Messe Basel

Mit kleineren Ressourcen gegen immer grössere Probleme ankämpfen

Die Gewerkschaft Unia wehrt sich gegen die Missstände während der Auf- und Abbauarbeiten für die diesjährige Ausgabe der Uhren- und Schmuckmesse Baselworld. Darum führen sie vermehrt Kontrollen durch.

Céline Feller
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Die Gewerkschaft Unia gibt anlässlich der Baselworld Messe Baustelle eine Pressekonferenz. Mit Andreas Giger, Unia-Schreiner, und Hansueli Scheidegger (mit Brille),Co-Leiter Unia Nordwestschweiz.

Die Gewerkschaft Unia gibt anlässlich der Baselworld Messe Baustelle eine Pressekonferenz. Mit Andreas Giger, Unia-Schreiner, und Hansueli Scheidegger (mit Brille),Co-Leiter Unia Nordwestschweiz.

Martin Töngi

Lohndumping, die Missachtung der Schweizerischen Arbeitsgesetzte und Scheinselbstständigkeit. Die Aufzählung der Missstände, welche die Unia während der diesjährigen Baselworld bekämpfen will, wirkt wie das typische Handbuch einer Gewerkschaft.

Die Kontrollen an der Uhren- und Schmuckmesse - im letzten Jahr waren es 377 - gehören mittlerweile zum Prozess des Standauf- und Abbaus dazu. Dazugehören heisst aber noch lange nicht, dass die Kontrollen weitgehend akzeptiert sind.

Wie die Unia bei der improvisierten Medienorientierung im Freien auf dem Messeplatz erklärt, wollen sowohl die Basler Schreinermeister als auch der Gewerbeverband um Direktor Gabriel Barell die Kontrollen boykottieren. «Herr Barell hat das Gefühl, dass die Kontrollen dem Standort Basel schaden. Er fordert, dass die grossen Fische in Ruhe gelassen werden und künftig nur noch die kleinen kontrolliert werden sollen», sagt Hansueli Scheidegger, Co-Leiter der Unia Nordwestschweiz. «Das ist ein Skandal und völlig inakzeptabel. Er will aus Basel einen arbeitsrechtsfreien Raum machen.»

Unia fordert komplette Kontrolle

Als Gegenpol fordert die Gewerkschaft eine lückenlose Kontrolle, bei der Arbeitsbeginn und -ende täglich konsequent registriert werden. «Ansonsten kommen die Arbeitnehmer auf bis zu 90 Stunden Arbeit pro Woche, das ist nicht nur gesundheitsschädigend, sondern auch illegal», wie Scheidegger erklärt. Pauschalentschädigungen für Monteure sollen ausserdem die Auszahlung von Mindestlöhnen sicherstellen.

Auf dem Weg zu diesen Zielen kämpft die Unia aber mit diversen Problemen. Die momentane Möglichkeit von Verzögerungsmöglichkeiten der hängigen Verfahren in Form von Fristerstreckungen und ähnlichen Mitteln machen sofortiges Handeln unmöglich. Die Verfahren aus dem vergangenen Jahr dauern bis heute an. «Es muss möglich sein, Arbeitgeber, die gegen das Gesetz verstossen, kurzfristig zu bestrafen und die Arbeit an diesem Stand einzustellen», erklärt Scheidegger eines der Anliegen der Unia.

Ein weiteres Problem ist der Mangel an Ressourcen. Weil letztere zu klein sind, können von den geforderten 50 Prozent aller Stände gerade einmal fünf Prozent kontrolliert werden. Dies ist im Vergleich zu den 20 Prozent vom letzten Jahr eine deutliche Abnahme. Nichtsdestotrotz: Der Eindruck, dass das Kontroll-Kontingent an der Baselworld sehr klein ist, täuscht.

Die Unia setzt einen Grossteil ihrer vorhandenen Ressourcen an der Messe, die am 27. März beginnt, ein. «Wir müssen dort tätig werden, wo wir am meisten Missbrauch vermuten. Ausserdem erwarten wir in den nächsten sechs bis acht Wochen bis zu 5000 Arbeiter beim Auf- und Abbau. Damit ist es die momentan grösste Baustelle dieser Art», so Scheidegger.

Den Vorwurf, die Unia nutze die Zeit während der Baselworld nur so intensiv, weil sie hier eine nationale Plattform habe um ihr Anliegen zu präsentieren, wies Scheidegger zurück.