Theater

Obdachlosenmord im Dreirosenpark: Theaterschreiber bringt Georgs Tod auf die Bühne

Drei Jahre nach der Tötung eines Obdachlosen wird die Geschichte unweit des Tatorts im Dreirosenpark literarisch inszeniert.

Ayse Turcan
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Das Team von Mord_4057 (von links): Simon Grossenbacher, Armin Biehler, Miriam Wittlin, Andrea Bettini. Es fehlen: Simona Roth und Jürgen Buchinger.

Das Team von Mord_4057 (von links): Simon Grossenbacher, Armin Biehler, Miriam Wittlin, Andrea Bettini. Es fehlen: Simona Roth und Jürgen Buchinger.

Zur Verfügung gestellt

Der Fall hatte das Kleinbasel über Wochen beschäftigt: In der Nacht auf den 21. Dezember 2017 wurde «der Schorsch vo dr Dreirosebrugg» ermordet.

Man fand die Leiche des sechzigjährigen Obdachlosen unweit einer Bank bei der Dreirosenanlage, die ihm seit Jahren als Schlafplatz diente. Innerhalb von 48 Stunden konnte die Polizei den Täter festnehmen. Ein religiöser Fanatiker, wie sich herausstellte. Der psychisch Kranke hielt sich für Gott und tötete Georg, weil dieser sich nicht bekehren liess. Viele im Quartier betrauerten den Tod des beliebten Obdachlosen, der stets ein wachsames Auge auf die Geschehnisse in der Parkanlage hatte. Einer seiner Bekannten beschäftigt sich bis heute mit der Geschichte.

Armin Biehler schätzt, dass er Georg ungefähr sieben Jahre vor dessen Tod kennen lernte. «Georg ist mir mehrmals auf meinem Heimweg aufgefallen. Einmal habe ich ihn gefragt, ob neben ihm auf der Bank noch frei ist. Er hat ja gesagt, ich habe mich hingesetzt.» So kam der Velokurier, Filmemacher und Schriftsteller mit dem Kleinbasler Original ins Gespräch. Über die Jahre entwickelte sich zwischen den beiden eine Art Freundschaft – allerdings eine distanzierte. «Er hat mir zwar bruchstückhaft von seinem Leben erzählt, war aber eher verschlossen, was seine Vergangenheit angeht», erinnert sich Biehler.

Kurz nach Georgs Tod begann Armin Biehler, sich literarisch mit dem Mordfall auseinanderzusetzen. Mit finanzieller Unterstützung des Fachausschusses Literatur der Kantone Basel-Stadt und Baselland schrieb Biehler ein Theaterstück, das Realität und Fiktion vermischt und der Frage nachgeht, welche Ereignisse Georgs Leben wohl geprägt haben und wie sich der Tote zu den Geschehnissen äussern würde, wenn er könnte. Im Laufe seiner Recherchen konnte der Theaterschreiber in Erfahrung bringen, dass Georg Familienangehörige hatte, die für den Toten eine Abdankungszeremonie organisiert hatten. Vor wenigen Wochen gelang es ihm, Georgs Schwester zu treffen.

Die Schwester konnte einige Lücken im Lebenslauf des Verstorbenen schliessen. Sie nahm aber, so erzählt Biehler, auch die fiktionalen Teile des Stücks gut auf. Beim Gespräch mit der Schwester wurde ausserdem ein erstaunlicher Zufall festgestellt: «Die Liebesgeschichte, die ich im Stück zusammengereimt habe, hat es tatsächlich gegeben.» Aber nicht nur das: «Sogar der Name, den ich mir ausgedacht habe, stimmt», sagt der Autor.

Besuch der Aufführungen ist kostenlos

An diesem Wochenende kehrt Biehlers Stück nun zurück an den Tatort: Seit Freitag und bis Sonntag wird der Text im Dreirosenpark inszeniert. Dafür erhält Armin Biehler Unterstützung von vier Schauspielerinnen und Schauspielern. Die Aufführungen beginnen jeweils um 20.30 und können unentgeltlich besucht werden. Biehler erhofft sich, einen Beitrag zur Aufarbeitung des Umgangs mit dem Todesfall leisten zu können. «Nach dem Tötungsdelikt gab es eine grosse Aufregung im Quartier», sagt Biehler. Am Anfang seien pauschal «die Drogendealer» des Mordes beschuldigt worden. Mit seinem Theatertext wolle er die persönliche Ebene von Täter und Opfer wieder sichtbar machen.