Veranstaltungen am Wochenende

Raus aus den Zwängen: Die Filme des Luststreifen-Festivals sprechen alle an

Andere Lebensentwürfe, neue Perspektiven: Die in den Filmen des Luststreifen-Festivals hochgehaltene Selbstbestimmung betrifft alle.

Oliver Spiess
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Das diesjährige Symbolbild des Luststreifen-Festivals: die Schnecke als Stellvertreterin der Mehrgeschlechtlichkeit.

Das diesjährige Symbolbild des Luststreifen-Festivals: die Schnecke als Stellvertreterin der Mehrgeschlechtlichkeit.

zvg

Die 13. Ausgabe des Basler Filmfestivals Luststreifen findet coronabedingt als Quickie statt. Zwei Tage lang dauert das Event für selbstbestimmte Lebensentwürfe und die Befreiung von gesellschaftlichen Zwängen. Die bz hat mit der Co-Leiterin Tara Toffol und dem Co-Programmverantwortlichen Timo Posselt darüber gesprochen, weshalb die Thematiken der Festivalfilme alle Menschen betreffen.

Im medialen Diskurs wird die Freizügigkeit in den Vordergrund gestellt, wenn das Festival thematisiert wird. Wie gehen Sie damit um?

Tara Toffol: Oft liegt der Fokus leider auf Effekten statt Inhalten. Dabei gehören Freizügigkeit und Sexualität zu unserem Alltag: Werbungen werden immer sexualisierter, nackte Haut ist überall zu sehen. Uns geht es darum, einen gesunden, selbstbestimmten und einvernehmlichen Gegenentwurf zu heutigen Körperidealen und Sexualitätsverständnissen zu zeigen, die immer noch stark von starren Normen und repressiven Bildern geprägt sind.

Welche Rolle spielt denn die Lust, die auch Teil Ihres Festivalnamens ist?

Timo Posselt: Die am Festival gezeigten Filme sollen Lust aufs Leben, Lust auf Kritik erregen. Die Lust ist seit jeher ein wichtiger Bestandteil des Kinos; wir wollen Zugänge zu Lust jenseits des Mainstreamkinos und der heterosexuellen Norm zeigen. Schliesslich gibt es noch so viel mehr.

Die Veranstaltung hat sich vom queercommunityinternen Event zum Festival für alle entwickelt. Wie schaffen Sie es, beide Gruppen zusammenzubringen?

Toffol: Cis-Hetero-Menschen, also heterosexuelle Personen, die sich mit dem ihnen bei der Geburt zugeschriebenen Geschlecht identifizieren, finden sich im Alltag dauernd in ihrer Sexualität bestätigt. Im Gegensatz zu Queers, deren Alltag andere Liebes- und Lebensrealitäten bestimmen. In erster Linie wollen wir deshalb einen Raum schaffen, in dem sich Queers mithilfe filmischer Medien repräsentiert fühlen. Aber auch Menschen ausserhalb der Community sollen kritisch und mutig den Blick erweitern für andere Lebensentwürfe.

Es sollten sich also eigentlich alle von den Thematiken angesprochen fühlen?

Toffol: Auf jeden Fall. Auch Cis-Hetero-Menschen können sich von den herrschenden Normen eingeengt fühlen. Deshalb kann es sehr befreiend sein, andere Lebenswege zu entdecken und zu erkennen: Ich kann selber entscheiden, wie und was ich begehre.

Was für Filme erwarten das Publikum des diesjährigen Festivals?

Posselt: Wir legen jeweils keinen thematischen Schwerpunkt fest, im Nachhinein kristallisiert sich aber meist einer heraus. Dieses Jahr ist es das Erwachsen- und Älterwerden. In «Futur Drei» hadert zum Beispiel ein junger Deutscher aus der iranischen Community mit dem Heranwachsen in der Kleinstadt und den sexuellen Normen. Der Film «Deux» hingegen zeigt ein lesbisches Paar im höheren Alter – eine Kombination, die sonst sehr selten auf der Leinwand zu sehen ist. Auch die Kurzfilme stechen durch ihre Vielfalt heraus: Zwanzig Filme aus aller Welt, zum Beispiel Indien, Mexiko, Russland oder Korea, werden gezeigt. In vier Kategorien streifen sie diverse Lebensrealitäten, Identitäten und Lüste.

Luststreifen-Filmfestival Basel

Samstag, 3. Oktober, ab 10 Uhr, Sonntag, 4. Oktober, ab 11.15 Uhr, Eintrittspreis je nach Veranstaltung, Filme im Neuen Kino, Festival im Humbug

www.luststreifen.com

Sven Ivanic

Sven Ivanic

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Von der Juristerei auf die Comedybühne

2016 war das Jahr des grossen Umbruchs für Sven Ivanic: Nach dem Masterdiplom in Rechtswissenschaften entdeckte er die Comedybühne für sich. Nur ein Jahr später feierte er den Sieg des Newcomerawards am Humorfestival in Arosa. Nun tritt er mit seinem ersten Soloprogramm «Jusländer» im Basler Fauteuil auf.

Freitag 20 Uhr, Tabourettli im Fauteuil, ab 25 Franken

www.fauteuil.ch

Walter Thommen

Walter Thommen

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Tanzabend mit Walti im Löwen

Schlager sei Walter Thommens Leidenschaft, sagt der Baselbieter Musiker von sich selbst. Doch der Entertainer aus Diegten hat auch Oldies, Countrymusik und andere Evergreens im Repertoire. Heute Freitag lädt er zum Tanzabend im Sissacher Restaurant Löwen. Um 20.15 Uhr startet die Veranstaltung.

