Basel

Professor Gutachter übernimmt die Kunstkommission

Felix Uhlmann erbt von Kanzleipartner Peter Mosimann das Präsidium der Basler Kunstkommission.

Christian Mensch
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Staatsrechtsprofessor Felix Uhlmann übernimmt das kulturpolitisch wichtige Mandat als Präsident der Kommission des Kunstmuseums. ZVG

Staatsrechtsprofessor Felix Uhlmann übernimmt das kulturpolitisch wichtige Mandat als Präsident der Kommission des Kunstmuseums. ZVG

Professor Felix Uhlmann, Staatsrechtler der Universität Zürich, hat eine volle Agenda. Neben seinem Lehramt ist er Konsulent der Basler Anwaltskanzlei Wenger Plattner und eifriger Verfasser von Gutachten. Derzeit untersucht er im Auftrag des Basler Justiz- und Polizeidirektors Baschi Dürr (FDP) Vorwürfe gegen den bereits zurückgetretenen Polizeichef Gerhard Lips.

Als Spezialist für Rechtsetzungsverfahren ist ihm kein Thema zu fremd, um darüber nicht ein juristisches Gutachten verfassen zu können. Er publizierte in den vergangenen Jahren über aufsichtsrechtliche Kompetenzen der Finanzmarktaufsicht, über ein Informationsleck in der St. Galler Verwaltung, über die Pflicht zum schulischen Mittagstisch, über die Regelung nichtionisierender Strahlen, über die Aufsicht im Steuerbereich, über die Zulässigkeit von Medikamentenabgaben, über die Umwidmung von Baselbieter Hafenarealen. Wenig hat Uhlmann zu kunstrechtlichen Fragen veröffentlicht. Nun hat ihn aber die Basler Regierung zum Präsidenten der Kommission für das öffentliche Kunstmuseum gewählt.

In den Fussstapfen von Mosimann

Wie sich zeigt: Uhlmann hat sich vor allem als konsequenter Nachfolger von Peter Mosimann für das Amt qualifiziert. Von Mosimann, dem Doyen der Kanzlei Wenger Plattner, übernahm Uhlmann bereits den Vorstandssitz im Basler Literaturhaus. Bei der eidgenössischen Kulturstiftung Pro Helvetia ist er als Mosimanns Nachfolger das juristische Gewissen geworden. Nun folgt er ihm in der Baseler Kunstkommission. Mosimann hatte dem Gremium bereits im vergangenen Jahr seinen Büropartner als Nachfolger vorgeschlagen, wie er sagt. Und natürlich könne Uhlmann jederzeit auf seinen fachlichen Fundus Rückgriff nehmen.

Uhlmann übernimmt das Amt auf Mitte Jahr. Mosimann sagt, er habe rund einen Tag pro Woche unentgeltlich für das Präsidium aufgewendet. Wie viel Zeit er für das Kunstmandat aufbringen wird, kann Uhlmann nicht beziffern. Er werde sich jedoch entlasten, indem er Ende Jahr aus dem Stiftungsrat von Pro Helvetia austritt, und auch das Präsidium bei der Stiftungsaufsicht beider Basel werde er abgeben.

Wahlbehörde für die Kunstkommission ist die Basler Regierung für fünf und die Regenz der Universität Basel für vier Mitglieder. Letztere bestätigte die bisherigen Kunstprofessoren Andreas Beyer und Ralph Ubl und wählte neu die Medienprofessorin Ute Holl in das Gremium. Der vierte Sitz ging an den Architekten Pierre de Meuron, der in der laufenden Wahlperiode noch als Delegierter der Regierung der Kommission angehörte.

Die Regierung nickte den Nominationsvorschlag der Kommission ab und wählte den neuen Präsidenten Uhlmann. Bei der zuständigen Basler Regierungspräsidentin Elisabeth Ackermann dürfte vor allem Wohlgefallen ausgelöst haben, dass der Frauenanteil der regierungsrätlichen Delegation mit den Künstlerinnen Claudia Müller und Silvia Bächli und der Mäzenin Maja Oeri mehr als quotenerfüllt ist.

Präsidiale Nicht-Kommunikation

Die kulturpolitisch bedeutsame Wahl sei zwar schon vor mehreren Wochen erfolgt, erzählen Involvierte, kommuniziert wurde sie jedoch nur verspätet und bloss stückweise. Im Kantonsblatt von vergangener Woche sind die von der Regierung Gewählten im Rahmen der personellen Neubesetzung aller staatlichen Kommissionen aufgelistet. Die von Universitätsseite her delegierten Mitglieder finden sich versteckt im Protokoll der Regenz vom 1. März.

Die Nicht-Kommunikation löst im Kreis der Kommission gehörigen Ärger aus. LDP-Grossrat Heiner Vischer sagt: «Man fragt sich, nach welchen Regeln in Basel die Kulturpolitik läuft.» Vischer gehörte der Kunstkommission bisher als ordentliches Mitglied an. Diese wollte nicht auf seine Dienste verzichten, da er nicht nur in der Kunst- und Mäzenatenszene, sondern auch als Mitglied der grossrätlichen Bildungs- und Kulturkommission politisch vernetzt ist. Auf dem Regierungsticket fand Vischer jedoch keinen Platz, sodass er künftig als «Member at large» und ohne Stimmrecht der Kunstkommission angehören wird. Diese Neuerfindung hat zwar keine statutarische Entsprechung, aber Mosimann sagt, die Kommission habe diese Konstruktion der Regierung vorgeschlagen und sei von dieser zur Kenntnis genommen und damit akzeptiert worden.

Vakuum in der Stiftung

Die unklare Kommunikation führte auch in der Stiftung für das Kunstmuseum zu Komplikationen. Das für die Akquisition von Drittmitteln zuständige Vehikel wird von Jürg Altwegg präsidiert, der damit auch der Kunstkommission angehört, altershalber aber zurücktreten möchte. Die Erneuerung ist mit der Zuwahl von IWB-Direktor David Thiel, dem Anwalt Filippo Taddei und von Andrea Grisard aus der gleichnamigen Basler Unternehmer- und Mäzenatenfamilie zwar vorgespurt. Für eine offizielle Mitteilung wartete die Stiftung bisher auf eine Vorgabe aus dem Präsidialdepartement – diese blieb jedoch aus.

Für Felix Uhlmann dagegen wird die Zeit knapp zum Verfassen neuer Gutachten: Als Präsident der Kunstkommission wird er auch Stiftungsrat der Stiftung für das Kunstmuseum.