Wirtschaft

Rolex geht und macht eigene Messe: Baselworld vor dem Aus, MCH Group prüft Einstellung

Rolex, Tudor, Patek Philippe, Chanel und Chopard verlassen die Baselworld. Das ist ein Paukenschlag für die einst grösste Basler Luxusmesse. Damit droht ihr nach dem Ausfall 2020 sogar das komplette Aus.

Andreas Schwald
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Dieser Platz wird frei: Rolex zieht sich von der Baselworld zurück.

Dieser Platz wird frei: Rolex zieht sich von der Baselworld zurück.

KEYSTONE/GEORGIOS KEFALAS

Das kann der Todesstoss für die Baselworld sein, die Luxusmesse für Uhren und Schmuck, in deren Glanz sich Basel lange laben konnte und die jetzt mit zunehmendem Tempo zerfällt. Am Dienstag teilten die grossen Marken Rolex, Tudor, Patek Philippe, Chanel und Chopard mit, dass auch sie die Baselworld verlassen werden – und stattdessen in Genf eine eigene Messe veranstalten.

Der Schlag ist so schwer, dass selbst die MCH Group AG in einer Stellungnahme am Dienstagabend schreibt: «Die MCH Group wird in den nächsten Wochen über die Weiterführung der Baselworld und die Investitionen in ihre langfristig ausgerichtete Weiterentwicklung entscheiden.» In anderen Worten: Es geht jetzt für die Baselworld ums nackte Überleben.

Uhrenszene in Aufruhr

Die Mitteilung, die von der Genfer Fondation Haute Horlogerie mitunterzeichnet und von Rolex verschickt wurde, versetzte die Uhrenszene am Dienstag in Aufruhr. Einschlägige Blogs reagierten prompt – kein Wunder, sie haben in den vergangenen Jahren die Zeitungen als Lieblingskanal der auf Glanz und Luxus versessenen Branche abgelöst.

So monieren sie immer noch die aus ihrer Sicht fehlende Terminkoordination zwischen der Basler und der Genfer Messe sowie mangelnde Kommunikation. Es seien von der Messeleitung Entscheide getroffen worden, in die sie nicht einbezogen gewesen waren, heisst es in der Mitteilung.

Seilziehen zwischen Messe und Marken

Das erwischte die MCH Group wurde auf dem linken Fuss. Die Unternehmen – inklusive Rolex – hätten sich laut Mediensprecher Christian Jecker sogar für die Verschiebung in den Januar 2021 ausgesprochen. «Sie sind zudem im Ausstellerkomitee vertreten, in dem die künftige Vision der Baselworld mehrmals diskutiert worden und auf positive Resonanz gestossen ist, was sich auch in unzähligen Einzelgesprächen gezeigt hat.» Die Absicht einer Abwanderung nach Genf sei nie erwähnt worden, «die MCH Group muss daraus schliessen, dass die entsprechenden Pläne seit längerer Zeit vorbereitet worden sind und die Diskussionen über die finanzielle Regelung der Absage der Baselworld 2020 nun als Argument vorgeschoben werden.»

Nun folgen die fünf Marken dem Beispiel von Swatch. CEO Nick Hayek erklärte bereits vor zwei Jahren den Rückzug seiner Marken von der Baselworld. Stattdessen richtet der einst flächenmässig grösste Aussteller der Baselworld nun eine eigene Messe für seine Uhren und Luxusgüter ein. Diesem Beispiel folgt nun mit Rolex ausgerechnet ein weiterer grosser Mieter, der Jahrzehnte lang in Basel anwesend war.

Die Ironie: Neue Messe mit altem Basler Luxusrezept

Dabei hatte die ausgewechselte Chefetage der Baselworld alles für einen kompletten Relaunch nach dem Krisenjahr 2018 vorbereitet: Messedirektor Michel Loris-Melikoff erarbeitete neue Mietmodelle für Stände, führte unzählige Gespräche mit Branchenvertretern und strebte eine Öffnung für die breitere Öffentlichkeit an.

Die fünf Abtrünnigen – obwohl in die Entscheidungskette integriert – schätzten das offenbar nicht: An ihrer neuen Messe, die nach eigener Aussage besser mit der Genfer Uhrenmesse «Watch & Wonders», ehemals Salon International de la Haute Horlogerie (SIHH), abgestimmt sein soll, kommt ironischerweise das Patentrezept der alten Baselworld zur Anwendung: Fokus auf VIP-Kunden, Journalisten, Händler.