Erziehungsdepartement Basel-Stadt

Kaum Interesse an Maturarbeitsarchiv

«spicker.ch» will Matura-Arbeiten sammeln. Die Basler Erziehungsdirektoren haben dafür wenig übrig.

Tobias Gfeller
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(Symbolbild)

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KEYSTONE/Christian Beutler

Anfang Jahr hat Stefan Schuppli in Partnerschaft mit NGOs, regionalen Unternehmen und Schweizer Jugend forscht die Internetplattform «spicker.ch» lanciert. Herz der Seite ist ein Archiv von Matur- und Projektarbeiten. Dank einer Suchmaschine, die über Schlüsselwörter funktioniert, können Arbeiten einfach abgefragt werden. Für Stefan Schuppli ist es eine «Verschwendung von Wissen», dass die unzähligen Arbeiten der Schülerinnen und Schüler bisher nicht in grossem Masse archiviert werden. «Sie sind so nur an den einzelnen Schulen zugänglich, was die Ausbreitung des Wissens unterbindet.»

Schuppli ist überzeugt, dass mit einem Archiv die Qualität der Arbeiten zunehmen würde. «Anstatt dass mehrfach über das gleiche Thema geschrieben wird, können Schülerinnen und Schüler auf einer bereits realisierten Arbeit aufbauen und das Thema weiterführen. Das ist wissenschaftliches Arbeiten.» Das Archiv und die betreffende Arbeit wären dabei eine normale Quelle wie Bücher und Zeitungsartikel auch.

Schulen archivieren eigenständig

Um «spicker.ch» bei den Schülerinnen und Schülern bekannt zu machen, ist Stefan Schuppli auch auf die Hilfe der Schulen angewiesen. In einzelnen Gesprächen habe er viele positive Rückmeldungen von Lehrpersonen erhalten, versichert der ehemalige Journalist. Doch die Kantone als zuständige Organe der Sekundarstufe 2 geben sich zurückhaltend. Das Erziehungsdepartement (ED) Basel-Stadt sieht keinen Bedarf für solch eine Plattform, teilt Sprecher Simon Thiriet mit. «Bereits jetzt besteht im Rahmen einer Exzellenz-Förderung eine Vielzahl an Preisen, die für Abschlussarbeiten verliehen werden kann.» Eine einheitliche Archivierungsanweisung von Arbeiten gebe es in Basel-Stadt nicht, erklärt Thiriet. Die Schulen entscheiden die Archivierung entlang ihrer eigenen Richtlinien. Mehr möchte das ED dazu nicht sagen.

Von Seiten Baselland ist nach anfänglicher Abwehrhaltung eine leichte Annäherung zu spüren. Von Begeisterung zu sprechen wäre aber übertrieben. «Die Maturaarbeit stellt ein wichtiges Lernelement im Hinblick auf die Erreichung des zentralen Bildungsziels der Hochschulreife dar. In diesem Lernprozess sind Hilfestellungen im Lernprozess grundsätzlich immer willkommen», schreiben Marc Rohner, Rektor des Gymnasiums Oberwil und Leiter der Hauptabteilung der Baselbieter Mittelschulen und die Bildungsdirektion auf Anfrage. Diesbezüglich seien die Schulen auch über «spicker.ch» orientiert worden. Die Gefahr, dass die Plattform das «Abschreiben» vereinfachen würde, wie zu Beginn vereinzelt Rektoren befürchteten, stelle kein nennenswertes Problem dar, betonen Rohner und die Bildungsdirektion.

Für Marc Rohner und die Bildungsdirektion ist es wünschenswert, wenn sich Schülerinnen und Schüler vernetzen und gegenseitig unterstützen. Im Zusammenhang mit wissenschaftlichen Arbeiten beziehungsweise exzellenten Maturaarbeiten gebe es auch heute schon verschiedene Möglichkeiten, den Austausch zu fördern und Jugendliche zu vernetzen. Rohner verweist dabei auch auf Schweizer Jugend forscht, die als Partnerorganisation bei «spicker.ch» involviert ist. Die Baselbieter Verantwortlichen stellen sich die Frage, ob die neu lancierte Plattform die nötigen Qualitätsmerkmale erfüllen werde. Dafür würden noch keine Erfahrungswerte vorliegen.

Bislang hat Stefan Schuppli nur sein eigenes Geld in die Plattform gesteckt. In zwei bis drei Jahren soll «spicker.ch» die führende Ressourcenplattform im deutschsprachigen Raum sein. Die Wachstumszahlen stimmen ihn dabei zuversichtlich. Die Macher sind aktuell daran, einen Verein mit einem Patronatskomitee zu gründen.