Regierungsrat Basel-Stadt

Heidi Mück über ihre Kandidatur: «Ich komme alleine, und ich kann das»

Basta-Kandidatin Heidi Mück spricht im Interview über Jobsharing, ihr Lieblingsdepartement und ihren einstigen Boykottaufruf gegen Israel.

Leif Simonsen
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Vertritt eine prononciert linke Politik: Heidi Mück.

Vertritt eine prononciert linke Politik: Heidi Mück.

Georgios Kefalas

Nach dem Rückzug von Elisabeth Ackermann haben Sie angekündigt, als Vertreterin der Grünen und Basta als Kandidatin einzuspringen. Seit wann geistert die Idee einer Regierungskandidatur in ihrem Kopf herum?

Heidi Mück: Wir haben als Partei unsere Hausaufgaben gemacht. Die Basta hat schon im Vorfeld der Wahlen verschiedene Szenarien durchgespielt, darunter auch dieses Worst-Case-Szenario, das am Sonntag eingetroffen ist. Die Idee schwirrt also schon länger rum.

Haben die Bündnispartner, die Grünen, die Hausaufgaben nicht gemacht?

Das habe ich damit nicht gesagt. Wir haben uns ausgetauscht. Aber ein so schlechtes Resultat war natürlich unvorstellbar. Am Montagabend haben wir an der Parteiversammlung beschlossen, dass ich kandidieren würde, wenn Elisabeth Ackermann nicht wieder antreten würde.

Wofür werden Sie als Regierungsrätin einstehen, sollten Sie die Wahl schaffen?

Man kennt mich als prononciert linke Politikerin; ich bin eine Sozialpolitikerin und setze mich dafür ein, dass sich auch die schwächsten Menschen in Basel wohlfühlen. Mir ist sehr wichtig, dass es in Basel nicht nur Akademikerstellen gibt, sondern dass Menschen mit jeglichem Bildungshintergrund eine Stelle finden.

Und wie wollen Sie das schaffen?

Ich bin ja dann Regierungsrätin – wir haben dann die rotgrüne Regierungsmehrheit. Was wir ja teilen, sind die Grundwerte. Da spüre ich einen starken Rückhalt im Team und von den anderen Parteien.

Beat Jans, der neu als Kandidat fürs Regierungspräsidium antritt, hat die Idee präsentiert, das Präsidialamt mit dem Amt für Umwelt und Energie zu ergänzen. Wenn Sie das Wirtschafts-, Sozial- und Umweltdepartement bekämen, wäre das eine Schwächung Ihres Departements. Was halten Sie davon?

Die SP hat mich gefragt, was ich zu diesem Vorschlag meine. Ich finde es supergut, wenn der Umwelt- und Klimaschutz zur Präsidialsache wird. Es ist keine Lösung für Beat Jans, sondern eine, die dem Klimaschutz geschuldet ist.

Warum kandidieren Sie nicht als Regierungspräsidentin?

Beat Jans ist ideal dafür. Mir wird immer gesagt, diese Linke dürfe die Stadt nicht repräsentieren. Das kann ich bis zu einem gewissen Grad nachvollziehen. Ich weiss aber auch, dass ich sehr dossiersicher, fleissig und ausdauernd bin. Warum soll ich nicht ein Fachdepartement übernehmen? Da fällt mir kein Zacken aus der Krone.

Welches Departement wollen Sie?

Ich könnte mir das Wirtschafts- Sozial- und Umweltdepartement gut vorstellen. Die Umwelt würde dann wegfallen, aber unter Wirtschaft und Soziales fällt vieles, was mir nahe steht. Da sind die Arbeitslosen, die Sozialhilfebezüger und die Asylbewerber.

Vor einem halben Jahr haben Sie gemeinsam mit Basta noch gefordert, sich im Jobsharing auf das Regierungsamt bewerben zu dürfen. Warum sind Sie zum Schluss gekommen, das jetzt alleine zu schaffen?

Der Idee, Macht und Verantwortung zu teilen, stehe ich immer noch positiv gegenüber. In der jetzigen Situation ist aber kein Platz für ein solches Konstrukt. Deshalb habe ich entschieden, ich komme alleine. Und ich kann das. Interessant war auch die Reaktion meiner Familie. Sie hat nach der gescheiterten Wahl vor vier Jahren immer wieder betont, dass sie es auch schätzten, dass wir mehr Zeit zusammen haben. Nun aber hat sie gesagt: «Go for it.»

Ihre Haltung ist teilweise äusserst extrem. Sie haben vor 14 Jahren einen Boykottaufruf israelischer Produkte unterschrieben – ihr Foto war bis gestern auf der Homepage der BDS, die für Boykott, Desinvestitionen und Sanktionen gegen Israel steht. Wie ist diese Haltung mit dem Regierungsamt vereinbar?

Ich habe diesen Aufruf vor 14 Jahren unterschrieben. Damals hatte ich meine Gründe: aus Solidarität mit den Palästinensern. Ich stehe dazu, das gemacht zu haben, habe heute aber eine differenziertere Haltung dazu. Im Wahlkampf 2016 habe ich mich aber bereits distanziert und klargestellt, dass ich nicht Mitglied von BDS bin. Dann war vier Jahre Ruhe, bevor das Thema plötzlich wieder aufgekommen ist. Jetzt habe ich aber interveniert und mich öffentlich von BDS distanziert.