Heimwehbasler

«Jede Ecke erzählt eine Geschichte»: Fussballer Pascal Schürpf liebt Luzern, doch Basel sei etwas Besonderes

Die bz besucht in diesem Sommer mehrere ausgewanderte Basler Persönlichkeiten in der neuen Heimat. Der vierte Ausflug zu den Heimwehbaslern führt uns zu Fussballer Pascal Schürpf nach Luzern.

Julian Förnbacher
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Pascal Schürpf vor dem «Grottino 1313», seinem Lieblingsrestaurant in Luzern.

Pascal Schürpf vor dem «Grottino 1313», seinem Lieblingsrestaurant in Luzern.

Nadia Schärli

Eigentlich wollte Pascal Schürpf gar nie zum FC Basel. Zumindest als Junior nicht. Damals spielt er seit seinem fünften Lebensjahr für den Stadtrivalen Old Boys. Die Mutter bringt ihn jeweils mit dem Velo zum Training auf der Schützenmatte. «Wir haben eigentlich immer gewonnen gegen die FCB-Junioren. Darum fragte ich mich dann schon, wieso ich dorthin gehen soll», erinnert sich der heute 31-jährige Flügelspieler an die ersten rotblauen Avancen.

Als man ihn bei OB eines Tages zum Torwart umfunktionieren will, wechselt Schürpf letztlich doch. Es ist der Beginn einer besonderen Geschichte. Eine, die Schürpf quer durch die Fussball-Schweiz führen soll.

Schürpf, aufgewachsen erst im Gundeli und später im Neubad-Quartier, erhält 2008 seinen ersten Profivertrag beim FCB und schnuppert durch eine Leihe zu Concordia Basel erstmals Challenge-League-Luft. Der Durchbruch bei seinem Herzensverein scheint zum Greifen nah. Doch er gelingt nicht. Der FCB verleiht Schürpf erneut – diesmal nach Lugano. Schürpf verlässt mit 21 Jahren erstmals das Elternhaus, erstmals die Basler Heimat. «Besonders für meine Mutter war das nicht einfach, weil ich vor meinem älteren Bruder ausgezogen bin», erzählt er.

Keinerlei Groll gegen den FC Basel

Es folgen weitere Leihgeschäfte – Schürpf zieht es erst nach Aarau, dann zu Bellinzona. Diese dauern jedoch nur wenige Monate, ankommen am neuen Wohnort kann Schürpf kaum einmal. Dazwischen kehrt er immer wieder kurz zum FCB zurück. «Rückblickend gesehen hat mir diese Ungewissheit nicht gut getan. Ich hätte es lieber gehabt, wenn mir ein Trainer klar gesagt hätte, dass er mich nicht braucht und mir so eine längere Leihe ermöglicht, um Spielpraxis zu sammeln. Das hat aber nur Murat Yakin getan – wofür ich ihm bis heute dankbar bin», sagt Schürpf.

Trotzdem möchte er seinen Weg nicht missen: «Die Leihen haben mich menschlich sehr geprägt. Man kommt in ein neues Umfeld und kann gerade im persönlichen Bereich Erfahrungen sammeln, die einen weiterbringen.»

Ich hege keinen Groll gegen den FCB.

(Quelle: Pascal Schürpf, Flügelspieler FC Luzern)

Nachdem Schürpf Basel im Sommer 2013 gen Liechtenstein verlässt, nimmt seine Karriere so richtig Fahrt auf. Mit dem FC Vaduz schafft er den Aufstieg in die Super League, wird zweitbester Torschütze des Teams. Mit den Liechtensteinern trifft Schürpf erstmals als Gegner auf den FCB. «Die ersten Spiele waren schon speziell, besonders, weil meine ganze Familie FCB-begeistert ist. Mein Bruder stand sogar in der Muttenzerkurve, als ich im Vaduz-Trikot den Rasen betrat», sagt Schürpf. Mittlerweile jedoch seien Spiele in Basel Business as usual.

