Kuppel
Relikt aus vergangenen Zeiten: Zweiter Wettbewerb für neues Konzertlokal in Basel ausgeschrieben

Vor drei Jahren rissen Bagger die alte Kuppel bei der Heuwaage nieder. Das 25-jährige Providurium eines Basler Kultortes fand damit ein jähes Ende. Die Erneuerung wird seit 18 Jahren erwogen und geplant, nun hat die Stiftung Kuppel einen zweiten Architekturwettbewerb gestartet.

Christian Mensch
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Sonntag: Kuppel
18 Bilder
Die Kuppel im Nachtigallenwäldeli.
Mitten in der Woche: Lovebugs in der Kuppel Basel
Die Open Air Bars City Beach und Chill am Rhy. Die City Beach bei der Kuppel im Nachtigallenwäldli.
Das Nachtigallenwäldeli und die Kuppel.
Das Baselworldvillage auf dem Gelände Kuppel unter dem Viadukt.
Im Baselworld Village auf dem Kuppelareal scheint Champagner nicht mehr das Getränk erster Wahl zu sein.
Kuppels Abschiedsparty
Kuppels Abschiedsparty
Ein trauriger Anblick: Die Kuppel wird abgerissen.
...
Die Kuppel ist weg und sollte eigentlich neu gebaut werden, etwa vor der dritten neuen Brücke über den Birsig.
Hier soll die neue alte Kuppel zu stehen kommen. Nun sind auch die rechtlichen Grundlagen geklärt.
Das Ursprungsprojekt Kuppel der Lost Architekten.
Es wurde aber wieder verworfen.
Eine weitere Version für eine neue Kuppel der Lost Architekten.
Auch das wird nicht gebaut.
Blick auf das Gelände im Nachtigallenwäldeli.

Sonntag: Kuppel

Nicole Nars-Zimmer niz

Acht jüngere Basler Büros dürfen bis zu den Sommerferien ihr Wunschprojekt entwerfen. Die Arbeiten der architektonischen Nachwuchsförderung werden von einer Jury unter dem Stadtbaumeister Beat Aeberhard bewertet und auf Machbarkeit geprüft. Insbesondere, ob sie innerhalb des fixen Kostendachs von 6,4 Millionen Franken zu realisieren sind und ob die Schallisolierung einen Club- und Konzertbetrieb in einem Wohnquartier zulässt. Tobit Schäfer, Präsident des Stiftungsrates sagt, im September soll das Siegerprojekt vorgestellt werden.

Seit den frühen Projektideen und einem ersten Architekturwettbewerb im Jahr 2011 haben sich die Rahmenbedingungen mehrfach geändert. Als Maximalvariante stand ein doppelt unterkellerter Musiktempel mit einem Konzertsaal für 750 Personen, vollständigem Gastrobetrieb und acht grossen Bandproberäumen in der internen Diskussion.

Lesen Sie den Kommentar zum Artikel von Marc Krebs:

Nun ist das Raumprogramm abgespeckt auf einen 220 Quadratmeter grossen Saal für 600 Personen, die sich an einer einfachen Bar bedienen können. In einem Untergeschoss werden acht Proberäume untergebracht sein, die noch 25 Quadratmeter gross sein sollen. Diese müssen sein, um die staatlich zugesicherte Subvention von 1,7 Millionen Franken verbauen zu können.

Sowohl die Verkleinerung wie die Verspätung haben wesentlich mit den schwierigen nachbarschaftlichen Beziehungen zu tun. Die neue Kuppel entsteht im Unterbaurecht auf dem Areal der QPL AG von Simon Lutz, der darauf im Vollbetrieb drei Lokale betreibt; das «Acqua» als Ganzjahresbetrieb, die «Baracca» jeweils im Winterhalbjahr sowie der Klub «Garage», der derzeit auf Eis gelegt ist. Lutz war Betreiber der alten Kuppel und wollte auch in der neuen Kuppel wirten. Den anonym bleibenden Geldgebern leuchtete aber nicht ein, weshalb sie ihm ein Lokal finanzieren sollten, was zu einem nachhaltigen Zerwürfnis in der eng verflochtenen Zweckgemeinschaft führte.

Ein doppelter Kompromiss

Die Lösung, wie sie sich derzeit präsentiert, ist der Kompromiss eines Kompromisses: Bei der neuen Kuppel ist Lutz zwar weiterhin im Stiftungsrat, doch die Betriebe sind vollständig entkoppelt. Die neue Kuppel wird kein kulinarisches Angebot bieten und sich mit einer minimalen Bebauungsfläche von 383 Quadratmetern begnügen. Die saisonale «Baracca», die vom Kanton ursprünglich nur als Zwischenlösung bewilligt war, bis die neue Kuppel steht, soll dafür weiterhin neben der Kuppel aufgestellt werden. Als Entgegenkommen für das Entgegenkommen darf die Kuppel dafür unterirdisch mit 137 Quadratmeter auf die Baurechtsparzelle der QPL AG auskragen. Die damit verbundenen Komplikationen sind immer noch geringer als die Alternative, sich tiefer einzugraben. Denn ab 4,5 Metern Tiefe ist das Niveau des Birsig und damit des Grundwasserspielgels erreicht.

Die Mäzene haben nicht nur Baugeld gesprochen, sondern auch einen Fonds geäufnet. Dieser ermögliche es, in den nächsten dreissig Jahren an die Grundkosten einen Beitrag in Höhe eines «mittleren fünfstelligen Betrag» zu leisten, so Schäfer. Kumuliert dürfte damit das mäzenatische Engagement sechs bis sieben Millionen Franken betragen. Die übrigen Grundkosten sollen durch die Bar- und Musikraumvermietung eingebracht werden; die Konzerte müssten im Schnitt kostendeckend sein.

Auf einen Zeitplan will sich Schäfer nicht festlegen. Im Spätjahr 2020 könnten jedoch wieder Bagger auffahren. Sollte es – wider aller Erfahrung – nicht zu weiteren Verspätungen kommen.

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