichten wollen. «Gryffe offe» wird dabei von fünf Wasserfahrvereinen in Freiwilligenarbeit unterstützt.

Regierungsrat Hans-Peter Wessels lobt die Eigeninitiative der Bürger: «Solche Grossbaustellen sind immer eine grosse Belastung. In diesem Fall hatten wir engagierte Kleinbasler gegenüber». Dieses Lob wird von André Auderset, Präsident der IG Kleinbasel, sogleich erwidert: «Die Zusammenarbeit mit dem Tiefbauamt erfolgte dieses Mal vorbildlich», sagt der LDP-Grossrat. Seitens der Stadt hätte man versucht, möglichst früh alle Betroffenen zu informieren «So wissen Ladenbesitzer, wann ihre Kleiderständer vor Baustaub sicher sind, und Anwohner können sich vielleicht einen Sommeraufenthalt ausserhalb der Lärmzone einrichten».

Gewerbe weniger optimistisch

Mit solch gegenseitiger Rücksichtnahme sei dann auch Schichtarbeit möglich, die die Bauzeit insgesamt verkürzt. Für einige Betroffene sind die Einschränkungen dennoch massiv. Aisha Schreiner-Chebbi, Wirtin des Restaurants «Zem alte Schluuch», ist besorgt: «Bereits jetzt kosten uns die Baustellen zwei Drittel unserer Einnahmen».

An der gestrigen Medienkonferenz der Baustelle, an der die Wirtin das Catering übernehmen konnte, wollte sich «Gryffe offe» ihren Goodwill sichern. Dass man sich seitens der Stadt um sie bemüht, schätzt Schreiner-Chebbi. Doch an mehr Kundschaft dank der geplanten Aktionen glaubt sie eher nicht: «Ich wünsche mir mehr und andere Unterstützung, beispielsweise wenn es um die Nutzung alternativer Räumlichkeiten geht».

Seitens der IG Kleinbasel ist man deutlich optimistischer: «Ideal ist so eine Situation nie, aber die aktuellen Bemühungen um die Greifengasse sind ein gutes Beispiel, auch für künftige Bauprojekte», sagt Auderset. Ob «Gryffe offe» tatsächlich zum geplanten Erfolg wird, wird der Sommer zeigen. Voraussicht lohnt sich aberganz sicher, denn: Die nächste Baustelle kommt bestimmt.