Er stellt klar: «Ich werde enorm oft gefragt, ob ich gegen Basel extra motiviert spiele, um es ihnen zu zeigen. Das stört mich. Ich hege keinen Groll gegen den FCB, nicht einmal im Ansatz. Ich verdanke dem Verein enorm viel – und letztlich habe ich meine Chance erhalten und konnte sie einfach nicht nutzen. So ist das eben.»

Der Dialekt ging über die Jahre nicht verloren

Schürpf wirkt zufrieden, wenn er über seinen Lebensweg spricht. Angesprochen auf allfällige Versäumnisse in der Karriere muss er lange überlegen, bis er sagt: «Eigentlich bereue ich nur etwas. Marco Streller sagte mir ‹mach das nicht›, als ich 2012 mit einer Leihe zum FC Aarau liebäugelte. Bis heute weiss ich nicht, wieso er das sagte. Ich hörte nicht auf ihn – und tatsächlich war meine Zeit in Aarau die einzige, in der es nicht gepasst hat.»

Mitverantwortlich für Schürpfs Zufriedenheit ist auch sein neues Zuhause, das er in der Zentralschweiz gefunden hat. Im Frühling 2017 wechselt er zum FC Luzern, wird dort schnell Schlüsselspieler und Publikumsliebling – und das als Basler. «Ich muss mir in der Garderobe immer wieder Sprüche anhören wegen meines Dialekts. Aber ganz ehrlich: Ich freue mich über solche Sprüche, denn sie bedeuten, dass ich meinen Dialekt noch immer nicht verloren habe», sagt Schürpf und lacht.

Spricht er über seine neue Heimat, so schwärmt er von den Seen in Luzern und an seinem Wohnort Zug. Die Natur, das Stadtleben und die Gastronomie Luzerns faszinieren Schürpf. Doch auch menschlich passt er perfekt in die Region. Das Luzerner Publikum hat ihm zuliebe sogar einen eigenen Fansong verfasst. «Ich liebe es in Luzern. Hier muss man mit vollem Einsatz für das kämpfen was man will, das ist fest im Wesen der Menschen verankert. Vielleicht haben mich die Fans so gut akzeptiert, weil ich immer 120 Prozent gebe, auch wenn ich technisch nicht immer die feinste Klinge fahre.»

Zwei Mal Fasnacht im Jahr

Ob sich Luzerner und Basler Werte unterscheiden, kann der 31-Jährige nicht beurteilen. Ohnehin fällt es ihm schwer, seine neue und seine alte Heimat zu vergleichen: «Wenn man jünger ist, interpretiert man das Leben anders – man achtet sich vielleicht weniger auf die Werte in einer Gesellschaft. Heute sehe ich solche Dinge anders als damals, als ich in Basel lebte.» Auch die Fasnacht möchte er nicht vergleichen – deshalb besucht er, wenn möglich, ohnehin beide.

Mit der Basler Fasnacht verbindet Schürpf einiges. So machte er in jungen Jahren selbst aktiv mit, seine Familie tut es noch heute. «Ich kann an der Fasnacht meine Batterien aufladen wie nirgends sonst. Der Morgestraich ist für mich jedes Mal pures Hühnerhautfeeling», schwärmt er.

Überdies liebt Schürpf die Schnitzelbängg, denen er «stundenlang zuhören könnte». In eine derer Pointen hat er es, seines Wissens nach, noch nie geschafft. «Ich würde es aber enorm feiern, wenn es einmal passiert – auch wenn es mit einem kritischen Augenzwinkern ist.»

Der Weg soll zurück nach Basel führen

Man merkt, dass mehr als nur der Dialekt Pascal Schürpf noch mit seiner Heimatstadt verbindet. Entsprechend macht er kein Geheimnis daraus, dass er – nach der Karriere – zurück nach Basel will.

Gemeinsam mit seiner Verlobten, SRF-Moderatorin Jennifer Bosshard, die ebenfalls aus Basel stammt, möchte er wieder näher zu Familie, Freunden und der Stadt, mit der ihn so viel verbindet. Oder wie er es sagt: «In Basel erzählt mir jede Ecke eine Geschichte. Überall kommen Erinnerungen an meine Jugend hoch – diese Verbindung ist etwas Besonderes.»

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