Tributshow

Glen D. Hardin spielte in der Band des King of Rock: «Elvis war ein zugänglicher Typ»

Glen D. Hardin spielte in den 70er-Jahren in der Band des King of Rock’n’Roll. Nun kommt der Pianist für eine Tributshow nach Basel.

Marko Lehtinen
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«Die meisten Songs habe ich tausende Male gespielt»: Glen D. Hardin. (zvg / Getty Images)

«Die meisten Songs habe ich tausende Male gespielt»: Glen D. Hardin. (zvg / Getty Images)

Taylor Hill

Glen D. Hardin sass zwischen 1970 und 1976 für Elvis am Klavier. Er spielte unzählige Male an der Seite des Kings in Las Vegas, ging mit Elvis auf Tournee und ins Studio. Er stand bei «Aloha From Hawaii» ebenso auf der Bühne wie bei Elvis’ berühmten Auftritten im Madison Square Garden. Der 80-jährige Texaner ist derzeit in der Elvis-Tributshow «The Original Musicians» zu sehen.

Sie lernten Elvis im Februar 1970 kennen. Erinnern Sie sich noch an die erste Begegnung?

Glen D. Hardin: Ja, es war in Los Angeles. Elvis hatte den Gitarristen James Burton gebeten, eine Band für ihn zusammenzustellen, und James kam auf mich zu. Als ich zum Vorspielen eingeladen wurde, sagte Elvis nach fünf Minuten: «Ich mag, wie du spielst. Lass uns ins Geschäft kommen.» Das wars dann schon. Die ersten Konzerte gaben wir kurz darauf in Las Vegas.

Wie nah kamen Sie als Bandmitglied an Elvis heran?

In Las Vegas stieg nach jedem Konzert in Elvis’ Suite eine grosse Party. Da war neben seiner Entourage, der Familie und prominenten Gästen wie Muhammad Ali oder Tom Jones immer auch die Band eingeladen. Wir unterhielten uns dann viel mit Elvis. Aber auch auf Tournee verbrachten wir sehr viel Zeit miteinander. Elvis war ein zugänglicher, unkomplizierter Typ und erzählte viel aus seinem Leben.

Elvis – The Original Musicians

mit Dennis Jale, Glen D. Hardin, The Imperials, Holladay Sisters, Donna Presley und Paul Leim

Samstag, 8. Februar, 20.15 Uhr

Altes Kraftwerk Basel

War er auch als Musiker unkompliziert?

Auf jeden Fall. Die Stimmung im Studio war immer sehr locker und wir fühlten uns nie unter Druck. Elvis wollte, dass wir spielen, was wir wollen. Da war ein Song und wir legten einfach los. Wenn ihm etwas nicht gefiel, brachte er es sehr schnell und präzis auf den Punkt. Sobald ein Song im Kasten war, war die Sache für ihn gegessen. Elvis interessierte sich nicht gross für die Produktion und die Overdubs. Das überliess er seinem Produzenten Felton Jarvis. Ihm ging es um den Song an sich. Ein Perfektionist konnte er aber dennoch sein. Bis ihn eine Aufnahme überzeugte, mussten wir ein Lied manchmal unzählige Male spielen – bis in die Morgenstunden.

Wie konnten Sie sich auf die Aufnahmen vorbereiten, wenn alles derart spontan ablief?

Gar nicht. Wir gingen ins Studio und schauten, was passiert und was Elvis will. Ähnlich war es an den Konzerten. Wir probten zwar alle Sets, aber Elvis überraschte uns immer wieder mit Liedern, die wir gar nicht richtig kannten. Da standen wir also vor 10000 Leuten und wussten nicht, wie ein Song funktioniert. Aber irgendwie ging es immer gut aus.

Mit den Jahren begann sich Elvis in seinem Trott zu langweilen. Erwähnte er seiner Band gegenüber je, dass er das Touren und die immer gleichen Hits aus den frühen Tagen satt hatte?

Mir gegenüber sagte er nie etwas. Er versuchte immer, eine gute Stimmung zu vermitteln.

Elvis wurde auf der Bühne immer fahriger. Oft eilte er lustlos durch uninspirierte Medleys. Wie war es für Sie als Mitmusiker, unzählige Male schludrige 50-Sekunden-Versionen von «Teddy Bear» zu spielen?

Wir hatten eine klare Haltung: Was immer Elvis singen wollte und wie immer er es singen wollte – für uns war es okay. Das war unser Job.

Können Sie die Hits wie «Hound Dog» oder «Don’t Be Cruel» heute noch auswendig oder müssen Sie in die Platten reinhören, bevor Sie mit einer Tributband auftreten?

Die meisten Songs habe ich im Kopf. Ich habe sie ja tausende Male gespielt, auch wenn das schon Jahre her ist. Gewisse weniger bekannte Nummern muss ich aber üben – zum Beispiel «Fairytale», ein Countrysong aus unserem aktuellen Programm, ursprünglich vom Album «Today» aus dem Jahr 1975. Diesen Song spielten wir mit Elvis fast nie, wenn ich mich richtig entsinne.

Elvis galt als ein überaus grosszügiger Mensch. Bezahlte er seine Musiker gut?

Er bezahlte uns sehr gut und wir bekamen grosszügige Boni. Ausserdem machte er uns immer wieder Geschenke, zum Beispiel teuren Schmuck. Elvis war extrem spendabel.