Freitag 20.15 Uhr, Restaurant Löwen, Eintritt frei

www.walti-baselland.jimdofree.com

«Was ist menschlich?»

«Was ist menschlich?»

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Wandelnde Familienkonstrukte

«Was ist menschlich?», nimmt das deutsch-schweizerische Kunstduo Meser und Fleischlin zur Ausgangsfrage für seine Performance in der Kaserne. Sie thematisieren die sich wandelnden Konzeptionen des Konstrukts «Familie» und inszenieren dafür Beiträge von Menschen, die sie zu ihrer eigenen Familie zählen.

Freitag und Samstag variierender Start, Reithalle der Kaserne, ab 10 Franken

www.kaserne-basel.ch

Ausstellung «Real Feelings»

Ausstellung «Real Feelings»

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Was sind noch echte Gefühle?

Im Haus der elektronischen Künste auf dem Dreispitz läuft momentan die internationale Ausstellung «Real Feelings». Die Werke der rund zwanzig Künstlerinnen und Künstler versuchen zu zeigen, wie neue Technologien unsere Gefühle verändern und führen zu der Frage: Wissen wir bald nicht mehr, wie wir uns wirklich fühlen?

Freitag bis Sonntag ab 12 Uhr, HeK Basel, ab 6 Franken

www.hek.ch

Die digitale Anzeigetafel des Congress Center Basel

Die digitale Anzeigetafel des Congress Center Basel

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Kunstvideos mitten in der Stadt

20 Videos von 19 Kunstschaffenden flimmern momentan über die digitale Anzeigetafel des Congress Center Basel. Täglich von 8 bis 24 Uhr können die Kunstwerke zum konsumkritischen Thema Food in Zeiten der Coronakrise am Messeplatz beschaut werden. Die Ausstellung mitten in der Stadt ist ein Projekt von Videocity.bs.

Freitag bis Sonntag ab 8 Uhr, Messeplatz 21, Eintritt frei

www.2019.videocitybs.ch

Soliveranstaltung «Basel x Beirut»

Soliveranstaltung «Basel x Beirut»

Facebook Basel x Beirut

Solidarische Kunst für Beirut

Ganz im Zeichen der internationalen Solidarität unter Kunstschaffenden findet am Samstag im Launchlab auf dem Gundeldinger Feld die Soliveranstaltung «Basel x Beirut» statt. Auf dem Programm stehen ab 10.30 Uhr nebst Ausstellungen, Workshops und Musik aus Libanon auch libanesisches Essen und ein Live-Graffiti-Event.

Samstag ab 10.30 Uhr, Launchlabshalle, Spenden

www.facebook.com/baselxbeirut

Ausstellung «Ehrfurcht vor der Natur»

Ausstellung «Ehrfurcht vor der Natur»

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Auf in die chinesische Renaissance

Nach Jahrzehnten der Zensur und Massenproduktion ist in der chinesischen Kunst eine Rückbesinnung auf die traditionellen Formen der Malerei zu beobachten. Dieser Renaissance widmet sich der Künstler He Cilian in seiner Ausstellung «Ehrfurcht vor der Natur». Im Sissacher Chinahouse sind die Werke morgen Samstag zugänglich.

Samstag ab 10 Uhr, Chinahouse Basel, Sissach, Eintritt frei

www.wakong.ch

Christophe Lamberts Ausstellung «Swiss Black Fondue Metal»

Christophe Lamberts Ausstellung «Swiss Black Fondue Metal»

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Suche nach der Schweizer Identität

Finissage feiert dieses Wochenende Christophe Lamberts Ausstellung in der Gallery Daeppen. Der Freiburger macht sich auf die Suche nach dem Kern der Schweizer Identität. Dass er dabei seine ganz eigenen Perspektiven präsentiert, widerspiegelt sich im ungewöhnlichen Titel: «Swiss Black Fondue Metal» nennt sich die Installation.

Samstag ab 12 Uhr, Gallery Daeppen, Eintritt frei

www.gallery-daeppen.com

Roger Huberts Fotoausstellung «ad rem»

Roger Huberts Fotoausstellung «ad rem»

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Wie die Fotografie uns verändert hat

Sie ist eine Technologie, die unser Leben prägt: Die Fotografie hat uns nicht nur die Festhaltung von Momenten ermöglicht, sondern auch die menschliche Wahrnehmung der Umwelt verändert. Roger Humbert befasst sich in seiner Fotoausstellung «ad rem» im Basler Bellevue mit der Fotografie als Form künstlicher Intelligenz.

Samstag und Sonntag ab 11 Uhr, Bellevue Basel, Spendenkasse

www.bellevue-fotografie.ch

Pianist Hristo Kazakov und der Violinist Giovanni Barbato

Pianist Hristo Kazakov und der Violinist Giovanni Barbato

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Wochenausklang mit Beethoven

Eine aktuell laufende Konzertreihe im grossen Konzertsaal des Goetheanums widmet sich den zehn Violinsonaten Ludwig van Beethovens. In der zweiten Veranstaltung der Reihe präsentieren am Sonntag der bulgarische Pianist Hristo Kazakov und der Violinist Giovanni Barbato aus Italien die Sonaten Nummer 1, 3, 6 und 8.

Sonntag 16 Uhr, Goetheanum, ab 24 Franken

www.goetheanum-buehne.ch