Basel
Kunstmuseums-Betrieb gefährdet: Der Stiftung fehlt es an Kapital

Die Finanzkontrolle Basel-Stadt sieht den Museumsbetrieb im neuen Burghof gefährdet. Für den Erweiterungsbau des Kunstmuseums erfolgt die Bau-Eingabe. Doch der Betrieb des erweiterten Museumsbetriebs sei weiter unterfinanziert, warnen Revisoren.

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Für den «Burghof» der Architekten Christ & Gantenbein wird diese Woche die Baueingabe eingereicht. Die Eröffnung ist auf 2016 geplant.

Für den «Burghof» der Architekten Christ & Gantenbein wird diese Woche die Baueingabe eingereicht. Die Eröffnung ist auf 2016 geplant.

Zur Verfügung gestellt

Die Finanzkontrolle Basel-Stadt hat ihren Vorbehalt in Watte verpackt. «Bei einer Stiftung im Museumsbereich», so die Revisoren staatlichen Wirtschaftens in ihrem Jahresbericht, habe man auf die problematische wirtschaftliche Lage aufmerksam gemacht: Es bestehe «eine wesentliche Unsicherheit betreffend der Fortführung der Museumstätigkeit oder Teilen davon, wenn für allfällige Liquiditätsengpässe nicht entsprechende Eigenmittel zur Verfügung stehen».

Was verklausuliert im Bericht der Finanzkontrolle nachzulesen ist, der Ende Oktober publiziert wurde, meint im Klartext: Der Erweiterungsbau Burghof des Kunstmuseums müsste ganz oder teilweise geschlossen bleiben, wenn die Stiftung für das Kunstmuseum die Zusatzfinanzierung nicht im erwarteten Rahmen leistet.

Die Warnung der Revisoren, die in der freien Wirtschaft zu einer Überarbeitung des Business-Planes führen würde, wird politisch nicht gerne gehört. Schliesslich sollen die Bauphasen für den neuen Burghof so reibungsfrei verlaufen wie der bisherige politische Prozess. Dieser entwickelte sich ganz nach den Vorgaben, die dem Kanton durch die Mäzenin Dr. h. c. Maja Oeri gemacht wurden.

Oeri finanzierte zunächst den Grundstückkauf (20 Millionen Franken) und anschliessend die Hälfte der Baukosten (50 Millionen Franken) - unter den Bedingungen, dass Basel-Stadt Fristen zur Realisierung der Museumserweiterung einhält und die Betriebskosten trägt.

Mit den laufenden Kosten, die auf ihn zukommen, bekundet der Kanton Mühe. Eine erste Schätzung, basierend auf Wunschdenken und fehlender Kalkulationsbasis, besagte, der jährliche Zusatzaufwand für den Kanton werde überschaubare 2,3 Millionen Franken betragen. Eine genauere Betrachtung ergab, dass der Neubau einen um 8,8 Millionen Franken teureren Ausstellungs- und Verwaltungsbetrieb mit sich bringen werde. Da gleichzeitig mit höheren Erträgen gerechnet werden dürfe, reduziere sich der Mehrbedarf auf 5,3 Millionen Franken.

Guy Morin, Regierungspräsident und Kulturminister, rechnete. Er rundete die Mehrkosten ab (auf 5 Millionen) und den Kantonsbeitrag auf (auf 2,5 Millionen) und kam zum Resultat: Für 2,5 Millionen Franken jährlich müssten private Geldgeber geradestehen. Stellvertretend dafür: die Stiftung für das Kunstmuseum. So lautet der vom Grossen Rat abgesegnete Kostenschlüssel.

Es verbleiben die Probleme, auf die nun die Finanzkontrolle hingewiesen hat: Die Stiftung Kunstmuseum ist nicht mit einem Eigenkapital ausgestattet, aus dessen Erträgen sich eine Finanzierung sicherstellen liesse. Mehr noch: Selbst wenn das Kapital vorhanden wäre, könnte die Stiftung rechtlich nicht verpflichtet werden, damit die Finanzlöcher des Museums zu stopfen.

Philipp Bischof, Leiter Kultur Basel-Stadt, sagt, es bestehe eine Absichtserklärung der Stiftung, diesen Betrag zu leisten. Markus Altwegg, Präsident der Stiftung, sagt: «Wir haben nur das Versprechen abgegeben, dass wir uns bemühen werden.» Morin habe zwar versucht, eine rechtsverbindliche Verpflichtung der Stiftung zu erhalten. Eine solche Lösung sei nicht möglich. Für Altwegg ist die Situation schon heute unbefriedigend. Das Museum könne ohne Stiftung weder Ausstellungen machen noch Bilder ankaufen. «Eigentlich», so Altwegg, «ist die Situation dramatisch.»

Wie gut oder schlecht sich die Finanzsituation des Kunstmuseums tatsächlich darstellt, ist von aussen nicht ersichtlich. Im Jahresbericht des Kantons werden die Drittmittel des Museums mit 800 000 Franken beziffert. Doch allein die Stiftung für das Kunstmuseum speist jährlich über 1,5 Millionen ein - mit grossen Schwankungen nach oben.

Mit der ordentlichen Sammeltätigkeit bringt die Stiftung jährlich gut zwei Millionen Franken zusammen. Rund 700 000 Franken durch einen Donatorenkreis von sechzig Personen, deren Mindesteinsatz 10 000 Franken beträgt, den Rest durch Firmen und weitere Stiftungen. Die Finanzflüsse sind wenig transparent: Da kann ein Spender eine halbe Million einer Stiftung geben, die sie einer Stiftung weiterreicht, die sie wiederum an das Kunstmuseum leitet.

Rund zehn Millionen Franken Kapital haben die Stiftung und die ihr angeschlossenen Fonds gemäss Beobachtern auf Halde. Altwegg macht dazu keine Angaben. Er sagt: «Wir haben genug Geld für ein paar Jahre.» Die Stiftung und damit das Museum seien jedoch auf Geldgeber und deren Goodwill angewiesen. Und die Spendenbereitschaft hänge somit direkt von der Arbeit des Museums ab.

Eine Weichenstellung ergibt sich schon rasch: Museumsdirektor Bernhard Mendes-Bürgi eröffnet 2016 noch das neue Haus und geht dann in Pension. Seine Nachfolge wird bereits vorbereitet. Bestens vertraut mit der Stiftung wäre etwa Theodora Vischer, die Mendes-Bürgi bei dessen Wahl unterlegen war. Die enge Vertraute von Maja Oeri wäre wohl wieder zu haben. Seit März dieses Jahres ist sie «Senior Curator at Large» bei der Fondation Beyeler.

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