Swisslos-Sportfonds

Regierung will Sportvereinen unter die Arme greifen

Gelder aus dem Swisslos-Sportfonds könnten verwendet werden, um durch Corona verursachte Löcher zu stopfen.

Jonas Hoskyn
Drucken
Teilen
Da war die Handballwelt noch in Ordnung: Der RTV im Januar gegen den HSC Suhr Aarau.

Da war die Handballwelt noch in Ordnung: Der RTV im Januar gegen den HSC Suhr Aarau.

Edgar Hänggi

Die Basler Regierung will Sportvereinen, die aufgrund der Coronapandemie finanzielle Probleme haben, mit Geldern aus dem Swisslos-Sportfonds aushelfen. Dies schreibt das zuständige Erziehungs-departement in einer Antwort auf einen Vorstoss von LDP-Grossrat Alex Ebi.

Ebi, bis vor Kurzem Präsident des Handballklubs RTV Basel, schrieb in seiner Interpellation, dass mehrere Basler Vereine aufgrund der aktuellen Situation in ihrer Existenz bedroht seien und wollte von der Regierung wissen, ob und wie sie diesen Vereinen organisatorisch und finanziell unter die Arme greifen könne.

Unter anderem fragt Ebi nach der Möglichkeit von Geldern aus dem Swisslos-Sportfonds. Dabei handelt es sich um einen Fördertopf mit Geldern aus der Landeslotterie, die von einer Kommission vergeben werden. Gesprochen wird die finanzielle Unterstützung jeweils projektbezogen. Zuletzt sprach die Kommission anfangs Sommer unter anderem Gelder für die Ruderregatta Basel Head im November oder das Curlingturnier Women’s Masters Switzerland in Arlesheim. Insgesamt resultiert jährlich ein tiefer Millionenbetrag.

Flexible Lösungen sollen her

Mit Blick auf die finanziellen Probleme rund um die Coronakrise zeigt sich die Regierung nun bereit, die Kasse weiter zu öffnen. Die Kommission könne über das zuständige Erziehungsdepartement dem Regierungsrat auch Beiträge ausserhalb des Budgets des Swisslos-Sportfonds beantragen. Präsident der Kommission und Vorsteher des Erziehungsdepartements ist Conradin Cramer (LDP). Über seinen Schreibtisch würden die Hilfeleistungen für die Sportvereine laufen.

Bei Problemen wolle man flexible Lösungen suchen, sagt Cramer: «Es handelt sich um eine situative Unterstützung und nicht um ein generelles Hilfspaket an alle Vereine.» Entsprechend gebe es auch keine definierte Totalsumme, wie etwa beim 350 Millionen schweren Hilfspaket des Bundes für die Fussball- und Eishockeyprofiklubs.

Keine Zuschauer – mehr Aufwand

Ebi fokussierte sich bei seinem Vorstoss auf den Leistungssport und beschränkte seine Anfrage auf Vereine in den obersten zwei nationalen Ligen. Die Regierung hingegen will den Fächer öffnen. «Die Unterscheidung in Spitzen- oder Breitensport liegt weniger im Vordergrund als die Frage der finanziellen Situation des entsprechenden Vereins», sagt Cramer.

Eine erste unbürokratische Massnahme hat das Erziehungsdepartement bereits getroffen und allen Vereinen für die Dauer des Sommersemesters die Nutzungsgebühren für die städtischen Sportanlagen erlassen. Allerdings seien oft Themen wie Sponsorengelder, Ticketverkäufe oder Lohnkosten von entscheidender Bedeutung – weshalb der Spitzensport stark betroffen sei.

Der RTV Basel rechnet mit einem tiefen sechsstelligen Betrag aufgrund der Coronakrise, wie Sprecher Meinrad Stöcklin sagt, unter anderem wegen Ausfällen bei den Einnahmen und Lohnkosten sowie Mehrbelastungen im Zusammenhang mit den Heimspielen. Der Handballverein hat bereits einen Unterstützungsantrag über 35 000 Franken beim Bund gestellt. Gleichzeitig bemüht sich der RTV um weitere finanzielle Mittel: Glücklicherweise würden nur wenige Sponsoren wegfallen. «Die Suche nach neuen Sponsoren gestaltet sich erwartungsgemäss schwierig», sagt Stöcklin.

Auch der EHC Basel ist betroffen

Dass aber nicht nur Vereine in der obersten Liga von der Krise betroffen sind, zeigt das Beispiel des EHC Basel. Der Eishockeyklub spielt in der dritthöchsten Liga. Auch beim EHC fehlt wegen Corona ein Betrag in sechsstelliger Höhe in der Kasse seit dem Lockdown. «Es mussten einträgliche Spiele wie das Playoff-Finale und das Aufstiegsspiel gestrichen werden», sagt Präsident Daniel Schnellmann. Auch die Nachwuchscamps zwischen April und Juni mussten ersatzlos gestrichen werden.

Dazu komme, dass es aufgrund der Krise Zahlungsausfälle von Gönnern und Donatoren gegeben habe. «Wir brauchen sicher weitere Unterstützung», sagt Schnellmann. Neben finanzieller Hilfe könnte er sich auch vorstellen, dass die Hallengebühren weiterhin vom Kanton erlassen werden.