Schönheits-Operation

Machtkampf mit Skalpell: Oberster Schönheitschirurg kritisiert Unispital Basel scharf

Das Basler Uni-Spital (USB) will in den lukrativen Markt der Schönheits-OPs eindringen. Im Herbst eröffnete das USB eine Klinik in der Inneren Margarethenstrasse. Darüber ärgert sich Mark Nussberger, der oberste Schweizer Schönheitschirurg. Er findet, dass es keine Uni-Klinik für ästhetische Chirurgie brauche. Die Privaten verfügten über genügend Know-how. Er spricht von einem Machtkampf. Das USB kontert: «Es braucht Patientenbefragungen und andere Methoden modernen Qualitätsmanagements.»

Leif Simonsen
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Wer eine schöne Nase will, kann jetzt ins Uni-Spital. Die privaten Schönheitschirurgen ärgern sich über die neue Konkurrenz.

Wer eine schöne Nase will, kann jetzt ins Uni-Spital. Die privaten Schönheitschirurgen ärgern sich über die neue Konkurrenz.

Keystone

Wer in Basel die Brüste vergrössert oder die Nase begradigt haben will, kann das seit diesem Herbst auch mit universitärem Gütesiegel tun. Das Universitätsspital Basel (USB) eröffnete im September an der Inneren Margarethenstrasse eine Schönheitsklinik. Der USB-Chefarzt Dirk Johannes Schaefer begründete dies damit, dass die «Nachfrage vom Markt mit einem unübersichtlichen Angebot an Dienstleistern aufgenommen wird». Komplikationen nähmen zu, verlässliche Langzeitdaten fehlten.

Bei den privaten Schönheitschirurgen sorgt die Eröffnung der neuen Klinik für Ärger. Mark Nussberger, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie, findet deutliche Worte: «Nach meiner Meinung hat eine Universitätsklinik den Auftrag einer medizinischen Grundversorgung der Bevölkerung, die ästhetische Chirurgie passt nicht in dieses Konzept. Es riecht nach pekuniären Interessen einer teilweise privatisierten Universitätsklinik», sagt er.

«Die Uni-Klinik hat weniger Know-how»

Nussberger stört sich daran, dass das Uni-Spital sich «jahrzehntelang» nicht um ästhetische Operationen gekümmert habe und nun den Anspruch erhebe, Qualitätssicherung für die angehenden Schönheitschirurgen zu betreiben. Er spricht der Uni-Klinik nicht ab, «hervorragende» Arbeit bei der rekonstruktiven Chirurgie zu leisten – wenn es etwa darum gehe, nach schweren Verbrennungen oder Unfällen grosse Transplantationen vorzunehmen. Nussberger ist überzeugt: «Die Uniklinik hat weniger Know-how in ästhetischer Chirurgie als die praktizierenden Chirurgen.» Es gehe demzufolge um «Macht», um mehr Einfluss in diesem «Teilgebiet» zu bekommen.

Ob die USB-Schönheitschirurgen sich das nötige Know-how erarbeiten könnten, sei angesichts der Kundenbedürfnisse fraglich, meint Nussberger. Wer sich einer Schönheits-OP unterziehen lasse, gehe lieber zu erfahrenen, praktizierenden Chirurgen. «Aus Gründen der Diskretion – und weil sie sich eben nicht krank fühlen, sondern weil sie einen Makel im Aussehen finden, den sie beseitigen lassen möchten.» Undenkbar sei für die meisten, sich in ein Uni-Spital zu begeben, wo sie neben jemand todkrankem im Zimmer liegen könnten. Die Darstellung, wonach es sich bei der neuen Uni-Klinik um eine diskrete Filiale handle, stimme eben nicht ganz. Letztlich würden die grösseren Operationen im Unispital durchgeführt.

 Mark Nussberger, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie: «Es riecht nach pekuniären Interessen einer teilweise privatisierten Universitätsklinik.»

Mark Nussberger, Präsident der Schweizerischen Gesellschaft für Ästhetische Chirurgie: «Es riecht nach pekuniären Interessen einer teilweise privatisierten Universitätsklinik.»

Zur Verfügung gestellt

In der Schönheitschirurgie wird häufig gepfuscht

Das Universitätsspital streitet nicht ab, dass es bei der Errichtung der neuen Klinik auch um Geld geht – wenngleich die Finanzen nicht im Fokus stünden. «In vielen Bereichen der Grundversorgung, die Private nicht anbieten, ist es schwierig bis unmöglich, kostendeckend zu arbeiten», sagt USB-Sprecher Nicolas Drechsler. Daher sei man froh, dass man Beratungen und Behandlungen zu einem Preis anbieten könne, der nicht dem Kostendruck eines Universitäts-Spitals unterliege.

Drechsler wehrt sich aber gegen die Behauptung, universitäre Forschung auf dem Gebiet der ästhetischen Chirurgie sei unnötig. «Derzeit ist die ästhetische Chirurgie eminence-based, statt evidence-based.» Es zähle also die persönliche Meinung eines Chirurgen, und beispielsweise seine Präferenzen bei den angewandten Techniken. Es brauche standardisierte Patientenbefragungen und andere Methoden modernen Qualitätsmanagements, um verbindliche, wissenschaftliche Standards zu erarbeiten.

Tatsächlich gilt die Schönheitschirurgie als Teilgebiet der Medizin, in dem am häufigsten gepfuscht wird. Unlängst sagte Nussberger gegenüber der Pendlerzeitung «20 Minuten»: «Lippenaufspritzungen sind heute so beliebt wie Tattoos. Wir stellen bei 17- bis 25-jährigen Patientinnen extrem viele Komplikationen aufgrund von Pfuscharbeiten fest.» Schuld daran seien aber nicht die ausgebildeten plastischen Chirurgen, sondern in erster Linie die Kosmetikstudios. Diese würden sich eine Gesetzeslücke zunutze machen und Hyaluronsäure spritzen, obwohl ihnen hierfür das Know-how fehle. Bei den ausgebildeten Fachärzten hingegen empfindet Nussberger die heutige Qualitätssicherung als ausreichend, nicht zuletzt dank der Gesellschaft für ästhetische Chirurgie. «Als praktizierende Chirurgen sind wir auch bereit, junge Ärztinnen und Ärzte in unseren Praxen an ästhetischen Operationen teilhaben zu lassen– mit grossem Lerneffekt.»