Extasia

Micaela Schäfer: «Ich bin ein grosser Angela-Merkel-Fan»

Nacktmodel Micaela Schäfer (33) war am Wochenende als Special Guest an der Basler Erotikmesse. Im Interview mit der bz spricht sie über Veränderungen in der Erotikbranche und die Politik.

Philipp Schrämmli
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Seit ihrem Auftritt bei «Germany’s next Topmodel» 2006 ist Micaela Schäfer dauernd auf Achse, wie im Bild als DJ vor zwei Jahren an der Tanzparty in Diegten.

Seit ihrem Auftritt bei «Germany’s next Topmodel» 2006 ist Micaela Schäfer dauernd auf Achse, wie im Bild als DJ vor zwei Jahren an der Tanzparty in Diegten.

Juri Junkov/Fotograf

Micaela Schäfer, ein Interview mit Ihnen zu führen ist eine Herausforderung.

Weshalb?

Weil zu Ihnen kaum noch Fragen offen sind. Im Internet erfährt man alles über Sie, über Ihr Privatleben, über Ihre sexuellen Präferenzen. Wird Ihnen dieses Durchleuchtet-Sein nie zu viel?

Ich bin ein Reality-Star. Das bedeutet, es wird von mir erwartet, dass ich mein Innerstes nach Aussen kehre. Auf diese Weise verdiene ich mein Geld. Ich mache das gerne. Und die Leute scheint es zu interessieren.

Gibt es auch Dinge, die Sie nicht gefragt werden?

Lustigerweise ist Sex gar nicht so oft ein Thema, vermutlich weil sich viele Journalisten nicht trauen, das anzusprechen. Und zu politischen Angelegenheiten werde ich auch nicht befragt.

Sind Sie denn ein politischer Mensch?

Ich habe auf jeden Fall eine Meinung, würde mich aber nicht als Expertin bezeichnen und lese jetzt auch nicht jeden Tag den Politik-Teil in der Zeitung. Vielleicht ist es eher eine politische Intuition, die ich besitze, und nicht eine konkrete Position. Mir geht es vor allem um mehr Menschlichkeit in der Politik. Beispielsweise beim Thema Flüchtlinge, das in Deutschland ja sehr aktuell ist. Ich bin klar der Meinung, dass wir Menschen, die vor Krieg fliehen, aufnehmen müssen. Da bin ich ein grosser Angela-Merkel-Fan. Ich halte zu unserer «Mutti».

Haben Sie den US-Wahlkampf verfolgt?

Ja, aber nicht intensiv. Ich hätte Hillary Clinton gewählt. Sie ist mir wesentlich sympathischer.

Sind Sie eine Feministin?

Feminismus ist ein grosses Wort. Ich denke, in Ländern wie Deutschland oder der Schweiz sind Frauen und Männer weitestgehend gleichberechtigt. Manche Feministinnen glauben, wenn eine Frau mit ihrem Körper Geld verdient, verkaufe sie sich und mache sich zum Objekt. Ich sage, jede Frau und jeder Mann soll das machen dürfen, was ihm oder ihr Spass macht.

Mit Ihrer demonstrativ gelebten Nacktheit stossen Sie viele Menschen vor den Kopf.

Ja, ich ziehe mich oft aus, ich stehe zu meinen Schönheitsoperationen und ich rede über Sex. Ich lebe auch ein Stück weit von dieser Provokation und das bringt mir natürlich Kritik ein. Aber das perlt an mir ab. Viele Leute glauben ich sei dumm, weil ich ein Nacktmodel bin. Aber ich habe noch nie einen erfolgreichen Menschen getroffen, der dumm ist. Ausserdem sind meine Skandale immer «sauber». Ich bin zwar häufig nackt, aber nicht bekannt für Alkoholabstürze, Drogenexzesse oder Steuerhinterziehung. Das fände ich peinlich.

Ihre Karriere als Reality-Star nahm ihren Anfang, als Sie 2006 bei «Germany’s next Topmodel» teilnahmen. Seither treten Sie als Nacktmodel, DJane oder Moderatorin auf. Sind Sie mit diesem Werdegang zufrieden?

Stolz bin ich eigentlich vor allem darauf, dass ich mein Ding durchgezogen habe und der Nackt-Schiene treu geblieben bin. Viele hatten mir davon abgeraten. Das sei doch kein Konzept, ausziehen könne sich ja jede. Mittlerweile mache ich das nun schon seit über zehn Jahren. Am Anfang war es hart. Sie müssen wissen, dass ich erst seit 2012 von meinen Aufträgen leben kann. Vorher musste ich immer wieder kleine Jobs annehmen, habe für sieben Euro die Stunde an Garderoben gearbeitet.

Und wie viel verdienen Sie heute?

Eine Summe werde ich Ihnen nicht verraten. Aber es hat gereicht, um eine Eigentumswohnung zu kaufen. Allerdings habe ich seit fünf Jahren keinen Urlaub mehr gemacht. Und ich arbeite jeden Tag, jedes Wochenende, auch an Silvester oder Weihnachten, wenn ich gebucht werde.

Sie sind schon zum dritten Mal als Special Guest an der Extasia in Basel. Haben Sie etwas von der Stadt gesehen?

Leider gar nicht. Dieses Jahr beispielsweise bin ich am Samstagmittag in Basel gelandet, sofort aufs Messegelände gefahren und sass zwei Stunden in der Maske. Jetzt spreche ich mit Ihnen, stehe danach ein paar Minuten auf der Bühne, schreibe Autogramme und abends fahre ich bereits zum nächsten Auftritt nach Frankfurt. Das ist super traurig. Ich reise so viel, aber von den meisten Städten kenne ich nur den Flughafen und den Bahnhof.

Verhält sich das Schweizer Publikum anders als jenes in Deutschland.

Definitiv. Die Schweizer sind viel zurückhaltender. Wenn ich in Deutschland oder auch in Österreich Musik auflege, versammeln sich die Gäste sofort ums DJ-Pult. Bei den Schweizern dauert es länger, bis sie aus sich heraus kommen.

Sie treten häufig an Erotikmessen wie der Extasia auf. Hat sich die Branche in den letzten Jahren verändert?

Ich finde schon. Früher war das Angebot vor allem auf Männer ausgerichtet. Heute hingegen hat es Produkte und Shows für alle Geschlechter und alle sexuellen Vorlieben. Sex interessiert ja nicht nur junge Männer, sondern auch Frauen, Senioren, Schwule, Lesben, Transsexuelle und so weiter.

Jüngst konnte man überall lesen, dass Micaela Schäfer bald ein Kind will. Sie sollen sogar schon die Pille abgesetzt haben?

Das stimmt so nicht. Ich habe erzählt, dass ich mich bei einem Arzt erkundigt habe, wie lange es dauert, bis man nach Absetzen der Pille schwanger werden kann. Das hat die Presse dann falsch aufgenommen. Richtig ist, dass ich mir vorstellen kann, Mutter zu werden, aber erst so in drei bis fünf Jahren.

Und was arbeiten Sie dann?

Ich könnte mir vorstellen, ein Buch zu schreiben. Oder Teleshopping zu machen. Vielleicht verkaufe ich am Fernsehen Dildos oder Liebeskugeln. Der Erotik-Branche werde ich sicher treu bleiben.