Bauaustellung

Kleiner Pavillon statt grosses Spektakel: Was von der IBA Basel 2020 übrig bleibt

Die IBA Basel 2020 sollte zum Abschluss ein Feuerwerk zünden. Es bleibt bei einem umstrittenen Steg und einer bescheidenen Ausstellung.

Christian Mensch
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Die IBA-Spiegelkugel «...istwasistwasist...» des Künstlers Claudio Moser zügelt an den Centralbahnplatz nach Basel.

Die IBA-Spiegelkugel «...istwasistwasist...» des Künstlers Claudio Moser zügelt an den Centralbahnplatz nach Basel.

Zur Verfügung gestellt

Der Zeitpunkt ist ideal. Nach dreizehnjährigem Vor- und Anlauf kommt die IBA Basel 2020, die internationale Bauausstellung, zu ihrer Kulmination. Als trinationales städtebauliches und kulturelles Entwicklungsprojekt hatte sie sich zum Ziel gesetzt, die Region «zusammen wachsen» zu lassen.

Der Euroairport, regionaler Inbegriff überstaatlicher Zusammenarbeit, war Teil der Konzeption. Gestern zeigte er seinen Tower in neuem Kleid. Angesagt war das Werk «Kaleyedoscope» der US-Künstlerin Pae White, eine farbig schillernde Uhr mit sieben Meter Durchmesser. Ein Hingucker mit internationaler Ausstrahlung. Doch was der Flughafen gestern enthüllte, war nicht das Projekt, das vor gut sechs Jahren im Rahmen eines IBA-Wettbewerbs gekürt worden ist, sondern ein schlichter Werbebanner eines deutschen Unternehmers, der auf eine Ausstellung seiner Privatsammlung in Riegel am Kaiserstuhl aufmerksam macht.

«Kaleyedoscope» wird ebenso wenig realisiert wie «Pole Dance», 3000 zwei Meter hohe Stelen, die entlang der Flughafenstrasse hätten errichtet werden sollen. Auch dieses Werk von Pae White endete als Planungsleiche der IBA Basel 2020.

Ein Millionenprojekt für den Kanton

6,6 Millionen Franken hat Basel-Stadt in drei Tranchen für das IBA-Projekt gesprochen. Damit trägt der Kanton rund vierzig Prozent der Gesamtkosten, wobei damit lediglich der Überbau bezahlt ist. Denn jedes einzelne Projekt, das sich das Label IBA verdient hat, muss zusätzlich finanziert werden. Das Vorzeigeprodukt der jahrelangen Bemühungen ist mangels Alternative der Parc des Carrières, ein geplanter Natur- und Erholungspark zwischen Basel, Allschwil, Hegenheim und St. Louis. An dessen erster Bauetappe beteiligte sich der Stadtkanton im Herbst 2018 mit gut 900'000 Franken. Selbst die von Amtes wegen IBA-begeisterte Regiokommission des Grossen Rates äusserte in ihrem Bericht leise Zweifel an der Durchdachtheit des Vorhabens. Ein erster Teil des Landschaftsparks im gegenwärtigen Niemandsland an der Stadtperipherie soll jedoch noch in diesem Jahr der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

Auf Sichtbarkeit ist dafür ein anderes Projekt getrimmt, für das sich die Basler IBA-Verantwortlichen erst im Januar den politischen Segen sicherten: die Rheinterrasse oberhalb der mittleren Brücke auf Kleinbasler Seite. Eine Holzplattform von 42 Meter Länge wird in den Rhein gelegt und darüber hölzerne Stufen mit 150 Sitzgelegenheiten gebaut. Die Pläne liegen seit 2014 vor, wurden mangels Finanzen aber nicht realisiert. Nun hat der Grosse Rat auf den letzten Drücker knapp 400'000 Franken gesprochen. Und dies, obwohl die Rheinmöblierung weder in das Gesamtkonzept eingebettet ist, noch nachhaltig ist: Nach drei Jahren wird die Konstruktion demontiert.

Bürgernähe war den Initianten ein grosses Anliegen

Im ersten Ratschlag der Regierung (2009) wurde die IBA «als einmalige Chance für die Weiterentwicklung der Kernstadt sowie für die trinationale Stadtregion Basel» angekündigt. Sie werde sich entwickeln «bis zur grossen Abschlusspräsentation 2020, bei der alle realisierten Projekte feierlich der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.» Die IBA werde sich durch «Bürgernähe» auszeichnen; jährliche IBA-Bürgertage, Mitwirkungsmöglichkeiten, Führungen und Diskussionen, ein «IBA-Haus» seien angedacht.

Der zweite Ratschlag der Regierung (2013) baut auf der Behauptung «die IBA ist auf Kurs und erfolgreich». Im beigelegten Evaluationsbericht ist immerhin von einer gewissen «Diskrepanz zwischen Erwartungen und konzeptionellen Grundlagen» die Rede. Es zeigte sich etwa, dass sich kaum private Geldgeber finden. Die zahllosen Gremien hätten zwar fleissig getagt, doch die zweisprachige Zusammenarbeit gestalte sich «sehr anspruchsvoll» und frustrierend, wie aus Interviews hervorging: Die Teilnehmer seien schlecht auf die Sitzungen vorbereitet und die Beteiligten auf den eigenen Vorteil fixiert.

Im dritten Ratschlag (2016) verzichtet die Regierung auf die Offenlegung eines Rechenschaftsberichts und begnügte sich mit der Feststellung «die IBA wurde in den vergangenen Jahren erfolgreich aufgebaut und hat sich in der Region etabliert.» Der Blick richtete sich auf das Jahr 2020, in dem «die realisierten Projekte einer breiten Öffentlichkeit im Rahmen einer regionalen Ausstellung vorgestellt werden». Die Präsentation «verspricht eine grosse internationale Aufmerksamkeit» und «erhöht die Wahrnehmung der Region Basel nach innen und aussen.»

An den grossen Themen vorbeigeschrammt

Mit dem nun vorliegenden Konzept einer Schlusspräsentation wird die IBA Basel eine unbedeutende Fussnote der Geschichte bleiben. Im «Dome», dem Event-Iglu auf dem Weiler Vitra-Architekturpark, werden in einer Kleinausstellung auf gerade 470 Quadratmetern die Projekte präsentiert, die mit dem IBA-Label versehenen wurden. Und als Höhepunkt kommt es im Juli zu einer zweitägigen Fachtagung.

Die IBA wollte sich gemäss dem ersten Ratschlag den grossen Entwicklungsthemen der Stadt und der Region annehmen. Explizit benannt wurden Hafenentwicklung, Euroairport, Regio-S-Bahn, Dreispitz, Hochschulmeile. Die Themen wurden allesamt relevant, doch keines ein IBA-Projekt. Oder umgekehrt: Keines der städtebaulichen Grossprojekte sah sich veranlasst, Expertise bei der IBA zu vermuten.

Sinnbildlich schliesslich, was Ende April als IBA-Aktion auf dem Basler Zentralbahnplatz aufgebaut wird: eine Kugel des Künstlers Claudio Moser, bestehend aus 159 Verkehrsspiegeln aus drei Ländern. Das Werk steht seit 2016 an verschiedenen Orten im Dreiländereck. Sein Name: «...istwasistwasist....»