Narrekappe

Olympische Spiele in Basel – Fasnachtsgesellschaft befreit sich aus dem Würgegriff des Comités

Drucken
Teilen
Olympia Clique 2018

Olympia Clique 2018

zvg/Facebook
«Dernääbe»

«Dernääbe»

zvg/Facebook

Olympia! Der Fasnachtsgesellschaft Olympia ist es gelungen, sich prominenter in die öffentlichen Fasnachtsdiskussionen zu bringen als die Olympischen Spiele in Pyeongchang. Heldenhaft zeigen sie den karnevalistisch Ungebildeten, was echte Fasnacht ist, wie man sich aus dem Würgegriff und der Finanzgewalt des Comités befreit.

Mit ihrem einzigartigen, mutigen Schritt tritt also die Männerbastion Olympia dem Fasnachts-Comité, seinem Organisationswahn und der Finanz-Allmacht wie ein Winkelried entgegen. Wer sich allerdings die Mühe nimmt, sich ein wenig in die einschlägige Literatur zu vertiefen, stellt Erstaunliches fest. Das Comité organisiert an der Fasnacht die Laternen- und Requisiten-Ausstellung sowie unsere Umzüge, Cortège genannt. Sonst nichts. Alles andere ist in diesen 72 Stunden sich selbst überlassen.

Nun kann man eine solche Organisation natürlich auch weglassen und den Fluss der Nachmittage wie die anderen 63 Stunden unserer drei Tage dem Zufall überlassen. 1992/93 hatte man den Versuch gemacht, und wer es erlebt hat, denkt noch heute mit Schrecken an die stundenlangen Staus. Und dann die Finanzen! Um 1900 war es nicht nur gang und gäbe, sondern ein ganz grosses Ärgernis, dass man allenthalben von Cliquen, Gruppen und Bängglern angepumpt wurde. Jeder Verein versuchte, mit Hauskollekten und geeigneten Bettelaktionen, so etwa wie die Olympia heute mit dem Verkauf ihrem Vereins-Ordens, Geld zu sammeln. Dies führte dann eben zur Gründung des Fasnachts-Comités, selbstverständlich unter Mithilfe der Olympia.

Wo liegt denn das dunkle Geheimnis der Olympia gegen das Comité? Ist es die Frechheit, immer mit schwarzen Hüten aufzutreten, was doch seit Jahrhunderten das olympische Privileg am Vogel Gryff und am Bummel-Sonntag ist? Oder ist es aus der virilen Olympia-Sicht dekadent, dass das Comité seit 1999 auch mit Frauen bestückt ist? Anderseits war die Olympia doch seit jeher fast immer im Comité vertreten und hat dieses auch geprägt. Es war einer der prominentesten Olymper, welcher dem Comité die geltenden Statuten verpasst hat. Es war die Olympia, die von 1996 bis 2003 den Obmann stellte. Und bis vor einem Jahr war es sogar ein Olymper, der als Seckelmeister sorgfältig und treuhänderisch kontrolliert über die Finanzen wachte.

Vielleicht neckt sich auch einfach, was sich liebt. Hoffentlich wird das auch überall so verstanden.