«Sproochschatz»
Kinder lernen auf einer tierischen Entdeckungsreise durch die Altstadt Baseldytsch

Das Bilder-Lieder-Buch «Sproochschatz» soll Kindern spielerisch Freude an der Sprache vermitteln.

Oliver Spiess
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Sproochschatz

Sproochschatz

zvg

«Baseldytsch» oder Hochdeutsch? Vor rund acht Jahren hat das Basler Stimmvolk entschieden: An Kindergärten sollen beide Sprachen gleichermassen berücksichtigt werden. «Die ‹Basler IG Dialekt› traute der Sache nicht so recht und setzt sich seither für die Stärkung der hiesigen Mundart ein», wie Co-Präsident Felix Rudolf von Rohr sagt.

Aus dieser Motivation heraus entstand die Idee des «Sproochschatz». Mit der Christoph Merian Stiftung und dem dazugehörigen Verlag war schnell Unterstützung gefunden, andere Geldgeber schlossen sich an. Das Buch für Kindergarten- und Primarschulkinder ist nun auf dem Markt und präsentiert sich in multimedialer Begleitung erfrischend kreativ.

«Eigentlich kann die Sprache alles»

Gestaltet ist die Geschichte als eine Art Postenlauf durch die Altstadt Basels. Die kleine Lea und ihr Grossvater Edgar spazieren durch die Gassen und entdecken Tiere, die in der Altstadt tatsächlich allesamt anzutreffen sind.

Den Anfang macht der quirlige Papagei Rico, der von einer Wandmalerei zum lebendigen Tier erweckt wird und sogleich einige baseldeutsche Verse zum Besten gibt. Bei jedem Posten erscheint ein neues Tierchen und regt die Kinder mit einem eigens für das Buch komponierten Basler Lied zum Mitsingen an. Die Mundart soll so zusammen mit der beiliegenden CD spielerisch vermittelt werden.

«Fördern wollen wir aber in erster Linie nicht nur Baseldeutsch, sondern die Freude an der Sprache allgemein», so der Buch- und Liedtextautor Michael Luisier. Besonders liebe er an der Sprache ihre Fähigkeit, Humor zu transportieren. Eigentlich könne die Sprache aber alles – und dies will er für die jüngeren Generationen in seinem Buch darstellen.

Zusammen mit Illustrator Nicolas d’Aujourd’hui und Komponist Felix Mueller ist dies auf interessante Weise gelungen. D’Aujourd’hui hat zusätzlich zum Buch und der CD eine Holzkiste gestaltet, die den Kindern noch andere Zugänge verschaffen soll. Mit den darin enthaltenen Holzfiguren, Puppen und Spielkarten kann die Geschichte des Buchs nacherzählt werden. Die Rückseiten der Karten bilden ein Reim- und Leselernspiel.

Auch für Erwachsene gibt es etwas zu entdecken

Neben witzigen Verskonstruktionen und «baseldytscher» Musik in den verschiedensten Stilrichtungen bis hin zum Raptrack verbirgt das niedliche Büchlein aber auch den einen oder anderen Seitenhieb: «Do hets jo ganz vyyl gscheiti Lüt, wo reede, doch sy dängge nüt, Grad wie n e Bappegai. Y gang glaub wiider hai!», verkündet der bunte Vogel, während er auf dem Rathaus hockt.

Einige Seiten später erzählt Lea ihre erfundene Geschichte des netten, kleinen Drachen, der von der Basler Bevölkerung aus der Stadt vertrieben wurde. Aber nicht deshalb, weil er etwas verbrochen hat: Die Leute hatten viel Streit – und brauchten halt «jemanden, der schuld daran war».

Buchpräsentation, 9. September 2019, 19.30 Uhr, Kulturhaus Bider & Tanner
ticket@biderundtanner.ch

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