Basler Verkehrs-Betriebe

Sein Vorgänger trat entnervt ab – BVB-Direktor Stehrenberger denkt laut über den öffentlichen Verkehr nach

Der neue BVB-Direktor Bruno Stehrenberger will auf einen starken Service public setzen. Im Interview mit der «Schweiz am Wochenende» spinnt er Ideen.

Jonas Hoskyn
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«Ich habe öV-Blut» – Bruno Stehrenberger ist seit gut zwei Monaten Direktor der BVB.

«Ich habe öV-Blut» – Bruno Stehrenberger ist seit gut zwei Monaten Direktor der BVB.

Kenneth Nars

Herr Stehrenberger, Ihr Vorgänger warf Ende Juni frustriert das Handtuch. Was tun Sie, dass dies bei Ihnen anders wird?

Bruno Stehrenberger: Ich will mich auf das Kerngeschäft der BVB, den öV, konzentrieren und schauen, dass wir einen starken Service public erreichen.

Der Service public geriet bei den BVB in den letzten Jahren in den Hintergrund. Es dominierten Themen wie schlechtes Betriebsklima und Sparübungen.

Es ist der falsche Weg, die Finanzen in den Griff kriegen zu wollen, indem man die Sparschraube anzieht und dann die Qualität leidet. Aber es ist eine Tatsache: Ein guter öffentlicher Verkehr kostet auch etwas.

Heisst das, die BVB brauchen mehr Geld?

Nein, das habe ich nicht gesagt. Aber ich lege einen anderen Fokus als mein Vorgänger. Es geht mir nicht darum, primär etwas einsparen zu wollen. Mir sind das Gesamt-öV-System und die Mobilität wichtig.

Das sind neue Töne vom BVB-Direktor.

Ja, das ist ein Kurswechsel.

Was ist mit dem umstrittenen Sparprogramm Avanti?

Das wurde schon vor meinem Amtsantritt gestoppt. Wir müssen nun die Hausaufgaben machen und den Personalunterbestand eliminieren, das Rollmaterial fit machen, die Infrastruktur sanieren.

Ein grosses Problem sind auch das schlechte Betriebsklima und die vielen Krankheitstage der Mitarbeiter.

Da sprechen wir vor allem vom Fahrpersonal. Durch den Unterbestand mussten die Mitarbeitenden immer am Limit arbeiten. Dazu herrschte eine Führungskultur, die vor allem aus Kontrolle bestand. Die Teamleitenden wurden darauf getrimmt, zu schauen, was die Leute alles falsch machen.

Wie korrigieren Sie das?

Führung bedeutet für mich vor allem erst einmal den Mitarbeitenden den Rücken freizuhalten, dass diese ihren Job machen können. Das geht natürlich nicht von heute auf morgen. Das muss man vorleben und Resultate vorweisen. Die Mitarbeitenden müssen sehen, dass sich etwas geändert hat. Solange das einfach Worte sind, bringt das gar nichts.

Für die Fahrgäste stehen meist andere Fragen im Fokus. Für Ärger sorgten die vielen Baustellen, vor allem auch die ausserordentlichen wie am Bankverein.

Bei der Sanierung der Gleise sind wir auf Kurs. Bis 2021 wollen wir die aufgestauten Sanierungen abgeschlossen haben. Kurzfristige Probleme kann man aber nie ausschliessen.

Es gibt politisch die Forderung, dass die BVB als Wiedergutmachung für die ganzen Baustellen einen Rabatt aufs U-Abo geben könnten.

Als Goodwill-Aktion wäre das eine gute Idee. Aber wir sind Teil des Tarifverbund Nordwestschweiz (TNW). Wir können nicht alleine einen Rabatt aufs U-Abo beschliessen. Deshalb stehe ich der Forderung eher ablehnend gegenüber.

Sprechen wir zum Abschluss über Ideen statt Probleme. Wohin wollen Sie die BVB lenken?

Die Mobilitätsnutzung ändert sich momentan rasant. Die Frage ist nur, ob mit uns oder ohne uns. Die BVB sollten zusammen mit der BLT eine tragende Rolle in den neuen Mobilitätsformen spielen. Wenn wie geplant 2000 neue Mietvelos in die Stadt kommen und jedes zwei Mal pro Tag benutzt wird, verlieren wir sonst am Ende eine halbe Million Fahrgäste.

Sie hätten gerne ein BVB-Mietvelo?

Sagen wir ein TNW-Mietvelo.

Ein TNW-Trottinett?

Da bin ich eher kritisch.

Ein selbstfahrendes TNW-Auto?

Ja klar, warum nicht? Der Kunde will immer mehr von Türe-zu-Türe. Zusammen mit dem Verwaltungsrat und dem Eigner müssen wir sehr bald die Frage klären, ob wir nur noch Fuhrhalter sein dürfen oder ein Mobilitätsanbieter.

Im Zusammenhang mit der BVB-Führung kam immer wieder der Vorwurf auf, dass es zu viele Auswärtige hat. Sie wohnen im Kanton Bern.

Ich werde in die Stadt Basel ziehen und bin aktuell auf Wohnungssuche. Aber Sie können mir glauben, nach drei Jahren bei den BVB kenne ich die Bedürfnisse dieser Region und deren Bevölkerung recht gut.