Wahlpflichtfächer

Lateinlehrer bedauern, dass sie ihr Fach nicht mehr selbst anpreisen dürfen

Die Sek-1-Schüler müssen sich bald für zwei von sieben Wahlpflichtfächer entscheiden. Über deren Inhalte werden die meisten von den Klassenlehrern informiert. Schade, finden Latein-Fachkräfte: Sie würden den Schülern gerne selbst ihr Fach schmackhaft machen.

Noemi Lea Landolt
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Der Römertag in Augusta Raurica ist sehr beliebt. Im Schulzimmer ist die Nachfrage nach der Sprache und Kultur der Römer geringer. Die Zahl der Lateinschüler nimmt ab. (Archiv)

Der Römertag in Augusta Raurica ist sehr beliebt. Im Schulzimmer ist die Nachfrage nach der Sprache und Kultur der Römer geringer. Die Zahl der Lateinschüler nimmt ab. (Archiv)

Martin Töngi

«Sum, es, est» – ich bin, du bist, er ist: Konjugieren bis zum Umfallen dazu deklinieren, Wörter büffeln und Hexameter lesen. In keinem Fach wurde so intensiv geübt wie im Latein. Warum also sollte sich das jemand freiwillig antun?

Ab dem kommenden Schuljahr können in Basel Schüler der 8. und 9. Klasse das neue Wahlpflichtfach Lingua Latein belegen. Die zwei Wochenlektionen sind allerdings an die heutigen Bedürfnisse angepasst. Die alte Sprache wird in einen grösseren Zusammenhang gestellt: So werden kulturelle Bezüge vom antiken Rom zur heutigen Welt gemacht und die Sprache als Grundlage verschiedener moderner Sprachen gelehrt, von der sich so einiges ableiten lässt.

Infos seien zu wenig ausführlich

Die Fachkräfte hätten die Schüler gerne persönlich über Lingua Latein informiert. Das sei ihnen «verwehrt» worden, erzählte CVP-Grossrat Remo Gallacchi diese Woche im Anschluss an eine Medienkonferenz. Katharina Wesselmann, Dozentin Fachdidaktik Latein und Griechisch an der FHNW, relativiert: «Das ist als Formulierung etwas übertrieben.» Aber das Erziehungsdepartement informiere in seinem Schreiben an die Schulen «nicht besonders ausführlich» über die Wahlpflichtfächer.

«Ich verstehe, dass drei Seiten zu viel sind. Aber es ist eine gewichtige Veränderung und darüber muss man entsprechend informieren», sagt Wesselmann. Das geschehe im Moment nur, wenn sich engagierte Schulleiter dafür einsetzen oder Leute auf eigene Faust und unbezahlt Informationsanlässe durchführen. «Man lässt uns diese zwar machen, unterstützt uns aber nicht.»

Gemäss Volksschulleiter Dieter Baur entscheiden die Schulleitungen autonom, wie sie die Schüler über die Wahlpflichtfächer informieren. Es ergebe Sinn, die Fächer zu präsentieren: «Irgendwie müssen die Schüler erfahren, was sie in den Fächern, die sie bisher nicht besucht haben, erwartet.» Es habe aber keine Weisung der Volksschulleitung an die Schulen gegeben.

Jede Schule ein bisschen anders

Und so sieht es an jeder Sekundarschule etwas anders aus: Eine «Werbetour» habe nicht stattgefunden, weil kein Bedarf bestanden habe, heisst es bei der Sekundarschule St. Alban. Auch die Theobald Baerwart und Sandgruben haben darauf verzichtet: Fairerweise hätte man entweder alle Wahlpflichtfächer oder keines vorstellen müssen.

Was bei allen ähnlich ist: Die Schulleitungen haben die Klassenlehrpersonen über die Inhalte der Wahlpflichtfächer informiert. Als Basis diente, das Wesselmann als «nicht besonders ausführlich» betitelt.

Zur Verfügung gestellt

Die Klassenlehrpersonen hätten diese Informationen anschliessend mündlich und schriftlich an die Schüler und deren Eltern weitergegeben. Bisher habe es keine Anfragen von Eltern wegen inhaltlicher Unklarheiten gegeben, heisst es zum Beispiel an der Sekundarschule Drei Linden.

Einen Extraabend zu Lingua Latein hat es nur an der Sekundarschule Bäumlihof gegeben. An der Sek Leonhard wurden die Schüler in den Klassen von Fachlehrern über MINT (Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften, Technik) sowie Lingua Latein und Italienisch informiert. Und an der Drei Linden haben zwar Lingua-Lehrer ihr Fach vorgestellt, aber nicht in den Klassen, sondern an der Lehrerkonferenz.