Unsere kleine Stadt

Nicht zu sterben ist kein Lebensziel

Daniel Wiener
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«Die Utopie eines corona-freien Basel ist nicht fern.» - Daniel Wiener (Themenbild)

«Die Utopie eines corona-freien Basel ist nicht fern.» - Daniel Wiener (Themenbild)

KEYSTONE/ENNIO LEANZA

Wie «metzget» sich Basel in Zeiten des Corona-Lockups? Nicht schlecht, könnte ein Blick auf die Zahlen suggerieren: Mit einem Durchschnitt von je zwei Neuinfektionen pro Tag liegen die beiden Basel im hinteren Mittelfeld der Kantone. Sie gehören also nicht zu den absehbaren Hotspots einer möglichen zweiten Welle. Diese zeichnet sich deutlicher in den Kantonen Waadt, Genf, Bern und Zürich ab.

Nicht zuletzt wegen dieser für Basel schmeichelhaften Entwicklung reagierten vergangene Woche Club- und Barbesitzer unwirsch, als der Basler Regierungsrat Indoor-Events mit über 100 Personen ohne Maske untersagte, nachdem zuvor bereits 300 zugelassen waren. Aus geschäftlicher Sicht ist die Reaktion verständlich. Doch schwingt bei den Enttäuschten auch eine Portion Empörung mit. Den Schritt der Behörden diffamierten sie als «übertrieben» oder «überängstlich». Bewusst oder unbewusst spielen sie damit den Ball ins Feld der gut organisierten Masken-Gegnerschaft, die ganz andere Ziele verfolgt. Ihre Desinformationspolitik will das Vertrauen in demokratisch gewählte Institutionen untergraben.

Dieselben Kreise versuchen, den Jungen zu suggerieren, sie müssten sich nur zum Schutz der Seniorinnen und Senioren über 65 an strenge Regeln halten. Ein repressiver Staat wolle sie am Feiern und Flirten hindern. Da wir wohl noch ein, zwei Jahre mit dem Covid-19- Virus leben müssen, ist es eine politische Aufgabe, solche herbeipolemisierte Aufwallungen des Generationenkonflikts im Keim zu ersticken. Nicht zu sterben darf nicht zum einzigen Lebenszweck der Risikogruppen werden. Dies würde bedeuten, dass sich diese vollständig und über Monate zuhause einschliessen müssten. Ebenso wenig darf ein Corona-Reglement darauf hinauslaufen, dass Junge ihr Leben nicht mehr geniessen können.

Es gilt deshalb, gerade in einer aufgeklärten und offenen Stadt wie Basel, zu einem Konsens zu finden, der ein gutes Leben für alle mit Corona ermöglicht. Die Kandidierenden für die bevorstehenden Regierungs- und Grossratswahlen sollten dazu befragt werden, was sie konkret dafür leisten würden. Zum Beispiel wenn sich vor der nächsten Fasnacht die Frage eines erneuten Verbots stellen sollte. Da sind vorausblickende Innovationen und Ideen gefragt. Ein anderes wichtiges Ziel ist es, die nicht Deutsch sprechenden Teile der Bevölkerung stärker in den Diskurs einzubinden. Denn viele Menschen scheinen mit Plakaten allein nicht erreichbar zu sein.

Die Utopie eines Corona-freien Basel ist nicht fern. Um die Menschen zu motivieren, sich noch mehr an die wirklich nicht schwierigen Abstands- und Hygieneregeln zu halten, gibt es eine Botschaft, die alle Menschen eint: Gesundheitsschutz steht der wirtschaftlichen Erholung nicht im Weg, sondern er ist der einzige Weg zur wirtschaftlichen Erholung. Daran sollten sich auch Clubbetreiberinnen und Barkeeper erinnern. Für ihr ökonomisches Überleben, bis endlich eine Impfung zur Verfügung steht, sollte hingegen der Kanton die Verantwortung übernehmen.

Daniel Wiener - Der in Liestal aufgewachsene, in Basel lebende Autor ist Journalist, Kulturmanager, Unternehmer und Berater.