Modeschau
Kampf gegen die dumme Uniformität

Die Uniformität ist Thema der diesjährigen Modeschau der Hochschule für Gestaltung und Kunst. 18 Absolventen des Instituts Mode-Design präsentierten dazu ihre Kollektionen.

Andrea Mašek
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Bei Karin Wüthrich dominieren Schwarz und Weiss. zvg

Bei Karin Wüthrich dominieren Schwarz und Weiss. zvg

Es ist dunkel in der Reithalle der Kaserne. Alles ist in Schwarz gehalten, bis hin zum glänzenden Laufsteg. Dunkel sind auch die meisten der Gäste gekleidet – mit einigen Ausnahmen: ein farbiger Hippie-Look, ein Paar helle extravagante Gamaschen, zwei knallbunte Skijacken und ein paar trendige blumige Oberteile.

Schwelgen in der Vergangenheit

Mit Streetwear aber haben die am Samstag in zwei Modeschauen präsentierten Kollektionen der 18 Absolvierenden des Instituts Mode-Design der Hochschule für Gestaltung und Kunst nichts am Hut. Sie kämpfen gegen die dumme Uniformität an, wie zu Beginn der Show an die Wand projiziert wird. Und doch scheint der Jahrgang 2011 von einer Uniformität geprägt: Schwarz und Grautöne dominieren und es wird sehr viel eingemummelt respektive vermummt, bis über Mund und Nase – insbesondere von Karin Wüthrich, Matthias Waldhart, Miranda Kaloudis oder Sandro Marzo.

Manch eine Kreation erinnert gar an eine Uniform. Gewollt ist das von Senta Amacker. Inspiriert von einer Flugpionierin aus den 1920er-Jahren hat sie eine Pilotinnenkollektion entworfen, die auf Overalls basiert, jedoch neue eckige Formen sucht und raffiniert auf Accessoires wie Gurten und Taschen setzt. In der Vergangenheit schwelgt auch Noëmi Ceresola. Sie beschwört die Hippie-Zeit herauf mit ihren federschweren Schuhen, mit viel Transparenz und nackter Haut. Sie provoziert zudem mit Pelz im Haar und auf dem Haupt. Ein Revival der Korsage-Stäbchen zeigt Irina Heemann, originell in Strick. Auch ihre Kreationen sind transparent, aber auf dezente und feminine Art.

Eine männliche Note bringt Stefanie Salzmann in ihre Kollektion, die von Sherlock Holmes beeinflusst ist. Lodenmantel an, Hut auf. Während der Detektiv jedoch Fälle löst, verknüpft sie verschiedene Design-Fälle, was einen spannenden Modemix ergibt. Mit unterschiedlichsten Materialien trumpft Ursina Bleuler auf, die auf New Yorker Hektik macht und etwas ganz Irisierendes geschaffen hat.

Gewöhnungsbedürftige Anzüge

Es ist nun also doch Farbe im Spiel. Unübertroffen dabei Laura Costa mit ihren Patchwork-Leggins und trachtenartigen Oberteilen. Bauernschürzen haben es Miriam Stöcklin angetan, weshalb an ihrer Businesskleidung Bändel herunterhängen. Gewöhnungsbedürftig sind auch die Anzüge von Marc Fuhrer, der das Innere sichtbar macht, oder Jean-René Wyss’ gegürtete – gefesselte – Kleider.

Dem Körper Raum geben will hingegen Paula Stüdeli, mit Oversize-Boxkleidung. Auch Mirjam Egloff klebt das Badekleid nicht an die Figur, sondern drapiert es gekonnt um die Kurven.

Nur in einen Hauch von Stoff kleidet Bettina Gruber ihre Models, während Noëmi Frey tief in die japanische Architektur blicken lässt.

Sie bringt uns zurück an den Anfang, ins Uniforme. Wobei Antonella Petraccaros Live-Demonstration ihrer Künste – der Höhepunkt der Schau – beweist, dass aus auf dem Laufband und aus einem Band Gefertigtes durchaus nicht Einheitsbrei sein muss.

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