Gastronomie

Letzte Chance für Landgasthof? Es wird nicht ruhig rund um das Riehener Traditionslokal

Die Querelen rund um das Riehener Traditionslokal werden zum heissen Thema im Einwohnerrat.

Tobias Gfeller
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In Riehen wird derzeit die gastronomische Lage geprüft.

In Riehen wird derzeit die gastronomische Lage geprüft.

Kenneth Nars

Die Berichterstattung der bz über die Streitigkeiten zwischen dem ehemaligen Pächter Pierre Buess und der Gemeinde Riehen über den Landgasthof beschäftigte nun auch den Einwohnerrat. Christian Heim (SVP) wollte per Interpellation vom Gemeinderat wissen, wie der Betrieb des Restaurants und des Festsaals seit der Übernahme durch die Berest AG läuft, und wie der Gemeinderat die Zukunft des Traditionshauses sieht. Finanzchef Daniel Albietz (CVP) gab sich zurückhaltend.

«Nach einer harzigen Übernahmephase befand sich der Betrieb bis März 2020 in einer spürbar positiven Entwicklung, welche durch die Coronakrise abrupt unterbrochen wurde. Auf der Basis der vertraglichen Vereinbarung mit der Berest AG resultierte für die Gemeinde bis zum Jahresende 2019 ein Verlust in fünfstelliger Höhe.» Albietz liess es sich nicht nehmen, bei der Erklärung zur Auslastung des Festsaals eine Spitze in Richtung Pierre Buess abzufeuern. «Der gewünschte Vergleich mit den Vorjahren ist nicht möglich, weil der vorherige Betreiber den Saal selber bewirtschaftet und der Gemeinde Umsatz- und Belegungszahlen trotz wiederholter Aufforderung nicht übermittelt hat.»

«Ich erwarte eine klarere Strategie»

Die Gemeinde prüfe aktuell, was in Riehen aus gastronomischer Sicht möglich ist, betonte Albietz. Sollte zu den bisherigen Bedingungen dauerhaft kein neuer Betreiber für den Landgasthof gefunden werden, werde der Gemeinderat dem Einwohnerrat eine neue Vorlage unterbreiten, die für Betreiber leichtere Rahmenbedingungen vorsieht oder beantragt, die Liegenschaft im Baurecht abzugeben oder gleich ganz zu verkaufen. Christian Heim reicht dies nicht. «Der Gemeinderat müsste handeln und nicht einfach weiter zu- und abwarten. Ich erwarte eine klarere Strategie, wohin es mit dem Landgasthof gehen soll.»

Für Heim ist klar: «Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.» Das heisst: Den Landgasthof am besten im Baurecht abgeben oder gleich verkaufen, auch wenn der Markt aktuell dafür nicht sehr lukrativ sei. Christian Heim sieht vor allem im grossen Festsaal keine Zukunft. Dieser sei zu wenig flexibel nutzbar. Er sehe es eher, wenn die Gemeinde etwas Neues, eine Art Kultur- und Sportzentrum, in Angriff nehmen würde.

Dass nun die «Basler Zeitung» bauliche Mängel beim Landgasthof publik machte, zeige, dass die Gemeinde mit dessen Betrieb überfordert sei. «Man muss den Mut aufbringen, das Haus – oder wenigstens den Festsaal, komplett neu zu denken – auch im Zusammenhang mit den Plänen rund ums Gemeindehaus.»

Höhere Kinderabzüge auf Kantonsebene

Per Stichentscheid von Einwohnerratspräsident Andreas Zappalà (FDP) wurde die Motion von Patrick Huber (CVP) überwiesen, die auf Kantonsebene höhere Kinderabzüge für Familien fordert. Nun muss dafür der Gemeinderat eine Gemeindeinitiative ausformulieren, die dann – vorausgesetzt der Einwohnerrat stimmt ihr zu – dem Basler Grossen Rat und dann womöglich dem baselstädtischen Stimmvolk vorgelegt wird.

Huber sieht seine Motion als Gegenvorschlag zur SP-Initiative, die verlangt, dass Riehener Familien mit Kindern und Jugendlichen in Ausbildung 300 Franken jährlich pro Kind erhalten. «Ich möchte die wirklich wichtigen und guten Bestandteile der Familienentlastung der Initiative übernehmen, ohne den bürokratischen Aufwand dafür bewältigen zu müssen», erklärte Huber. Im Einwohnerrat wurde er von der SVP, FDP und GLP und vereinzelt von der EVP unterstützt. SP, Grüne und LDP stimmten dagegen.